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Panorama
Donnerstag, 19. Juli 2018 30° 1

Interview

Jürgen Drews und die hohen Töne

Die Mittelbayerische traf den Sänger und Entertainer. Er sprach auch über seine anfängliche Ablehnung gegenüber Schlager.
Von Philipp Seitz und Martin Kellermeier

Jürgen Drews begeisterte bei der Olé-Party Fans. Foto: Kellermeier
Jürgen Drews begeisterte bei der Olé-Party Fans. Foto: Kellermeier

Herr Drews, stimmt es, dass Sie eigentlich nie Schlagersänger werden wollten?

Nein, niemals. Der Chef von Warner Brothers, Siggi Loch, der mochte mich sehr gerne. Er wollte mich unbedingt auf Deutsch haben. Ich habe ihm aber gesagt: Ich werde nicht auf Deutsch singen! Und vor allem werde ich eines nicht singen: Schlager. Wenn ich schon an eine Schlagerveranstaltung gedacht habe, dann hat sich mein Magen umgedreht.

Wie kam es dann zu der Wende?

Als es mit den Les Humphries Singers zu Ende war, schickte Siggi mir einen Text zu. Ich hatte mich zuvor bereiterklärt, doch ein Album auf Deutsch zu machen. Heute würde ich zu dem, was ich damals verbrochen habe, sagen: Das war Liedermachen für Arme. Siggi Loch schickte mir also den Text zu ... den Kornfeld-Text. Ich habe ihn angerufen und gesagt: „Siggi, das klebt. Das klingt wie plattester Schlager. Total fürchterlich. Was soll ich denn darauf komponieren?“ Er hat nur gesagt, dass er meinen Anruf erwartet hat. Und er meinte, ich soll nichts darauf komponieren. Er schickte mir dann also auch noch die Melodie zu und flehte mich an, es zu singen. Dazu muss man sagen, wenn du Country auf Deutsch singst, dann ist das im weitesten Sinne Schlager. Als ich Melodie und Text hatte, bin ich total ausgerastet, habe ihn angerufen und gesagt: „Du wirst doch nicht erwarten, dass ich das singe?!“ Da hat er nur geantwortet: „Sing es einen Ton höher, dann klingt es poppiger.“ Genau deswegen singe ich mir heute immer einen Wolf. Ich bin jetzt 73 und meine Stimme ist etwas gesackt. Ich muss mir jedes Mal für die Tonhöhe in den Hintern kneifen.

Heute sind Sie der König von Mallorca. Wie bringt man sich bei so vielen grölenden Fans auf der Partyinsel immer wieder in Partystimmung?

In der Mega-Arena auf Mallorca stehen unter den 3000 Gästen oft altersmäßig meine Enkel vor mir. Ich fange meistens mit dem Vorspiel von „Ein Bett im Kornfeld“ an, dann folgt ein festes Programm. Wenn der Anfang von „Kornfeld“ kommt, habe ich auch schon richtig Lust auf die Stimmung. Recht viel mehr brauchst du dann auch nicht mehr zu machen. Wenn die Leute anfangen, laut mitzusingen, dann kannst du nur noch selbst grinsen und Spaß haben.

Das gelingt wohl nur dem König von Mallorca so gut, oder?

Ich bin ja nicht der selbst ernannte König von Mallorca. Auf so einen Schwachsinn wäre ich nie gekommen.

Es ist aber trotzdem ein schöner Titel. Jeder weiß, wer gemeint ist, wenn man vom König von Mallorca spricht.

Man müsse kein Held sein, um zu helfen, meint Jürgen Drews. Foto: Patrick Seeger/dpa
Man müsse kein Held sein, um zu helfen, meint Jürgen Drews. Foto: Patrick Seeger/dpa

Zu dem Titel bin ich durch Thomas Gottschalk gekommen. Aber was für mich zählt: Wenn die Leute meine Songs mitsingen, ist das eine Eigentherapie für mich. Als Kind wurde ich das „Männlein“ genannt und war immer am Lachen. Nach der Pubertät war das vorbei und ich hatte Vorurteile, zum Beispiel auch gegen den Schlager. Ich war direkt schüchtern. Meine Eltern haben mich dann auf die Bühne geschickt und das war eben die beste Eigentherapie.

Und diese Therapie funktioniert bis heute noch, wenn man Sie auf der Bühne sieht.

Ich bin jetzt 73 Jahre alt und denke schon auch über Leben und Tod nach. Und da hilft mir die Bühne umso mehr. Es ist einfach geil, Musik zu machen.

Auf Mallorca gibt es mittlerweile auch neue Stars, unter anderem Ex-Pornosternchen Mia Julia. Was sagen Sie zu den zum Teil schlüpfrigen Auftritten Ihrer Ballermann-Kollegin?

Dagegen habe ich überhaupt nichts. Sie kann das doch so machen. Ich kann dazu auch eine Anekdote erzählen: Ich war im König-von-Mallorca-Bistro und hinter mir stand wohl die ganze Zeit Mia Julia mit nacktem Oberkörper. Ich habe das nur gar nicht mitbekommen. Es war im ganzen Bistro so eine gute Stimmung. Später sagten dann Fans zu mir, dass Sie dauernd Mia Julia beobachtet hätten. Ich fragte nur: Wo? Denn ich habe sie nicht gesehen. Dafür ist sie allen anderen aufgefallen. Zu Mia Julia kann ich sonst sagen, dass sie unglaublich lustig ist, und das gehört einfach zum Bierkönig.

Und ihre Erotikvergangenheit macht Mia Julia Ihrer Meinung nach da nicht zu schaffen?

Gegen wen hat man heute nicht alles Vorurteile. Ich meine, was habe ich nicht alles verbrochen. Ich habe zwar wirklich einen an der Waffel. Aber das ist mir total egal. So muss man das sehen.

Braucht es im Showgeschäft immer imposantere Performances?

Nein, das braucht es nicht. Schau dir den Briten Ed Sheeran an. Der kommt an und singt. Man braucht keine Show, man braucht Lieder. Wenn du es aber kannst, das Performen, warum sollst du es dann nicht auch machen? Ich negiere nicht, dass dabei ein gewisses Risiko besteht. Aber wenn ich jetzt von der Treppe hüpfe, dann kann ich mir auch einen Knöchel brechen. Da könnten andere auch fragen: „Braucht es das, dass er als 73-Jähriger von der Treppe hüpft?“ Selbst ich würde wohl auch sagen: „Ne, braucht es eigentlich nicht.“

Sie sind seit sehr vielen Jahren im Geschäft. Ist es nicht langweilig, wenn man immer die gleichen Melodien singt?

Nein. Damals hab ich gesagt: „So ein Scheiß-Ding!“ Ja, das kam tatsächlich von mir. Aber der Lateiner sagt: Tempora mutantur. Wie die Zeiten sich ändern. Mittlerweile finde ich das Ding saugeil. Der ganze Drews hat sich gedreht, nach einer Inkubationszeit von fast 35 Jahren. Ich stehe nun richtig auf „Kornfeld“. Damals habe ich zum Beispiel auch große Tourneen abgelehnt. Das sehe ich nun völlig anders. Zum ersten Mal habe ich zuletzt in Deutschland eine große Tournee gespielt, mit einer eigenen Band. Das hätte ich früher nie gemacht. Ich habe damals immer gesagt: „Für Schlager brauche ich keine Band.“ Das ist nun völlig anders. Ich habe lange gebraucht, aber ich bin ein Langsamdenker. Deshalb bin ich das erste Mal durch das Abitur gefallen (lacht).

Sie sind dauernd am Grinsen. Legen Sie das Lachen zu Hause auch einmal ab?

Für den Entertainer gibt’s ein Küsschen von Tochter Joelina und Frau Ramona. Foto: Daniel Reinhardt/dpa
Für den Entertainer gibt’s ein Küsschen von Tochter Joelina und Frau Ramona. Foto: Daniel Reinhardt/dpa

Da kann ich Ihnen eine Geschichte erzählen. Meine Frau Ramona hat mir einen Wecker geschenkt, der surrt wie der Auslöser einer Kamera. Es ist schade, dass die Leser jetzt nicht sehen, wie ich da am Morgen geschaut habe. Ich habe die Zähne gefletscht, weil es sich wie eine Kamera angehört hat und ich dachte, dass ich fotografiert werde. Ich kann das Lachen auf Kommando. Wenn ich fotografiert werde, dann lache ich.

Was singt Jürgen Drews eigentlich unter der Dusche?

Nichts. Du hörst mich nicht singen.

Nie?

Nie. Ganz im Gegensatz zu unserer Tochter. Die singt da immer.

Was singt sie?

Viele Sachen aus dem R’n’B und viele gängige Sachen. Joelina geht jetzt definitiv von Berlin nach Amerika und wird jetzt vielleicht bei einer Sendung in den USA auftauchen, da werdet ihr euch alle wundern. Ich wundere mich selbst über Joelina. Die hat meinen Starrsinn geerbt, sie kann wesentlich besser singen als ich, sie sieht wesentlich besser aus als ich. In dieser Hinsicht bin ich stolz. Ob sie es je schaffen wird, weiß ich nicht.

Das ist im Showgeschäft ja immer schwierig ...

Ich sage immer: zur rechten Zeit am rechten Fleck.

Als König von Mallorca sind Sie schon lange im Geschäft. Wann danken Sie ab?

„Der König von Mallorca“ ist einer der Stars am Ballermann. Foto: Horst Ossinger/dpa
„Der König von Mallorca“ ist einer der Stars am Ballermann. Foto: Horst Ossinger/dpa

Das werde ich immer gefragt. Dann sage ich: wenn meine Gesundheit nicht mehr will oder die Leute mich nur noch ausbuhen. Wenn die sagen: „Schleich dich“, dann gehe ich. Mein Leben ist ausgefüllt. Ich komponiere so viel, habe meine Frau Ramona, meine Tochter, ich habe ein so geiles Leben. Ich bin zwar nach dem Abitur aus der Kirche ausgetreten, ich war evangelisch, aber ich glaube schon daran, dass es irgendetwas gibt, ein Über-Ich. Ich kann nur sagen: Wenn es dich da oben wirklich gibt, dann hast du es gut mit mir gemeint.

Der Text ist eine Leseprobe aus der Sonntagszeitung, die die Mittelbayerische exklusiv für ePaper-Kunden auf den Markt gebracht hat. Ein Angebot für ein Testabo der Sonntagszeitung finden Sie in unserem Aboshop.

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