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Kollegen gehen auf Distanz zu Woody Allen

Seit Jahrzehnten holt Woody Allen die größten Stars vor seine Kamera. Nun wenden sich viele Kollegen von der Regie-Ikone ab. Könnten alte Missbrauchsvorwürfe seiner Adoptivtochter seine Karriere beenden?
Von Barbara Munker, dpa

Woody Allen 2015 beim Filmfestival in Cannes. Foto: Tristan Fewings
Woody Allen 2015 beim Filmfestival in Cannes. Foto: Tristan Fewings

Los Angeles.In seinen Filmen spielt Woody Allen (82) gerne mit dem Feuer. Affären älterer Männer mit deutlich jüngeren Frauen sind oft Stoff für den New Yorker Star-Regisseur. In seinem Meisterwerk „Manhattan“ spielte er 1979 selbst den Lover einer 17-jährigen Schülerin (Mariel Hemingway).

Die Filmstory wurde brisante Realität, als Allen mit 56 Jahren eine Romanze mit der damals 21-jährigen Adoptivtochter seiner langjährigen Partnerin Mia Farrow einging. Allen und die Koreanerin Soon-Yi heirateten später, sie haben zwei Kinder. Doch mit dem Bruch zwischen ihm und Schauspielerin Farrow ging 1992 ein weiterer Skandal einher. Ein Skandal, der Allen jetzt einzuholen scheint.

Von der „Time's Up“- und „Me Too“-Bewegung bestärkt hat Allens Adoptivtochter Dylan Farrow erneut Missbrauchsvorwürfe gegen den Regisseur erhoben. Allen habe sie als Siebenjährige im Elternhaus an ihren Geschlechtsteilen angefasst, sagte die jetzt 32 Jahre alte Frau am Donnerstag, erstmals in einem Fernseh-Interview, beim Sender CBS. Die Vorwürfe sind lange bekannt. Dylan hatte den angeblichen Missbrauch bereits 2014 in einem „New York Times“-Beitrag geschildert. Mia Farrow trug die Vorwürfe schon 1992 nach der Trennung von Allen in einem Sorgerechtsprozess vor.

Die Polizei ermittelte damals, es kam aber nicht zu einer Anklage. Allen verlor allerdings das Sorgerecht für die drei gemeinsamen Kinder Dylan, Moses und Ronan. Die Vorwürfe von Belästigung hat er stets zurückgewiesen. Auch jetzt wehrte der Regisseur wieder entschieden ab. „Ich habe meine Tochter nie belästigt - wie all die Untersuchungen schon vor einem Vierteljahrhundert erwiesen haben“, teilte Allen dem Sender CBS mit. Das Kind sei viel mehr von der verärgerten Mutter dazu gebracht worden, diese Geschichte zu erzählen, legte Allen nahe.

So sieht es offenbar auch Dylans älterer Bruder Moses Farrow (39), der seinen Vater jetzt erneut in Schutz nahm. „So oft habe ich gesehen, wie meine Mutter versucht hat, sie (Dylan) von Missbrauch zu überzeugen - es ist ihr gelungen“, schrieb Moses nach Dylans TV-Auftritt auf Twitter.

Sohn Ronan Farrow (30), der von Allen seit Jahren entfremdet ist, steht auf der Seite seiner Schwester und Mutter. Als Reporter hatte er im vorigen Herbst zahlreiche Frauen aufgespürt, die über Harvey Weinsteins sexuelle Übergriffe auspackten. Im Magazin „The New Yorker“ zeichnete Farrow ein Bild von vielen Mitwissern im Umfeld des Produzenten, die sein Verhalten stillschweigend duldeten. Im Jahr zuvor hatte er US-Medien vorgeworfen, die Missbrauchsvorwürfe seiner Schwester gegen ihren Vater aus Angst vor Allens mächtiger PR-Rückendeckung klein zu halten.

Durch Filme wie „Der Stadtneurotiker“ und „Blue Jasmine“ zählt der vierfache Oscar-Preisträger seit Jahrzehnten zu Amerikas Starregisseuren. Für seine fast jährlich erscheinenden Filme konnte Allen stets ein prominentes Ensemble gewinnen. Für „Wonder Wheel“ holte er zuletzt Kate Winslet und Justin Timberlake vor die Kamera. Seinen nächsten Film „A Rainy Day in New York“ dreht er unter anderem mit Elle Fanning, Selena Gomez, Jude Law und Timothée Chalamet.

„Das wird sein letzter Film sein“, schrieb kürzlich der US-Filmkritiker David Ehrlich vom Branchenportal „Indiewire“. Allens Karriere sei vorbei, so wie die anderer Männer nach den jüngsten Vorwürfen von Belästigung und Machtmissbrauch, spekulierte der Kritiker. Tatsächlich distanzieren sich immer mehr prominente Schauspieler von dem Regisseur.

Timothée Chalamet kündigte vorige Woche an, er werde seine Gage für „A Rainy Day in New York“ abgeben. „Ich möchte nicht von meiner Arbeit an dem Film profitieren. Darum werde ich mein gesamtes Gehalt spenden“, schrieb der Nachwuchsstar („Call Me by Your Name“) auf Instagram. Das Geld solle unter anderem an die Bewegung „Time's Up“ gegen sexuelle Belästigung sowie an einen Homosexuellenverband gehen. Auch die Schauspieler Griffin Newman und Rebecca Hall wollen ihre Einnahmen aus dem Film spenden.

Colin Firth („Magic in the Moonlight“) teilte ebenfalls eine Abfuhr aus. Er würde nie mehr mit Allen arbeiten, sagte der britische Oscar-Preisträger der Zeitung „The Guardian“. Auch die Schauspielerinnen Mira Sorvino („Geliebte Aphrodite“) und Greta Gerwig und Ellen Page, die mit Allen „To Rome with Love“ drehten, machen gegen den Regisseur Front.

Alec Baldwin („Blue Jasmine“) zählt zu den wenigen Kollegen, die Allen öffentlich in Schutz nehmen. Er findet es „unfair und traurig“ dass Allen und seine Filme eine derartige Absage erhalten, schrieb der Schauspieler auf Twitter. Die Missbrauchs-Ermittlungen hätten damals zu keiner Anklage geführt. Es sei ein „Privileg“ gewesen, drei Filme mit Allen zu drehen.

Allens Hauptdarstellerin in „Wonder Wheel“, Kate Winslet, pries kürzlich sein Schreib- und Regietalent. Im Interview des Kinoportals „Deadline.com“ schwärmte die Engländerin von Allens starken, mitreißenden und geistreichen Dialogen für ihre Figur. Die Story der vom Leben bitter enttäuschten Frau Ginny habe sie sehr betroffen gemacht, sagte Winslet.

An den deutschen Kinokassen war das Interesse für Allens 48. Film eher verhalten. „Wonder Wheel“ lockte beim Kinostart am vorigen Wochenende nur gut 24 000 Besucher an, wie Media Control mitteilte. Zum Vergleich: vor zehn Jahren schauten sich mehr als 100 000 Zuschauer das Debüt von „Vicky Cristina Barcelona“ an.

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