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Seenotrettung

Lage auf „Sea Eye“-Schiff spitzt sich zu

Auf dem Rettungsschiff Sea Eye gab es wohl mehrere medizinische Notfälle. Doch die Seenotleitung bleibt unnachgiebig.

So sieht es an Bord der Alan Kurdi aus. Foto: Johannes Gaevert
So sieht es an Bord der Alan Kurdi aus. Foto: Johannes Gaevert

Regensburg.Die Situation an Bord des deutschen Rettungsschiffes Alan Kurdi hat sich offenbar über das Wochenende verschärft. Wie die Regensburger Seenotrettungsorganisation Sea-Eye am Montag mitteilt, wurden am Samstag acht Personen von Bord des Schiffes nach Lampedusa evakuiert, darunter zwei Säuglinge im Alter von vier und acht Wochen.

Doch weitere mit Dringlichkeit angefragte Evakuierungen, nachdem am Sonntag vier Personen und am Montag weitere zwei an Bord des Schiffes kollabiert seien, seien von der maltesischen Rettungsleitstelle wiederholt abgelehnt worden. Die italienische Leitstelle habe auf eine entsprechende Anfrage nicht geantwortet, heißt es von Sea-Eye

Die maltesische Seenotleitung habe dem Schiff per Mail mitgeteilt, dass die Menschen an Bord der Alan Kurdi für sie keinen Notfall darstellten. „Wir sind entsetzt über die Verantwortungslosigkeit europäischer Seenotleitstellen. Die Leitstellen verweigern sich förmlich und unterlaufen ihre Pflicht, die Rettung zu koordinieren und uns einen sicheren Hafen zuzuweisen. Noch nicht einmal kollabierte Personen können vom Schiff evakuiert werden. Uns gehen die Superlative für die Ignoranz Europas aus.“, sagt Julian Pahlke, Sprecher von Sea-Eye.

Die Bordärztin Barbara Hammerl-Kraus sagt: „Wir sind ausgerüstet wie ein moderner Krankenwagen, aber wir können bald nicht mehr für die Gesundheit aller Menschen garantieren. Die Geretteten sind durchweg in schlechter Verfassung, mit unseren Bordmittel werden wir das in absehbarer Zeit nicht mehr bewältigen können.“

Wie Sea-Eye weiter mitteilt, war die maltesische Rettungsleitstelle erstmals für die Einsatzleitung telefonisch nicht mehr erreichbar. Ebenfalls neu sei, dass Italien an die Zuständigkeit der deutschen Rettungsleitstelle in Bremen verweist und dort um die Koordinierung bittet.

„Offenbar leidet auf Malta nicht nur die Regierung unter Auflösungserscheinungen. Die Rettungskette dieser beiden Mittelmeeranrainer hat sich in Luft aufgelöst hat“, sagt Pressesprechen Gordon Isler. Hintergrund dieser Aussage ist, dass der maltesische Premierminister Joseph Muscat am Sonntag seinen Rücktritt erklärt hat. (am/aj)

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