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Kindsmissbrauch schockt Indonesien

Schwere Missbrauchsfälle haben in Indonesien ein Schlaglicht auf den mangelnden Schutz von Kindern geworfen. Im Fokus steht eine angesehene Schule.
Von Ahmad Pathoni, dpa

Schwere Missbrauchsfälle haben in Indonesien ein Schlaglicht auf den mangelnden Schutz von Kindern geworfen. Im Fokus steht eine angesehene internationale Schule in der Hauptstadt Jakarta. Foto: dpa

Jakarta.Erst kürzlich nahm Indonesiens Polizei einen 24-Jährigen in Westjava fest, der sich an 80 Kindern vergangen haben soll. Eines seiner mutmaßlichen Opfer, ein Elfjähriger, starb laut Behörden im Februar. Der Fall hat Öl ins Feuer eines schwelenden Skandals um sexuellen Kindesmissbrauch im größten muslimischen Land der Welt gegossen. Denn erst im Vormonat hatten Berichte einen öffentlichen Aufschrei ausgelöst, denen zufolge Angestellte eines Reinigungsdienstes der angesehenen Jakarta International School mindestens ein Kindergartenkind missbraucht haben sollen.

Der Fall beherrschte die Schlagzeilen in dem südostasiatischen Inselstaat und löste eine Diskussion über den alarmierend mangelnden Zustand seines Kinderschutzes aus. „Gewalt gegen Kinder in Indonesien, auch sexuelle Übergriffe, haben eine Notfall-Situation erreicht“, sagt Arist Merdeka Sirait, der Leiter der Nationalen Kommission für Kinderschutz (Komnas PA).

Kindesmissbrauch ist weit verbreitet

Die Nichtregierungsorganisation habe im vergangenen Jahr fast 3000 Fälle von Gewalt gegen Kinder registriert, mehr als 40 Prozent davon sexuelle Übergriffe. Aber das sei wohl nur die Spitze des Eisbergs, sagt Sirait. „Die tatsächliche Zahl ist viel höher, aber unsere Regierung schenkt dem Problem wenig Aufmerksamkeit, so gibt es keine akkuraten Zahlen über Gewalt an Kindern.“ Kindesmissbrauch sei weit verbreitet, oft stammten die Täter aus dem nahen Umfeld ihrer Opfer. Im November starb laut Polizei ein neun Monate altes Baby in Jakarta, nachdem sich ein Onkel mehrfach an ihm vergangen hatte.

Im Zusammenhang mit dem Missbrauchsskandal an der Jakarta International School hat die Polizei bisher sechs Verdächtige festgenommen. Einer von ihnen beging in Haft Suizid. Laut den Behörden laufen die Ermittlungen an der Schule weiter – es geht um mögliche weitere Übergriffe.

Zudem enthüllte das FBI im vergangenen Monat, dass ein US-Lehrer, der bis 2002 zehn Jahre lang an der Schule gearbeitet hatte, wegen des Verdacht des Kindesmissbrauchs in verschiedenen Ländern gesucht worden sei. Der Mann habe im April Selbstmord in den USA begangen, nachdem das FBI einen USB-Stick von ihm sichergestellt hatte – darauf seien 90 pornografische Fotos von etwa 12- bis 14-jährigen Jungen gewesen, die der Lehrer belästigt haben soll. Von der Schule hieß es, man kooperiere mit der indonesischen Polizei für die Ermittlungen.

„Falls es irgendeinen Lichtblick in dieser schrecklichen Angelegenheit gibt, dann, dass es hoffentlich das Bewusstsein für die Notwendigkeit zum Kinderschutz hebt“, sagt der Schuldirektor Timothy Carr. „Das ist nicht nur eine Angelegenheit der Schule, sondern eine Sache, die Familien, Unternehmen, die ganze Welt betrifft.“

Fehlende Sexualerziehung ist ein Problem

Ein Problem in Indonesien sei die fehlende Sexualerziehung in der Jugend, sagt der Berater der regierungseigenen indonesischen Kinderschutz-Kommission (KPAI), Seto Mulyadi. Dies mache Kinder anfälliger für Übergriffe. „Unseren Kindern wird nicht beigebracht, auf mögliche Bedrohungen zu achten, und es gibt Kinder, die Belästigungen als Zeichen von Liebe missverstehen“, sagt er.

Die indonesische Ferien-Insel Bali galt lange als sogenanntes Paradies für ausländische Pädophile. Kinderschutzaktivisten zufolge lockten die Täter in touristischen Gegenden arme Kinder in sexuelle Handlungen, indem sie ihnen Geschenke machten oder anboten, für ihre Bildung aufzukommen. Gleichzeitig sähen die regionalen Behörden weg.

Nach Angaben des Kinderschutzexperten Sirait wurden mindestens 17 Ausländer im vergangenen Jahrzehnt wegen Kindesmissbrauchs festgenommen und eingesperrt. Viele andere Täter, auch indonesische Mittelsmänner, sollen jedoch ungeschoren davongekommen sein.

Indonesiens Gesetz sieht eine Höchststrafe von 15 Jahren Gefängnis für den sexuellen Missbrauch von Kindern vor. Angesichts der jüngsten Enthüllungen gibt es den Ruf nach einer härteren Bestrafung der Täter. „Indonesien wird als Zufluchtsort für Pädophile gesehen“, sagt Sirait. „15 Jahre sind da nicht genug.“

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