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Prozesse

Loveparade: Duisburger Ex-OB sagt aus

Sein Verhalten rund um die Loveparade-Katastrophe hat dem damaligen Oberbürgermeister Sauerland heftige Kritik eingebracht.

Adolf Sauerland, ehemaliger Oberbürgermeister von Duisburg, war nach dem Unglück durch einen Bürgerentscheid abgewählt worden. Foto: Federico Gambarini/dpa
Adolf Sauerland, ehemaliger Oberbürgermeister von Duisburg, war nach dem Unglück durch einen Bürgerentscheid abgewählt worden. Foto: Federico Gambarini/dpa

Düsseldorf.Im Prozess um die Duisburger Loveparade-Katastrophe mit 21 Toten und Hunderten Verletzten sagte der frühere Oberbürgermeister Adolf Sauerland am Mittwoch als Zeuge aus.

Der CDU-Politiker war nach der tödlichen Massenpanik 2010 stark in die Kritik geraten, weil er nicht die politische Verantwortung für das Unglück übernehmen wollte. Im Februar 2012 stimmten die Duisburger in einem Bürgerbegehren mit großer Mehrheit für seine Abwahl. Sauerland zog sich anschließend aus der Öffentlichkeit weitgehend zurück.

Die Opfer

  • Tote:

    21 Menschen im Alter zwischen 17 und 38 Jahren starben. Sie kamen aus Deutschland (15), Australien (1), den Niederlanden (1), Spanien (2), Italien (1) und China (1).

  • Verletzte:

    Mindestens 652 Besucher der Loveparade in Duisburg wurden verletzt. Viele von ihnen leiden bis heute körperlich und seelisch unter den Folgen des Unglücks.

Ex-Oberbürgermeister: Musste keine Genehmigung für Loveparade erteilen

Der Duisburger Ex-Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) ist an möglichen Fehlern bei der Genehmigung der Loveparade 2010 nach eigener Aussage nicht beteiligt gewesen. „Aktiv in dem Genehmigungsprozess war ich nicht“, sagte der 62-Jährige am Mittwoch als Zeuge im Prozess um die Loveparade-Katastrophe mit 21 Toten und Hunderten Verletzten. „Ich musste keine Genehmigung erteilen oder vorbereiten.“

Er habe die Idee, sich um die Loveparade zu bewerben, in den Stadtrat eingebracht, sagte Sauerland vor dem Duisburger Landgericht. Der Rat habe der Idee mit großer Mehrheit zugestimmt. Er habe das Projekt dann in Gang gebracht, sei damit aber außen vor gewesen. „Das war dann Sache der Fachlichkeit.“ Sein Pressesprecher habe schon mal an Sitzungen teilgenommen, sagte Sauerland. Ansonsten habe ihn Dezernent Wolfgang Rabe über den Gang der Dinge informiert.

Seit Dezember läuft der Loveparade-Prozess

Der Prozess gegen sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg und vier Beschäftigte des Veranstalters Lopavent hatte im Dezember begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen unter anderem fahrlässige Tötung vor. Sauerland gehört nicht zu den Angeklagten. Aus Platzgründen findet der Prozess in einer Kongresshalle in Düsseldorf statt. Bei der Loveparade am 24. Juli 2010 in Duisburg starben im Gedränge 21 Menschen, mindestens 652 wurden verletzt.

Duisburgs Ex-OB Sauerland soll am Mittwoch als Zeuge im Loveparade-Prozess aussagen. Foto: Roland Weihrauch/dpa
Duisburgs Ex-OB Sauerland soll am Mittwoch als Zeuge im Loveparade-Prozess aussagen. Foto: Roland Weihrauch/dpa

Sauerland hatte sich 2016 erstmals öffentlich zu seiner Rolle rund um das Loveparade-Unglück geäußert – und Fehler eingeräumt. Nach der Katastrophe 2010 habe er sich bemüht, keine juristischen Fehler zu machen und dabei „das Mitgefühl für die Angehörigen“ vergessen, sagte Sauerland damals dem „Zeit-Magazin“ und dem WDR-Fernsehen in einem Interview. „Wahrscheinlich hätte ich viel früher auf die Opfer zugehen müssen.“

Gutachten spricht Sauerland von Schuld frei

Auch juristisch fühlte sich Sauerland nicht verantwortlich, zumal ein von der Stadt in Auftrag gegebenes Gutachten das so sah. „Man suchte jemanden, den man zur Verantwortung ziehen konnte, dem man die Schuld zuweisen konnte, hinter dem man sich verstecken konnte, und das war ich“, sagte Sauerland in dem Interview. „Zurückzutreten, das wäre für mich eine Flucht gewesen. Sollte wirklich etwas juristisch falsch gelaufen sein, zum Beispiel bei der Genehmigung, dann kann man politische Verantwortung verlangen. Aber ich hatte mir nichts vorzuwerfen.“

Die Aussage des früheren Rathauschefs war ursprünglich schon für den 27. April geplant. Weil an diesem Tag jedoch eine Hauptschöffin wegen eines Todesfalls verhindert war, wurde die Zeugenaussage des früheren Oberbürgermeisters verlegt.

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