mz_logo

Panorama
Dienstag, 19. Juni 2018 26° 3

Studien

Jugend im Medien-Dschungel

Junge Leute informieren sich im Internet. Doch eine Studie zeigt: Als verlässliche Wegweiser dienen regionale Medienhäuser.
Von Emily Buchner

Die junge Regensburgerin Marlene Brun (23) hat Vertrauen in Tageszeitungen. Im Alltag nutzt sie meist Onlineportale wie mittelbayerische.de, um sich zu informieren. Fotos: Buchner
Die junge Regensburgerin Marlene Brun (23) hat Vertrauen in Tageszeitungen. Im Alltag nutzt sie meist Onlineportale wie mittelbayerische.de, um sich zu informieren. Fotos: Buchner

Stefanie ist 21 Jahre alt und will stets auf dem Laufenden sein. Die Regensburgerin ist mit einer Freundin zum Shoppen in den Arcaden und schaut regelmäßig auf ihr Smartphone. Sie möchte wissen, was in der Welt los ist, in Politik und Gesellschaft. Und: Alles soll schnell und überall abrufbar sein. Deswegen nutzt Stefanie die Apps von Zeitungsportalen und Mediendiensten.

Damit ist Stefanie typisch für die jüngere Generation. Für Jugendliche spielt sich das Leben zu einem Großteil im Internet ab. Wochentags sind die 12- bis 19-Jährigen im Schnitt vier Stunden online. Digitale Inhalte, also Content, zählen. Zahlreiche Studien, darunter die JIM – „Jugend, Information, (Multi-)Media“ – Studie 2017, stützen dies: Die Hälfte der Jugendlichen bezieht Informationen über Nachrichtenportale von Zeitschriften und Online-Ausgaben von Zeitungen. Nur 19 Prozent lesen regelmäßig die gedruckte Zeitung.

Politik wird später wichtig

„Wir wollen Informationen schnell haben und das lesen, was uns wirklich interessiert.“

Pia Köhler und Antonie Drexler

Laut der „Generation What?“-Studie geben 44 Prozent der Jugendlichen an, sogar ganz ohne aktuelle politische Nachrichten glücklich zu sein. Das deckt sich mit den Beobachtungen von Esther Christmann, Medienpädagogin bei der Jugendschutzstelle der Stadt Regensburg: „Für viele Jugendliche hat das Weltgeschehen noch keinen hohen Stellenwert“. Ihrer Einschätzung nach ist in diesem Alter die „Sensationslust“ und damit die Suche nach „extremeren“ Inhalten stärker als das Bedürfnis nach qualitativ hochwertigem klassischem Journalismus.

„Wir wollen Informationen schnell haben und das lesen, was uns wirklich interessiert“, sagen die Regensburgerinnen Pia Köhler und Antonie Drexler, 19 und 18 Jahre alt. Sie finden, dass die klassischen Medien eher etwas für ältere Menschen sind. Solche Themen, die sie selbst betreffen und die ihnen tagtäglich im Leben begegnen, kommen ihnen manchmal zu kurz. Die jungen Frauen sind in der Innenstadt unterwegs – beide mit dem Handy in der Hand.

Unsere Autorin hat junge Leute in Regensburg zu ihrem Mediennutzungsverhalten befragt:

So nutzen junge Menschen Medien

Junge Leute sind heute in der digitalen Welt verwurzelt: Mit dem Medienbegriff verbinden sie in erster Linie Social Media. Über Politik oder Wirtschaft informieren sie sich vor allem online. Nicht alles, was dort an Nachrichten unterwegs ist, ist aber seriös. „In der Informationsflut des Internets die Qualität der Beiträge richtig einschätzen zu können, ist für Jugendliche oft schwer“, erklärt die Medienpädagiogin.

Achtung Filterblase!

Laut Christmann muss allerdings unterschieden werden: „Suchen sich die Jugendlichen ihre Informationen aktiv – oder übernehmen sie das, was ihnen präsentiert wird?“. Denn im Internet lauert stets die Gefahr, „Opfer“ der sogenannten Filterblase zu werden. Sie bewirkt, dass User nur solche Informationen erhalten, die zu der eigenen Interessenslage und Weltanschauung passen. „Die Art und Weise, wie, und womit Kinder informiert werden, ist abhängig davon, wen sie abonniert haben“, erklärt Christmann.

Sie meint damit vor allem die sogenannten Influencer – Menschen, die durch ihre hohe Präsenz im Internet großen Einfluss ausüben. Klickt ein junges Mädchen bei YouTube vermehrt Videos aus dem „Beauty“-Bereich, werden ihr in Zukunft ähnliche Inhalte vorgeschlagen. Und wenn ein Jugendlicher auf Facebook keinen politischen Parteien folgt, befindet er sich in einem politikfreien Vakuum.

Was ist ein Influencer?

  • Als Influencer

    (deutsch: Beeinflusser, Meinungsmacher) werden Menschen bezeichnet, die in sozialen Netzwerken für Marken werben oder Produkte präsentieren. Durch ihre Beliebtheit und Präsenz haben sie Einfluss auf ihre Follower. Am häufigsten wird Instagram dafür genutzt.

  • Laut Studien

    erreichen Unternehmen durch gezieltes Ansprechen einflussreicher Personen ein sehr breites, vor allem junges Publikum. Gewinnt ein Modelabel einen Menschen, der in sozialen Netzen beliebt ist, viele „Follower“ hat, verkauft sich das Produkt über Mundpropaganda.

  • Das Marketing

    durch den Einsatz von Influencern nutzt das Vertrauensverhältnis dieser Leitfiguren zu ihrem Massenpublikum aus. Politiker , Sportler, Journalisten, Blogger, Youtuber, Promis, Models, Schauspieler und zunehmend ganz normale Konsumenten können Influencer sein.

  • Die wertvollsten

    Instagramer sind in Deutschlands Nationalelf. Mit 16,1 bzw. 16,6 Millionen Abonnenten und einem Media Value von mehr als 80 000 Euro pro Instagram-Foto führen Mesut Özil und Toni Kroos die Rangliste an. An diese Summen kommen Blogger noch lange nicht heran.

Teenager vertrauen vielen Influencern

Viele Jugendliche wissen nicht genug über diese mächtige, manipulative Kraft des Internets. Zwar sind die „Informationen“, die die Influencer liefern, oft wenig glaubwürdig – doch Teenager sehen das möglicherweise anders. Zumindest behauptet eine Studie der Influencer-Marketing-Plattform Influry aus dem vergangenen Jahr, dass rund 40 Prozent der Teenager den Online-Stars große Glaubwürdigkeit bescheinigen. Dass der Zeitungskiosk für Jugendliche ausgedient hat, haben die Zeitungsverlage längst erkannt. Die Mittelbayerische liefert Informationen zum einen über ihr Webportal www.mittelbayerische.de, aber auch über Facebook, Twitter, Instagram und WhatsApp, um möglichst nah an ihren jungen Lesern zu sein.

Denn verloren sind die jungen Leute für die klassischen Medien nicht. Eine Studie des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (2017) zeigt, dass es den Jugendlichen mit zunehmendem Alter wichtig ist, „regelmäßig eine konzentrierte Dosis hochwertiger Medieninhalte auf das Smartphone“ zu bekommen.

Das Vertrauen in die Tageszeitung ist da: Ein großer Teil der Jugendlichen vertraut ihnen bei widersprüchlicher Nachrichtenlage am ehesten. Und die regionalen Verlagshäuser halten sie für die zuverlässigsten und seriösesten Anbieter von Nachrichten. In Zeiten der sekundenschnellen Verbreitung von Fake News im Internet und diverser Datenskandale bei Facebook könnte dieser Anteil weiter steigen. Die aktuelle JIM-Studie 2017 beweist: In dem Mediendschungel, der sich inzwischen aufgetan hat, sind die traditionellen Verlagshäuser auch für die Jugendlichen immer noch der verlässlichste Wegweiser.

Mehr Geschichten aus der digitalen Welt lesen Sie hier.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht