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Außenansicht

Interesse für andere zeigen

Im Netz, aber auch Face-to-Face ist Misstrauen Standard. Ein Miteinander gelingt nur, wenn man sich in andere einfühlt.
Von Roland Preussl, Theologe

Der Autor ist Bakk. Phil., Dipl. Theol., Pastoralreferent und geschäftsführender Bildungsreferent der KEB in der Stadt Regensburg e.V.
Der Autor ist Bakk. Phil., Dipl. Theol., Pastoralreferent und geschäftsführender Bildungsreferent der KEB in der Stadt Regensburg e.V.

In den sozialen Medien können unter vielen geposteten Artikeln Hasskommentare gelesen werden. Eine vermeintliche Wahrheit wird gegen die andere gestellt. Eine Unterstellung reiht sich an die nächste, und Verschwörungstheorien blühen in den schrillsten Farben. Es scheint fast, als wäre das Misstrauen am Gegenüber an der Tagesordnung.

Aber auch in der Face-to-Face-Kommunikation beklagen beispielsweise Lehrkräfte zunehmend, dass oft nicht mehr zusammen mit den Eltern Wege für das Kind gesucht werden können. Es scheint derzeit fast so, als wenn Mitarbeiter ihren Arbeitgebern, Arbeitgeber den Mitarbeitern, Bürger dem Staat, der Staat den Bürgern und Staaten staatlichen Vereinigungen misstrauen.

Zunächst haben wir heute Möglichkeiten der Kommunikation, wie sie noch keine Generation vor uns hatte.

Kompromisse und Lösungen werden oft nicht mehr gefunden, weil nicht miteinander, sondern eher übereinander gesprochen wird. Ein Einlassen auf das Gegenüber und die jeweiligen Kompetenzen und Bedürfnisse ist oft eine Fehlanzeige. Zudem schüren geistige Brandstifter zunehmend ein Klima der Verunsicherung, das das Vertrauen in die Gesellschaft und die Demokratie schwächt. Aber wie können wir gesellschaftlich wieder zu einem Miteinander gelangen? Einem Miteinander, das Dialoge und Kommunikation fördert. Im Wort Kommunikation steckt ja auch „Communio“, also „Gemeinschaft“. Zunächst haben wir heute Möglichkeiten der Kommunikation, wie sie noch keine Generation vor uns hatte. Jeder von uns ist in der medialen Interaktion heute nicht nur Empfänger, sondern auch Sender. Jeder kann die Welt bereichern oder ihr auch schaden.

Damit Vertrauen gewonnen werden kann, braucht es (Nach-)Fragen und ein echtes Interesse am Gegenüber.

In der christlichen Tradition gibt es einen Hinweis, zunächst die Aussage des Gegenübers anzunehmen. Das bedeutet, sich auf das Gegenüber einzulassen und nachzufragen. Damit Vertrauen gewonnen werden kann, braucht es (Nach-)Fragen und ein echtes Interesse am Gegenüber. Wir brauchen mehr gesellschaftliche Diskurse von Arbeitgebern mit ihren Mitarbeitern, von jungen Menschen mit der älteren Generation, von Politikern mit ihren Wählern, und das nicht nur vor der Wahl. Vielleicht sollten wir beginnen, uns gesellschaftlich wieder mehr Fragen zu stellen, als vorgefertigte Antworten zu geben. Dann entstehen Lösungen, die von mehr Menschen im Vertrauen getragen werden.

Der Autor ist Bakk. Phil., Dipl. Theol., Pastoralreferent und geschäftsführender Bildungsreferent der KEB in der Stadt Regensburg e.V.

Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

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