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Panorama
Freitag, 20. Juli 2018 31° 2

Prozesse

Männer sollen Flüchtling erstochen haben

Mit einem Geständnis hat in Flensburg der Mordprozess zum Tod eines Irakers begonnen. Das Verbrechen geschah auf Amrum.
Von Birgitta von Gyldenfeldt, dpa

Polizisten suchen an der Südspitze der Insel Amrum nach der Leiche. Foto: Polizeidirektion Flensburg
Polizisten suchen an der Südspitze der Insel Amrum nach der Leiche. Foto: Polizeidirektion Flensburg

Amrum.Mit dem Geständnis eines der beiden Angeklagten hat in Flensburg der Mordprozess um den Tod eines Flüchtlings auf der Nordseeinsel Amrum begonnen. Der 27-Jährige wurde monatelang vermisst, dann die traurige Gewissheit: Er ist tot.

Die zur Tatzeit 19 und 26 Jahre alten angeklagten Deutschen sollen den Iraker am 27. April vergangenen Jahres mit mehreren Messerstichen getötet und anschließend in den Dünen verscharrt haben. Sie sind des gemeinschaftlich begangenen Mordes angeklagt. Der Jüngere der beiden Angeklagten gestand die gemeinschaftlichen Messerstiche. Der Anwalt des Mitangeklagten kündigte am Dienstag an, dass dieser über ihn im Laufe des Verfahrens eine Erklärung abgeben werde.

Die drei Männer waren wochenlang verschwunden

Rückblende: Mitte Mai 2017 gibt die Polizei eine Vermisstenmeldung heraus, da die drei Männer seit Wochen nicht auf Amrum gesehen worden sind. An ein Verbrechen denkt zunächst niemand. Im Juli werden die damals 19 und 26 Jahre alten Männer erstmals wieder wahrgenommen. Wo sie sich aufgehalten haben und wo ihr Bekannter ist, wollen sie nicht sagen.

Bei den Ermittlern wächst die Befürchtung, dass der Iraker einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Im Oktober werden die beiden Männer festgenommen. Der Jüngere der beiden bringt die Ermittler dann auf die Spur des Vermissten. Er gibt einen Hinweis, dass die Leiche zwischen Dünen vergraben worden sei. Dort wird er auch gefunden.

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft haben die Männer ihr späteres Opfer unter einem Vorwand in die Dünen gelockt. Dabei hätten sie schon die Absicht gehabt, den 27-Jährigen zu töten, sagte die Staatsanwältin.

Hat das Opfer die Schwester des einen Angeklagten vergewaltigt?

Ein Motiv könnte die Schwester des jüngeren Angeklagten sein, die mit dem älteren Angeklagten liiert war. Die Staatsanwältin sagte, die beiden Männer hätten den 27-Jährigen am Tatabend damit konfrontiert, dass er eine sexuelle Beziehung zu der Frau gehabt habe.

Der mittlerweile 20-jährige Angeklagte sagte vor Gericht, der Mitangeklagte habe ihm bei einem Treffen gesagt, dass seine Schwester von dem Iraker im Sommer 2016 vergewaltigt worden sei. Dies habe sie dem 26-Jährigen am Tattag erzählt. Er selbst habe seine Schwester erst später gefragt, ob es tatsächlich eine Vergewaltigung war und keine Beziehung. Auch weil er dann einen Unschuldigen auf dem Gewissen gehabt hätte, wie er sagt. „Das wäre noch schlimmer gewesen, als es eh schon ist.“ Aber er glaube seiner Schwester.

Vor elf Monaten, als sein Freund ihm erstmals von der Sache erzählt habe, habe er Wut gefühlt, sagte der heute 20-Jährige. Der 26-Jährige habe aggressiv und traurig gewirkt. Der Iraker habe im selben Haus gewohnt wie die Mutter des jüngeren Angeklagten. Der 26-Jährige hat der Schilderung nach ein Messer aus der Wohnung der Mutter geholt, in der der 26-Jährige zur Tatzeit ebenfalls wohnte.

Laut Geständnis stachen beide abwechselnd zu

Danach hätten sie den Flüchtling gefragt, ob er mitkomme auf ein Getränk. Der 20-Jährige erzählte, wie sie erst tranken und er dem 27-Jährigen dann die Flasche ins Gesicht schlug. Als sie den Iraker mit dem Vergewaltigungsvorwurf konfrontiert hätten, habe dieser zunächst geschwiegen, nach weiteren Schlägen gesagt, es tue ihm leid. Dann habe sein Freund zugestochen und dann er, abwechselnd, sagte der 20-Jährige.

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