MyMz

Entwicklungshilfe

Inklusion in armen Ländern

Deutschland sollte sich stärker für Menschen mit Behinderung einsetzen – gerade dort, wo diese besonders ausgegrenzt werden.
Marion Muhalia, Entwicklungshilfe-Expertin

Menschen mit Behinderungen sind häufig ausgeschlossen – vor allem in den ärmsten Regionen der Welt. Abgeschnitten von medizinischen Diensten, von Bildung und von Berufschancen. Die deutsche Regierung muss mehr tun, um das zu ändern. Sie können nicht zum Arzt für medizinische Behandlungen. Sie sitzen daheim, statt in die Schule zu gehen oder zu arbeiten. Alles unfreiwillig. Die Türen sind für Menschen mit Behinderungen schlichtweg zugesperrt – wie in einem Gefängnis.

Wir sprechen von über einer Milliarde Menschen weltweit. 15 Prozent der Gesamtbevölkerung. Die meisten von ihnen leben in den ärmsten Regionen dieser Welt. Ihnen fehlt oft der Zugang zur Schule, zum Krankenhaus und sogar zur Toilette. Über das sprichwörtliche Wasser und Brot aus der Knastküche würden sie sich stellenweise freuen. Auch um auf diese Missstände aufmerksam zu machen, haben die Vereinten Nationen Menschen mit Behinderungen den heutigen Tag gewidmet.

Die Ausgrenzung schadet auch der Wirtschaft

Aber auch die gesamte Gesellschaft leidet, wenn so viele ausgeschlossen werden: In Bangladesch führt der niedrigere Bildungsstand von behinderten Menschen laut Schätzungen der Weltbank zu Verlusten von 26 Millionen US-Dollar pro Jahr. Weil vor allem Mädchen ihre Angehörigen pflegen müssen, können auch sie nicht zur Schule gehen. Rechnet man diese Verluste ein, kostet es die Wirtschaft insgesamt 54 Millionen US-Dollar jährlich. Das entspricht fast einem Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit ignoriert, dass Menschen mit Behinderungen quasi hinter Schloss und Riegel sitzen. Deutschland muss mehr Entwicklungsprogramme schaffen für die Menschen, die besonders benachteiligt sind – allen voran für Menschen mit Behinderungen.

Mehr Geld für Inklusionsprojekte

Aktuell gibt es in Deutschland keine speziellen Budgets in der Entwicklungszusammenarbeit für Inklusion. Und gerade einmal sechs Prozent der staatlichen Projekte berücksichtigen Menschen mit Behinderungen. 15 Prozent fordert die Christoffel-Blindenmission dagegen. Das wäre gerecht: Dann nämlich entspricht der Anteil dem, den auch Menschen mit Behinderungen an der Weltbevölkerung ausmachen. Die Budgeterhöhung ist nötig. Denn Geld sprengt die Ketten, sorgt für gleiche Chancen. Dollars sind der Dietrich, der hilft das Schloss zu knacken.

Die Autorin ist Co-Founderin und CEO bei Startup Teens. Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung der Autorin wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht