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In der Schule bitte Gesicht zeigen!

Sollten minderjährige Mädchen vollverschleiert im Unterricht sitzen dürfen? Nein, findet Dr. Reinhard Erös.
Dr. Reinhard Erös, Arzt

Der Autor ist Gründer und Vorsitzender des Vereins „Kinderhilfe Afghanistan“. Foto: Reiner
Der Autor ist Gründer und Vorsitzender des Vereins „Kinderhilfe Afghanistan“. Foto: Reiner

„Wehret den Anfängen“ war die Forderung aller Demokraten zu den Vorgängen letzte Woche in Thüringen. Gleiches sollte gelten, worüber derzeit in Norddeutschland politisch heftig gestritten wird: Dürfen selbst minderjährige Mädchen mit Vollverschleierung die Schule besuchen. Noch sind es Einzelfälle, bei denen im Unterricht der sogenannte Niqab, das arabische Gegenstück zur afghanischen Burka, getragen wird. Dieser Schleier verhüllt mit Ausnahme eines schmalen Augenschlitzes das gesamte Gesicht.

Erzieher und Lehrer: Verbot des Schleiers ist „Ende des Dialogs“

Trotz Verbotes der Schulbehörden in Hamburg und Schleswig-Holstein besteht die erst vor wenigen Jahren zum Islam konvertierte Mutter einer 14-jährigen Schülerin darauf, dass ihre Tochter vollverschleiert am Unterricht teilnimmt. An der Universität in Kiel weigert sich eine Studentin, im Hörsaal den Vollschleier abzunehmen. „Notfalls gehen wir bis nach Karlsruhe“ droht ihr Anwalt den Behörden. Er erfährt dabei die volle Zustimmung der Partei „Die Linke“. Bis vor wenigen Tagen hatte auch die Fraktion der Grünen das Verbot eines Gesichtsschleiers für Minderjährige abgelehnt. Erst nach Intervention ihres Bundesvorsitzenden Habeck rückten die Grünen von dieser Forderung ab.

Ganz erstaunlich ist die Position der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) mit ihren 280 000 Mitgliedern, zumeist Lehrer und Erzieher. Die im Spektrum des DGB eher links angesiedelte Organisation zeigt großes Verständnis für die Vollverschleierung von Mädchen im Unterricht. Ihre pädagogisch aberwitzige Begründung: „Ein Verbot des Gesichtsschleiers bedeutet das Ende jeden Dialogs“.

Nicht einmal in Afghanistan tragen Lehrerinnen oder Schülerinnen den Schleier

Vorläufiger Höhepunkt: Das Oberverwaltungsgericht Hamburg hat die Forderungen von GEW und der Linken für berechtigt erklärt und den Schulbehörden ein Verbot des Gesichtsschleiers untersagt.

Selbst im streng islamischen Afghanistan tragen Lehrerinnen oder Schülerinnen im Unterricht nie einen Gesichtsschleier. Im Gegenteil: Beim Betreten des Schulgeländes werfen sie die Burka, die sie auf dem Schulweg aus Sicherheitsgründen tragen müssen, in die Ecke. Auf meine Frage, wie es denn unter der Burka aussehe, antwortet mir einst eine Schuldirektorin fast philosophisch: „Die Welt ist dort sehr dunkel.“

Hoffentlich bleibt die Welt wenigstens in Bayern noch lange hell.

Autoreninformation:

Der Autor ist Gründer und Vorsitzender des Vereins „Kinderhilfe Afghanistan“.

Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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