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Gesellschaft

Horst Opaschowski wird 75

Was wird aus mir? Das hat sich Opaschowski wohl schon als Kind im Waisenheim gefragt. Er wurde Zukunftsforscher.

Der Hamburger Zukunftsforscher Horst Opaschowski. Foto: dpa
Der Hamburger Zukunftsforscher Horst Opaschowski. Foto: dpa

Hamburg.Der Zukunftsforscher Horst Opaschowski teilt die Menschen zum Jahresende immer in Optimisten und Pessimisten ein. Ihn selbst darf man fest im Lager der Optimisten verorten. „Man kann sich nicht im Jammertal bewegen“, lautet sein Credo. Vor einiger Zeit habe er ein Problembuch nach dem Motto „Es ist fünf vor zwölf“ schreiben wollen. Seine Tochter Irina habe ihm abgeraten, erzählt Opaschowski, der am 3. Januar seinen 75. Geburtstag feiert. „Du bist doch Mr. Positiv, du denkst über Problemlösungen nach“, habe sie ihm gesagt. Als das Buch 2014 erschien, hieß es: „So wollen wir leben!“.

Opaschowski ergreift Partei für die Zukunft, achtet im übrigen aber auf seine parteipolitische Unabhängigkeit. Als studierter Pädagoge wurde er unter Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) wissenschaftlicher Mitarbeiter und erarbeitete eine freizeitpolitische Konzeption für die Bundesregierung. Unter Kanzler Helmut Kohl (CDU) war er als Gutachter tätig, als Berater von Angela Merkel regte er Zukunftskonferenzen und den Bürgerdialog an. Unzählige Male hat er auf Parteiveranstaltungen von SPD, CDU, CSU und FDP geredet. Auch Unternehmen berät er, ohne Unternehmensberater sein zu wollen. Er bezeichnet sich lieber als „Impulsgeber“. Seine Themen sind die Freizeittrends, Tourismus und andere gesellschaftliche Entwicklungen.

Eine prägende Kindheit

Den Optimismus brauchte der im oberschlesischen Beuthen (heute Bytom) geborene Opaschowski schon in seiner Kindheit dringend. Sein Vater war im Krieg gefallen, seine Mutter gab den vier Jahre alten Horst und dessen Bruder nach der Flucht nach Bayern in einem Kinderheim ab. Es folgten zehn Jahre in Waisenhäusern. „Das hat natürlich sehr stark geprägt.“ Er habe sehr viele Verlassenheitsängste ausgestanden und ein ausgeprägtes soziales Empfinden entwickelt. Die Familie spiele für ihn die größte Rolle, nicht nur in seiner Forschung.

Seit fast einem halben Jahrhundert ist er mit seiner Frau Elke verheiratet, mit der er zwei Kinder hat – neben Irina, die mit dem Fernsehmoderator Jörg Pilawa verheiratet ist, noch Sohn Alexander. Es gibt fünf Enkelkinder.

Seine Liebe zu seiner Frau ist legendär. Bei seiner Verabschiedung als Erziehungswissenschaftler an der Universität Hamburg im Jahr 2006 sollen Studenten gesagt haben: „Prof. Opaschowski hat einmal gesagt: „Meine Frau würde ich immer wieder heiraten.““

Als sie 1967 heirateten, war er noch ein armer Student, sie aber bereits Bundesbeamtin. Zugunsten der Kinder blieb sie zu Hause, um Jahre später an der Seite ihres Mannes weiterzuarbeiten. „Seit zwei bis drei Jahrzehnten sind wir eine Forschungsallianz“, sagt Opaschowski. In diese Allianz ist inzwischen auch Tochter Irina eingetreten. Gemeinsam haben sie das Opaschowski Institut für Zukunftsforschung gegründet.

Zwei große Irrtümer

Der Name ist etabliert. Mehr als 40 Bücher hat Opaschowski veröffentlicht. Hat er sich bei so vielen Vorhersagen auch mal geirrt? „Ich habe mit zwei großen Prognosen danebengelegen“ bekennt er freimütig. Lange vor 2005 habe er die Zahl von fünf Millionen Arbeitslosen vorausgesagt. Er habe dabei vor einer „Horrorvision“ gesprochen und vor „Unruhen“ gewarnt. Als die Zahl schließlich gemeldet wurde, sei das am Tag danach kein Thema gewesen. „Stattdessen waren die Zeitungen auf der Seite eins voll mit Berichten über den Schiedsrichterskandal in der Bundesliga.“

Sein zweiter Irrtum sei gewesen, die Umweltentwicklung als Zeitbombe zu betrachten. „Vielleicht muss man bei der Umweltproblematik viel, viel größere Zeiträume einplanen.“ Dass er weiter die Trends der Zukunft erforschen wird, ist für Opaschowski keine Frage. Zwar sei er schon als „Prof. Opa“ tituliert worden, aber Forscher übten ihre Tätigkeit nun mal ein Leben lang aus. „Ich habe eine Verpflichtung der Gesellschaft gegenüber“, ist er überzeugt. (dpa)

Zur Person

  • Zukunftswissenschaftler:

    Prof. Dr. Horst W. Opaschowski ist Zukunftswissenschaftler und Berater für Wirtschaft und Politik. Opaschowski wurde 1941 in Beuthen/Oberschlesien geboren.

  • Themen:

    Seine Themenschwerpunkte liegen im Bereich der Gesellschafts- und Zukunftsforschung. Seit 1970 hat Opaschowski über 40 Bücher veröffentlicht, unter anderem „Deutschland 2030“.

  • Ruf:

    Opaschowski hat sich einen Namen als „Mr. Zukunft“ (dpa) und „Zukunftspapst“ (Focus) gemacht und ist „eine unumstößliche Größe in der Zukunftsforschung“ (Süddeutsche Zeitung).

  • Auszeichnungen:

    Opaschowski ist Träger des Ehrenpreises des Tourismusausschusses des Deutschen Bundestags sowie des Verdienstkreuzes 1. Klasse des Verdienstordens der BRD.

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