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Finanzen

Investieren ist besser als sparen

Mit Sparen allein baut man kein Vermögen auf. Besser wäre es, das Geld zu investieren. Ein Vorbild könnte Norwegen sein.
Von Falk Zielke, dpa

Das Geld, das durch den Verkauf von Öl und Gas hereinkommt, investiert Norwegen seit 1996 in einen Staatsfonds, den sogenannten Pensionsfonds. Dessen Vermögen liegt mittlerweile bei rund 8,3 Billionen Kronen (rund 860 Milliarden Euro). Foto: Andrea Warnecke/dpa
Das Geld, das durch den Verkauf von Öl und Gas hereinkommt, investiert Norwegen seit 1996 in einen Staatsfonds, den sogenannten Pensionsfonds. Dessen Vermögen liegt mittlerweile bei rund 8,3 Billionen Kronen (rund 860 Milliarden Euro). Foto: Andrea Warnecke/dpa

Oslo.Norwegen ist ein glückliches Land. Zwar landete es im World Happiness Report 2018 nach Finnland nur auf Platz zwei. Doch das kann den Norwegern egal sein. Denn finanziell haben die rund 5,1 Millionen Einwohner ausgesorgt. Dank des Ölreichtums ist jeder Norweger rein rechnerisch Kronen-Millionär. Denn das Geld, das durch den Verkauf von Öl und Gas hereinkommt, investiert Norwegen seit 1996 in einen Staatsfonds, den sogenannten Pensionsfonds. Dessen Vermögen liegt mittlerweile bei rund 8,3 Billionen Kronen (rund 860 Milliarden Euro). Umgerechnet auf jeden Einwohner ergibt das etwa 160 000 Euro oder etwas mehr als 1,5 Millionen Kronen.

Was hat das mit den Menschen in Deutschland zu tun? Die Antwort ist einfach: So reich werden kann man auch. „Die meisten Sparer machen einen Fehler“, sagt Clemens Bomsdorf. „Sie legen das Geld einfach nur beiseite, statt es zu investieren.“ Und damit verschenken sie Rendite.

Der norwegische Pensionsfonds

Bomsdorf arbeitet als Korrespondent in Skandinavien und hat dabei viel über den norwegischen Pensionsfonds berichtet. Dabei merkte er : „Der Fonds macht es besser.“ Die Anlagekriterien sind transparent, die Strategie und die Investments werden offengelegt. Und so entstand die Idee, die norwegische Anlagestrategie in einem Buch zu erklären. Der Fonds taugt durchaus als Modell für Anleger, findet Annabel Oelmann. „Hierzulande sind die meisten Anleger risikoavers“, hat die Chefin der Verbraucherzentrale Bremen beobachtet. Will heißen: Kursschwankungen bei Aktien oder Fonds werden als gefährlich wahrgenommen, Zinszahlungen von Banken als sicher. Aber Oelmann betont: „Ohne Risiko mache ich Verlust.“ Der Grund: Auf einem Tagesgeld- oder Girokonto gibt es kaum bis gar keine Zinsen. Da die Inflation derzeit in jedem Fall höher ist als diese Rendite, verliert das Geld kontinuierlich an Wert. Was können Anleger vom Pensionsfonds also lernen?

„Für private Kleinanleger sind Investitionen in einzelne Aktientitel aber zu riskant. Je nach Risikoneigung kann in reine Aktienfonds oder auch Mischfonds, die sowohl Aktien als auch Anleihen enthalten, investiert werden.“

Annabel Oelmann, Chefin der Verbraucherzentrale Bremen

„Ziel des Fonds ist es, das Geld aus dem Ölgeschäft so anzulegen, dass der Staat langfristig etwas davon hat“, erklärt Bomsdorf. Anders gesagt: Der Pensionsfonds investiert das Geld, ohne dabei auf kurzfristige Kursschwankungen zu achten. Und das macht sich bezahlt: Zwar gibt es bei Aktien das Risiko der Kursschwankungen. Dieses wird aber in der Regel mit höheren Renditen belohnt. Mit dieser Strategie konnte der norwegische Pensionsfonds seit 1998 eine jährliche Rendite von sechs Prozent erwirtschaften.

Nicht alles auf eine Karte setzen

Mit seinem Öl verdient Norwegen viel Geld. Foto: Rainer Jensen/dpa
Mit seinem Öl verdient Norwegen viel Geld. Foto: Rainer Jensen/dpa

„Für private Kleinanleger sind Investitionen in einzelne Aktientitel aber zu riskant“, sagt Oelmann. Sie rät, stattdessen eher breitgestreute Investmentfonds oder Indexfonds (ETFs) zu kaufen. „Je nach Risikoneigung kann in reine Aktienfonds oder auch Mischfonds, die sowohl Aktien als auch Anleihen enthalten, investiert werden.“

Ein weiterer wichtiger Punkt, den sich Anleger abschauen können: nicht alles auf eine Karte setzen. Laut Bomsdorf hält der norwegische Fonds derzeit Aktien von 9000 Unternehmen. Dabei setzen die Anlageexperten nicht nur auf Größen wie Apple oder Daimler, sondern auch auf kleinere Unternehmen. Small Caps machten 2016 einen Anteil von zehn Prozent des Aktienvermögens aus. Außerdem ist das Geld des Pensionsfonds rund um die Welt angelegt. Der Fonds kauft zudem Anleihen von Unternehmen und Staaten. Diese Zinspapiere machen derzeit einen Anteil von rund 31 Prozent aus. Ergänzt wird das Portfolio durch Investitionen in Immobilien.

Diszipliniert und nachhaltig

Die Norweger haben gut lachen. Denn rein rechnerisch ist jeder von ihnen Kronen-Millionär. Foto: Hendrik Schmidt/dpa
Die Norweger haben gut lachen. Denn rein rechnerisch ist jeder von ihnen Kronen-Millionär. Foto: Hendrik Schmidt/dpa

Keine Frage, das Volumen des Pensionsfonds ist gewaltig. „Die Hälfte davon besteht aber aus den Einzahlungen“, erklärt Bomsdorf. Die andere Hälfte sind die Gewinne. Anders gesagt: Die norwegische Regierung spart diszipliniert und konsequent. Wer diesem Beispiel folgt und jeden Tag einen Euro spart, hat nach 20 Jahren 7200 Euro angesammelt. Unterstellt man die Wertentwicklung des Fonds, also sechs Prozent jährlich, ergibt das ein Vermögen von 16 000 Euro. Aber: Sparen allein macht nicht reich, erklärt Oelmann. „Sie müssen erstmal eventuelle Schulden abbauen“, sagt die Verbraucherschützerin.

„Die meisten Sparer machen einen Fehler. Sie legen das Geld einfach nur beiseite, statt es zu investieren.“

Clemens Bomsdorf, Autor des Buches: „So werden Sie reich wie Norwegen – Genial einfach ein Vermögen aufbauen“

Nicht alle Investments des Pensionsfonds haben sich so entwickelt wie gehofft. Manche Papiere machten sogar Verlust. „Fehler gehören dazu“, sagt Annabel Oelmann. „Nur so kann ich auch lernen.“ Wer sein Geld gut verteilt hat, wird aller Voraussicht nach keinen Totalverlust machen. Der Grund: Da nie alle Anlageklassen gleichzeitig ins Minus geraten, ist das Risiko begrenzt.

Auch Nachhaltigkeit spielt eine Rolle. Der norwegische Pensionsfonds kauft nicht einfach irgendwelche Papiere. „Der Fonds ist sehr nachhaltig“, sagt Thomas Küchenmeister von Facing Finance. Die Anlagekriterien verbieten es den Fondsmanagern zum Beispiel, in Rüstungsunternehmen oder Firmen, die Menschenrechte verletzen, zu investieren.

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