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Panorama
Mittwoch, 26. September 2018 18° 1

Naturkatastrophe

In der Hölle des Feuervulkans

Als der Feuervulkan in Guatemala urplötzlich ausbricht, können viele nicht mehr schnell genug fliehen.
Von Patricia Castillo und Amelie Richter, dpa

  • Ein Junge steht nach dem Ausbruch des Feuervulkans in einer zerstörten Landschaft. Foto: Prensa Libre/XinHua/dpa
  • Mindestens 65 Menschen sind bei der Naturkatastrophe ums Leben gekommen. Foto: afp/Johan Ordonez

Guatemala-Stadt.Das gemäßigte Grollen des Feuervulkans beachten die Anwohner kaum. Die Bewohner der Dörfer um den Berg in Guatemala gehen am Sonntag dem normalen Rhythmus ihres Tages nach – daran gewöhnt, dass sich der Berg bald wieder beruhigen würde. Als das Rumoren des Vulkans jedoch immer stärker wird, bis zu einem Ausbruch mit voller Kraft, bleibt kaum noch Zeit für eine Flucht.

„Meine Schwestern schrien: Nelda, es wird schlimmer, die Wolken sind schon hier, fast über der Siedlung“, berichtet Nelda Mijangos Chang unter Tränen. Die 45-Jährige kommt aus San Miguel Los Lotes im Department Escuintla. Das Gebiet ist wohl am härtesten getroffen von der Zerstörungskraft des Volcán de Fuego, des Feuervulkans.

Ihre Mutter habe sich nicht vom Platz bewegt und weiter Tortillas auf den Ofen gelegt. Sie und ihre Schwestern hätten sie zur Flucht gedrängt, aber die Mutter habe nicht gehen wollen, sagt Mijangos. Als sie sie endlich überredet hätten, habe die heiße Lava fast die Füße der Mutter erreicht. Die Schwestern müssen sie tragen. Die Frau wird später in die Klinik San Juan de Dios in die Hauptstadt Guatemala-Stadt gebracht.

Zahl der Todesopfer steigt auf über 60

Ein Blick über das Ausmaß der Zerstörung Foto: Prensa Libre/XinHua/dpa
Ein Blick über das Ausmaß der Zerstörung Foto: Prensa Libre/XinHua/dpa

Für mehr als 60 Menschen dagegen kommt jede Hilfe zu spät, sie sterben nach dem heftigsten Ausbruch des Vulkans seit langer Zeit. Sie werden überrascht von der heißen Mischung aus flüssigem Gestein, Schlamm und Gasen – manche schaffen es nicht mehr aus ihren Häusern. Und einige abgelegene Dörfer haben die Helfer am Montagabend (Ortszeit) noch gar nicht erreicht, so dass noch weitere Todesopfer befürchtet werden.

Mit seinen 3763 Metern erhebt sich der Volcán de Fuego neben dem Acatenango und dem Wasservulkan – zusammen ergeben sie ein beeindruckendes Dreigestirn südlich von Guatemala-Stadt. Der Wasservulkan ist nicht mehr aktiv. Berühmtheit erlangte er 1541, als er Gestein und Schlamm ausspuckte, das die damalige Hauptstadt der spanischen Kolonien, Santiago Atitlán, erreichte.

Die sonst eher beschauliche Landschaft um die drei Vulkane hat sich für die Bewohner um den Feuervulkan in ein apokalyptisches Szenario verwandelt. In den am schwersten getroffenen Gebieten, die bereits von Einsatzkräften erreicht werden konnten, scheinen Tote auf dicken Lava-Massen zu treiben, andere Opfer sind einfach zugedeckt von Asche und Gestein.

Lava fließt durch die Straßen

Zwei Frauen tragen den Sarg eines bei dem Vulkanausbruch getöteten Kindes. Foto: afp/Johan Ordonez
Zwei Frauen tragen den Sarg eines bei dem Vulkanausbruch getöteten Kindes. Foto: afp/Johan Ordonez

„Es sind nicht alle Leute rausgekommen. Sie konnten nicht raus... Ich sage, dass sie verschüttet wurden“, sagt Consuelo Hernández dem Fernsehsender Todo Noticias. Auch sie ist komplett mit getrocknetem grauen Schlamm überzogen. Die Lava sei einfach durch die Straßen geflossen. Sie und einige ihrer Familienmitglieder hätten sich gerade noch auf einen Hang in der Nähe ihres Hauses retten können.

Der Sender zeigt Bilder aus El Rodeo, einer Siedlung, die ebenfalls schwer von dem Ausbruch des Vulkans getroffen wurde. Ersthelfer treffen dort auf einen etwa 60 Jahre alten Mann. Er sitzt auf dem Boden, ohne Kraft und überzogen von getrocknetem Schlamm. Neben ihm liegen zwei verbrannte Körper.

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