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Hilft Nikotin gegen Corona?

Selbst wenn es stimmen sollte, dass Nikotin das Andocken von Covid-19-Viren erschwert: Die Nachteile des Rauchens überwiegen.
Von Dr. Michael Barczok, Facharzt

Dr. Michael Barczok, Facharzt
Dr. Michael Barczok, Facharzt Foto: Barczok

Regensburg.Seit einigen Wochen kursieren Berichte, dass Nikotin das Andocken von Viren an Körperzellen erschweren und damit das Risiko einer Infektion mit SARS-CoV-2 Viren vermindern kann. Raucher waren nämlich in einer französischen Studie unter den untersuchten Covid-19 Patienten seltener vertreten, als es eigentlich ihrem Anteil in der Bevölkerung entspricht.

Die Autoren betonen zwar selbst, dass die Stichprobe sehr klein war (22 Raucher, davon 3 mit mehr als 20 Zigaretten/Tag), sehen aber theoretische Möglichkeiten, Nikotin therapeutisch zu nutzen. In einer Studie sollen die bislang vorwiegend theoretischen Überlegungen überprüft werden. Dabei sollen allerdings nicht Zigaretten Verwendung finden, sondern Nikotinpflaster, wie sie auch in der Raucherentwöhnung benutzt werden. Das Ergebnis dieser Studie bleibt abzuwarten.

Vielzahl von Giften

Tatsache ist, dass beim Rauchen zwar auch Nikotin im Körper aufgenommen wird, zusätzlich aber eine Vielzahl von anderen Giften und Substanzen, die zum einen die „Müllabfuhr“ der Lunge lähmen und zum anderen zu schwerwiegenden Störungen der Lungenfunktion (COPD) führen können. Dies erhöht nachweislich und durch viele Studien gestützt die Komplikationsrate von Covid-19 erheblich. Vielleicht erschwert also Nikotin das Andocken des Virus an Körperzellen, schafft er es aber doch, haben Raucher stärkere Komplikationen zu befürchten als Nichtraucher.

Es gilt daher mehr denn je: Hören Sie auf zu rauchen! Sorgen Sie dafür, dass Ihre Lunge so gut wie möglich funktioniert! Nehmen Sie Ihre Medikamente regelmäßig, wenn Sie unter COPD oder unter Asthma leiden!

Rauchstopp immer positiv

Wer beim Rauchstopp unter Entzugserscheinungen leidet, kann vom Arzt individuell dosierte Nikotinersatzstoffe empfohlen bekommen. Sollte die französische Studie positiv verlaufen, wäre das dann von Vorteil, anderenfalls wäre es auf jeden Fall gut, wenn das inhalative Rauchen beendet wird. Exraucher können dabei also nur gewinnen.

Nichtraucher aber sollten von Nikotin-/ersatzstoffen die Finger lassen. Vom eigenständigen Einsatz von Nikotinersatzstoffen zur vermeintlichen Abwehr einer möglichen Corona-Infektion außerhalb kontrollierter Studien kann daher nur dringend abgeraten werden. Bleiben Sie gesund!

Der Autor ist in Ulm als niedergelassener Pneumologe tätig und ist Sprecher des Bundesverbandes der Pneumologen, Schlaf- und Beatmungsmediziner (BdP).

Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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