mz_logo

Panorama
Samstag, 22. September 2018 19° 3

Europa

Kosovo: Ist Gebietstausch die Lösung?

Der Konflikt in Kosovo ist ein europäisches Dauerproblem. Präsident Vucic will es lösen – und erntet Kritik.
Von Thomas Brey, dpa

Auch die Bundeswehr ist im Kosovo im Einsatz. Foto: Peter Kneffel/dpa
Auch die Bundeswehr ist im Kosovo im Einsatz. Foto: Peter Kneffel/dpa

Pristina.Was wurde nicht schon alles aufgeboten, um den jahrzehntelangen Kosovo-Konflikt zu lösen? Die NATO zwang 1999 unter Beteiligung der Bundeswehr in ihrem ersten Kampfeinsatz nach dem Zweiten Weltkrieg serbisches Militär und Freischärler zum Rückzug aus Kosovo und sorgt noch heute mit einer Schutztruppe für Sicherheit. 2007 stellte der frühere finnische Präsident und Friedensnobelpreisträger Martti Ahtisaari im Namen der UN seinen Kosovo-Plan vor – er existierte nur auf dem Papier.

Albanische Bevölkerungsmehrheit verlangt Anerkennung

Niemand konnte bisher den gordischen Knoten zerschlagen. Die über 90-prozentige albanische Bevölkerungsmehrheit verlangt die völkerrechtliche Anerkennung durch Serbien, wie es bisher schon mehr als 110 Staaten weltweit getan hatten. Belgrad will seine frühere Provinz wieder zurückhaben, weil hier seine mittelalterlichen Klöster liegen. Jetzt hat Serbiens Staatspräsident Aleksandar Vucic als der unbestritten alles bestimmende Politiker in diesem Balkanland Vorschläge für eine dauerhafte Lösung angekündigt. Obwohl er noch kein einziges Detail veröffentlicht hat, schrillten bei seinen Landsleuten die Alarmglocken. „Sie verhalten sich wie Prostituierte“ und wollten das Kosovo gegen die EU-Mitgliedschaft regelrecht verkaufen, donnerte Nationaldichter Matija Beckovic. In der Tat wiederholt die EU, dass eine Mitgliedschaft des Beitrittskandidaten Serbien nur möglich ist, wenn der Kosovo-Konflikt gelöst ist.

Staat spaltet Die EU

  • Das Kosovo

    ist der jüngste europäische Staat. Doch seine ungelöste Lage hat mögliche Auswirkungen auf ganz Europa.

  • Die EU ist uneins,

    ob das Kosovo wirklich unabhängig ist. Fünf der 28 Mitglieder erkennen den Staat nicht an.

  • Russland sieht

    Kosovos Abspaltung von Serbien als Blaupause für die Annexion der Krim. Der Westen will beide Fälle nicht vergleichen.

Wenn jemand dieses europäische Dauerproblem einer Lösung näherbringen kann, so ist das der starke Mann Vucic. Das sagen jedenfalls europäische Diplomaten hinter vorgehaltener Hand. Was kann Vucic theoretisch anbieten, um seine Bürger mit dem Verlust des Kosovos als dem „Herzen Serbiens“ und dem „serbischen Jerusalem“ zu versöhnen? Möglicherweise einen Gebietstausch. Nordkosovo mit seiner lokalen serbischen Mehrheit soll zu Serbien kommen. Im Gegenzug könnte das sogenannte Presevo-Tal in Südserbien mit seinen geschätzten bis zu 100 000 Albanern Kosovo zugeschlagen werden.

Als Reaktion auf die noch unbekannten Vucic-Pläne hat die komplette nationalistische Intellektuellen- und Politikerriege im letzten Monat unter maßgeblichem Einfluss der Kirche einen „Appell zur Verteidigung Kosovos“ unterschrieben. Hauptforderungen: Ende der EU-Vermittlung zwischen den verfeindeten Nachbarn und Stopp der EU-Mission und der NATO-Schutztruppe im Kosovo.

Weitere Panoramameldungen finden Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht