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Intrigen, Affären und Nacktfotos

Seit Tagen bekriegen sich Amazon-Chef Jeff Bezos und ein US-Klatschblatt. Jetzt macht ein weiteres pikantes Detail die Runde.
Von Marc Kalpidis, dpa

An Geld für private Ermittlungen mangelt es Bezos nicht: Er ist laut „Forbes“ der derzeit reichste Mensch der Welt. Foto: Albin Lohr-Jones
An Geld für private Ermittlungen mangelt es Bezos nicht: Er ist laut „Forbes“ der derzeit reichste Mensch der Welt. Foto: Albin Lohr-Jones

Washington.Der Streit über intime Privatfotos von Amazon-Chef Jeff Bezos drehte sich bislang vor allem um Erpressungsvorwürfe und angebliche politisch motivierten Intrigen. Jetzt scheint sich die Schlacht der Anwälte auch noch zu einer Familienaffäre auszuwachsen. Denn die Nacktfotos und pikanten Textnachrichten des wohl reichsten Mannes der Welt soll ausgerechnet der Bruder von dessen Geliebter Lauren Sanchez an das Boulevardblatt „National Enquirer“ durchgestochen haben. Das berichtete die US-Nachrichtenplattform „The Daily Beast“ am Sonntag (Ortszeit).

Spur führt zum Bruder der Geliebten

Das Newsportal beruft sich auf mehrere Quellen innerhalb des „Enquirer“-Verlags American Media Inc (AMI). Eine weitere Quelle außerhalb des Verlags – aber mit direktem Kontakt zur AMI-Spitze – habe bestätigt, dass Michael Sanchez als Schuldiger ausgemacht worden sei. Er ist ein bekennender Unterstützer von Donald Trump und steht mehreren Personen aus dem Umfeld des US-Präsidenten nahe.

Bezos hatte Privatermittler beauftragt, um denjenigen ausfindig zu machen, der die Nacktfotos und Textnachrichten an den „National Enquirer“ weitergegeben hat. Dem Klatschblatt und AMI-Chef David Pecker, einem langjährigen Vertrauten Trumps, warf der Multimilliardär Erpressung mit übelsten Methoden vor. Der Verlag habe von ihm verlangt, private Ermittlungen zu einer schon publizierten Enthüllungsgeschichte über sein Privatleben zu stoppen und zu erklären, dass diese Veröffentlichung nicht „politisch motiviert oder durch politische Kräfte beeinflusst war“. Andernfalls würde neues Material unter der Gürtellinie veröffentlicht.

Liebesnotizen veröffentlicht

Hintergrund ist die Trennung des „Washington Post“-Besitzers von seiner Ehefrau MacKenzie – und sein Verhältnis mit der früheren TV-Moderatorin Sanchez. Das Ehepaar hatte am 9. Januar bekanntgegeben, sich nach 25 Ehejahren scheiden zu lassen – und dabei außereheliche „Erkundungen in Liebesdingen“ angedeutet. Laut der „Washington Post“ hatte der „Enquirer“ Bezos kurz zuvor informiert, dass er eine Geschichte über dessen Seitensprung mit Sanchez veröffentlichen werde. Kurz nach Ankündigung der Scheidung machte das Blatt dann die Affäre öffentlich und publizierte „schlüpfrige Textnachrichten und schwärmerische Liebesnotizen“ der beiden.

Bezos drehte den Spieß um

In dem neuerlichen Schlagabtausch beider Seiten geht es um bislang unveröffentlichtes Material. Doch statt vor seinen „Erpressern“ zu kapitulieren, drehte Bezos den Spieß am Donnerstag um und stellte offenkundig von AMI-Verantwortlichen verschickte E-Mails ins Netz, um den Verlag in Erklärungsnot zu bringen – trotz darin enthaltener Peinlichkeiten für ihn selbst. Und er machte deutlich, dass er sehr wohl politische Motive hinter der „Enquirer“-Geschichte zu seiner Geliebten sieht. AMI teilte daraufhin mit, man werde die Vorwürfe prüfen, halte die Berichterstattung über Bezos aber nach wie vor für rechtens.

Der Anwalt von AMI-Chef Pecker, Elkan Abramowitz, wies Bezos' Erpressungsvorwurf am Sonntag in einem Interview des Nachrichtensenders ABC News zurück. Es habe sich um legitime Verhandlungen zwischen zwei Seiten mit unterschiedlichen Interessen gehandelt – Bezos habe weitere Geschichten und Foto-Enthüllungen verhindern, der Verlag nicht als Handlanger politischer Kräfte dastehen wollen. Die Fotos und Textnachrichten seien dem „Enquirer“ von einer „verlässlichen Quelle“ zugespielt worden, mit der das Blatt schon seit sieben Jahren zusammenarbeite. Sowohl Bezos als auch Lauren Sanchez würden die betreffende Person „gut kennen“.

Methode „Catch and kill“

Bezos ist Gründer und Vorstandschef des US-Internetriesen Amazon und laut „Forbes“ der derzeit reichste Mensch der Welt. Das US-Magazin schätzte sein privates Vermögen zuletzt auf rund 136,9 Milliarden Dollar (118,8 Mrd Euro). Die von Bezos gekaufte „Washington Post“ zieht mit ihrer kritischen Berichterstattung immer wieder den Unmut Trumps auf sich, der der international geachteten Zeitung beharrlich „Fake News“ vorwirft.

Trumps Fahrensmann Pecker und dessen Verlag sorgen immer wieder für Schlagzeilen – auch und gerade im Zusammenhang mit Trump. So spielte AMI eine zentrale Rolle in der Schweigegeldaffäre im Zusammenhang mit angeblichen Liebschaften Trumps. Der „Enquirer“ soll sich mehrfach die Rechte an kompromittierenden Geschichten gesichert haben, um sie zugunsten Trumps totzuschweigen. Die Methode ist in den USA als „catch and kill“ bekannt (zu Deutsch etwa: „fangen und vernichten“).

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