mz_logo

Panorama
Montag, 20. August 2018 32° 2

Interview

Mario Barth: Männer sind Nichtstuer

Mario Barth erzählt davon, warum Frauen und Männer so unterschiedlich sind – und warum Frauen die Männer oft ratlos machen.
Von Susanne Wolf

Comedian Mario Barth 2017 bei einer Preisverleihung im Europa-Park in Rust. Foto: Christoph Schmidt/dpa
Comedian Mario Barth 2017 bei einer Preisverleihung im Europa-Park in Rust. Foto: Christoph Schmidt/dpa

Berlin.Hand aufs Herz: Wie faul seid Ihr Männer eigentlich?

Wenn die Frauen Rechte haben, sind sie relativ viel faul. Ich habe die Theorie, dass wir Männer nicht faul, sondern aktive Nichtstuer sind. Was aber in Beziehungen oft zu Problemen führt, wenn die Frau reinkommt, den Mann fragt, was er macht, und er sagt: „Nichts.“ Dann ist das oft bei Frauen der Anstoß zur Aufgabenverteilung. Das hat Loriot schon in Perfektion und charakteristisch-lustig dargestellt: dass der Mann nach Hause kommt und einfach nur auf dem Sofa sitzen will. Die Frauen müssen Film oder Serie gucken, die müssen Musik hören, in Instagram oder im Internet gucken – die machen immer irgendwas. Während wir Männer einfach nur so rumsitzen. Das können wir perfekt!

Woher holst Du Dir Deine Ideen für immer neue Programme?

Ich lebe ja (lacht). Ich tue viele Dinge und gehe mit offenen Augen durchs Leben – im Bekanntenkreis, im Freundeskreis, bei fremden Leuten. Es ist sehr lustig, wenn ich im Restaurant sitze und sich ein Pärchen am Jahrestag anschweigt. Sie bezahlen und gehen – und irgendeiner zieht ein Gesicht. Das sind Momente, wo du denkst: „Das ist eigentlich ’ne witzige Situation.“

Richtig los ging’s mit „Frau – Deutsch/Deutsch – Frau: Schnelle Hilfe für den ratlosen Mann“. Wieso machen wir Frauen Euch Männer ratlos?

(Lacht) Ich glaube, dass Männer und Frauen sich einfach nicht verstehen. Verstehen im klassischen Sinn: Männer wissen nicht, was Frauen meinen; Frauen wissen nicht, was Männer meinen. Haben wir das irgendwann begriffen, ist eine Beziehung gar nicht mehr so schwer. Du kannst nicht erwarten, dass die Frau so denkt wie du – und andersrum. Das funktioniert nicht! Das ist wissenschaftlich erwiesen. Du brauchst eine gewisse Toleranz und Gelassenheit – dann verstehst du, warum Frauen grundsätzlich mit dir reden, wenn du unter der Dusche stehst und dir das Wasser auf den Kopf ballert oder du eine elektrische Zahnbürste im Mund hast. Auch wenn du auf der Toilette sitzt, fangen Frauen an, mit dir zu reden. Das ist einfach so! Ich habe erforscht, woran das liegt.

Woran?

Das liegt daran, dass wir in diesem Moment nicht wegkönnen. Darum fragen Frauen genau dann irgendwelche Sachen. Wenn du dich dann aufregst, machst du dich selbst kaputt – und auch die Beziehung. Von daher muss man es akzeptieren und mit Humor nehmen, dass Männer und Frauen eine unterschiedliche Sprache sprechen.

Am 8. Juni gastiert Mario Barth in Regensburg. Der Auftritt wurde mehrfach verschoben.

2009 kam „Männersache“ in die Kinos. Wie war es, mit Dieter Tappert alias Paul Panzer als „Best Friends“ die Mann-Frau-Beziehung aufs Korn zu nehmen?

Mit Paul zu drehen, ist sehr abwechslungsreich und spannend. Wir sind seit Langem befreundet. Das Drehbuch zu schreiben, hat Laune gemacht. Die Thematik war sehr witzig. Eigentlich würden wir beide das wieder machen. Wir haben schon ein neues Drehbuch geschrieben. Aber es ist, wie es immer ist: Ich bin auf Tour, er ist auf Tour. Wir wissen nicht, wann wir den Film drehen sollen.

Du bist ein vielseitiger Typ: Du spielst in Kinofilmen mit, machst Fernsehshows, schreibst Bücher und tourst regelmäßig mit Deinen Liveprogrammen durch Deutschland. Was davon liegt Dir am besten?

Was mir am meisten Spaß macht und was ich am besten kann, ist die Live-Tour. Du bist auf der Bühne und hast sofort eine Reaktion. Beim Fernsehen muss man warten, bis es ausgestrahlt wird. Morgens kommen dann Quoten, die für mich aber nicht maßgeblich sind. Wichtig ist, dass die Leute, die es gesehen haben, es gut fanden. Ein Film ist eine enorme Arbeit. Du drehst eineinhalb Monate, ein Jahr später kommt er raus. Du weißt solange nicht, ob er gut ankommt oder nicht. Das ist so risikobehaftet. Live kannst du sofort reagieren. Auf der Bühne kann man gemeinsam einen geilen Abend verbringen. Das ist eher mein Ding!

Du nutzt die Bühne in voller Breite aus und bewegst Dich sehr viel hin und her. Hast Du schon mal einen Schrittzähler mitlaufen lassen?

(Lacht) Witzigerweise noch nicht, obwohl man mir das schon öfter vorgeschlagen hat. Wenn ich auf der Bühne bin, ist das eine Arbeitsfläche für mich. Für mich ist es nicht interessant, wie viele Schritte ich laufe. Wobei man das ja bei Facebook oder Instagram posten könnte. Da könnte ich meinen Freunden sagen: „Alter, schau mal, wie geil ich bin, weil ich so viel laufe!“ (lacht)

Comedian Mario Barth im Jahr 2012 bei einem Auftritt in der TUI-Arena in Hannover auf. Foto: Emily Wabitsch/dpa
Comedian Mario Barth im Jahr 2012 bei einem Auftritt in der TUI-Arena in Hannover auf. Foto: Emily Wabitsch/dpa

Was bedeutet der Humor für Dich?

Das ist ein wichtiges Thema, das viele Jahre unterschätzt wurde. Comedy ist heutzutage Popkultur. Ich war der Erste, der in große Hallen, Arenen und Stadien gegangen ist. Es ist toll zu sehen, dass das funktioniert, weil die Leute gerne lachen. In der heutigen politischen Lage werde ich immer wieder damit konfrontiert, dass ich etwas sagen und meine Plattform nutzen müsste. Ich denke da anders: Die Leute kommen zu einem Komiker, um zwei Stunden abzuschalten und zu lachen. Sie wollen sich amüsieren und nicht hören, dass sich die Steuer erhöht hat. Das merkt man auch daran, dass Comedy – das sage ich völlig wertungsfrei – viel mehr Zuschauer hat als hartes, politisches, gemeckertes Kabarett. Das Beste für mich ist, wenn Leute mit mir lachen.

Kannst Du auch mal ernst sein?

Total. Ich kann natürlich ernst sein – auch wenn ich grundsätzlich ein lustiger Mensch bin. In der Regel bin ich immer gut drauf, wenn ich morgens aufwache, da ich ein positiv denkender Mensch bin. Aber es gibt Situationen, wo ich sage: „Bis hierhin und nicht weiter.“ Ich bin Mensch wie jeder andere auch!

Gibt es Themen, die Du auf der Bühne nicht behandeln würdest?

Hätte ich ein Sushi-Restaurant, würde ich keine Pizza und Pasta verkaufen. Meine Aufgabe ist der Humor im Alltag, darum fange ich nicht mit politischem Kabarett an. Natürlich habe ich eine politische Meinung: Die Koalitionsverhandlungen fand ich eher lustig. Martin Schulz fand ich, wenn man sich seinen Werdegang anguckt, eher amüsant. Mir tut er leid! Das behalte ich auf der Bühne aber für mich. Da gibt es Leute, die können das viel besser. Dieter Nuhr ist mit Abstand der Allerbeste, der Kabarett lustig macht.

Was wäre Dein Plan B gewesen, hätte es mit der Comedy nicht geklappt?

Ich habe grundsätzlich keinen Plan B, weil man das machen sollte, worauf man Bock hat. Arbeitet man fleißig daran und gibt immer 100 Prozent, funktioniert es. Ich habe einen Beruf. Hätte es mit der Comedy nicht geklappt, wäre ich bei Siemens geblieben...

Erfolgreich auf seichtem Terrain: So war Mario Barths Regensburg-Auftritt im Jahr 2016.

Du hast schon viele renommierte Auszeichnungen erhalten und mehrere Rekorde aufgestellt. Was macht der Erfolg mit einem?

Man sagt ja immer: Der Erfolg verdirbt den Charakter. Das glaube ich nicht. Ich glaube, wenn man schon immer ein Arschloch war, wird man ein noch größeres. Ich sehe mich nicht als Star, das sehen eher meine Fans so. Ich war letzte Woche bei meinem Zahnarzt und habe eine Wurzelbehandlung gebraucht. Spätestens dann merkst du, dass du kein Superstar bist (lacht). Du sitzt genauso auf dem Stuhl wie alle anderen und bekommst deine Betäubung reingefriemelt und es tut einfach weh. Ich freue mich sehr, wenn ich den Comedy-Preis oder den Bayerischen Fernsehpreis bekomme – das ist ein Stück weit eine Bestätigung, dass alles richtig ist, was wir machen. Ich freue mich über jeden Sold-Out-Award. Den bekommt man, wenn eine Halle ausverkauft ist. Das gab es früher nicht. Das ist wie eine Teilnehmerurkunde bei den Bundesjugendspielen. Trotzdem freue ich mich!

Weil Du den Vergleich mit Loriot gebracht hast: Hast Du ein Vorbild?

Wenn es ein Vorbild gäbe, wäre es mein Opa gewesen. Ein Vorbild ist schwierig, weil man dann versucht, zu sein wie der. Was wichtig ist, dass man bei jedem Menschen, den man in seinem Umfeld hat, guckt, was einem an dem am besten gefällt. Vielleicht versucht man, ein bisschen zu sein wie der und hinterfragt, wie dieser so wurde. Das ist besser, als ein Vorbild zu haben. Wenn man kopiert, ist die Enttäuschung danach vielleicht umso größer. Zum Glück habe ich kein Neid-Gen. Ich freue mich über jeden Newcomer. Es ist wichtig, andere Leute für ihr Tun zu bewundern.

Beschreibe Dich mit vier Adjektiven...

Ich bin ungeduldig, zielstrebig, fair und lustig.

Wie sieht ein Tag bei Dir aus, wenn Du mal nicht auf der Bühne stehst?

(Lacht) Dann bin ich im Büro. Ich arbeite sehr gerne und viel – und das macht mir auch Spaß. Wir produzieren unsere Sachen wie CDs und DVDs selbst. Das muss auch vorbereitet werden.

Du kochst gerne thailändisch. Was ist Dein Lieblingsgericht?

Am allerliebsten esse ich Spargel mit ’nem wunderbaren Kalbsschnitzel – schön in Butterschmalz ausgebacken. Dazu schöne Petersilienkartoffeln, die ein bisschen in Butter geschwenkt sind. Und ’ne selbst aufgeschlagene Hollandaise. Das könnte ich jeden Tag essen! In der thailändischen Küche ist ein Thaicurry mit grünem Curry, weil ich den persönlich schärfer finde als den roten, mit Hühnchen und Kokosmilch der absolute Klassiker für mich.

Entspannt es Dich vom Alltagsstress, wenn Du kochst?

Ja, total. Ich koche sehr gerne. Ich bekoche meinen ganzen Freundeskreis. Ich bin kein Esoteriker – weißte? Aber das ist schon sehr meditativ für mich, wenn du so vor dich hinschnippelst. Es ist ein Grundbedürfnis der Menschheit, dass man gerne etwas schafft. Schreib doch mal einen Brief an deine Freundin – das ist etwas ganz Besonderes! Ich habe noch einen ganz alten Brief von meinem Opa zu Hause. Den habe ich eingerahmt. Das ist etwas für immer! Etwas zu schaffen, etwas zu kochen, ist genau dasselbe. Das Empfinden, etwas geschaffen zu haben, ist unbezahlbar!

Ich bin jedes Mal beeindruckt, welche Steuerverschwendungen in Deutschland Du und Deine Gäste in „Mario Barth deckt auf“ vorstellt. Wie denkst Du selbst über diese Verschwendung auf hohem Niveau?

Ich habe mich lange mit dem Thema auseinandergesetzt und die Sendung entwickelt. Die Leute wollen nicht nur Talkshows und ernste Themen sehen. Man kann es nicht mehr hören. Der BER ist das beste Beispiel. Mit 1,7 Milliarden haben sie den Zuschlag bekommen. Mehr wird es nicht. Als ich meiner Sendung gesagt habe, dass der fünf Milliarden kostet, wurden wir juristisch angegriffen. Jetzt sind wir bei 7,5 Milliarden Euro. Das Ding ist immer noch nicht fertig. Das wird zehn Milliarden kosten und dann wird er auch noch nicht fertig sein. Die einzige Art, damit umzugehen, ist mit Humor und einem leichten Sarkasmus.

Inwiefern lässt sich das auf den BER übertragen?

Ich finde es toll, dass der BER ein Vogelparadies – wenn auch ein sehr teures – geworden ist. Man kann sich da einfach Bauruinen in der heutigen Zeit angucken. Das ist eine tolle Sache! Warum gibt es keine Bustouren dahin, damit man sich einfach mal angucken kann, wie so ein Parkhaus kaputtgeht? Wir haben einfach so viel Geld, dass wir da einfach mal ’ne Flughafenattrappe hingeballert haben für zehn Milliarden. Das ist völlig irre!

Wo siehst Du Dich in 20 Jahren?

Ich hoffe irgendwo in der Karibik mit ’nem Drink in der Hand, 500 Kinder um mich rum, die alle meine sind (lacht). Nein, Quatsch. In 20 Jahren bin ich 65. Vielleicht wollen die Leute das dann immer noch sehen. Wenn nicht, mache ich Fernsehen oder ein anderes meiner lustigen Hobbys.

Welche Hobbys?

Ich mache seit vielen Jahren Kampfsport. Das ist mein Ausgleich. Im Notfall pflanze ich Blumen auf meinem Balkon (lacht).

Der Text ist eine Leseprobe aus der Sonntagszeitung, die die Mittelbayerische exklusiv für ePaper-Kunden auf den Markt gebracht hat. Ein Angebot für ein Testabo der Sonntagszeitung finden Sie in unserem Aboshop.

Zur Person

  • Leben:

    Mario Barth ist am 1. November 1972 in Berlin-Mariendorf geboren und hat fünf Geschwister. Nach der Schule absolviert er bei Siemens eine Ausbildung zum Kommunikationselektroniker – Fachrichtung Telekommunikation. Dann nimmt er Schauspielunterricht und an Comedy-Workshops teil.

  • Fernsehen:

    Erste Auftritte hat er in Fernsehsendungen wie „Quatsch Comedy Club“. 2001 tourt er mit seinem ersten Bühnenprogramm „Männer sind Schweine, Frauen aber auch!“ durch Deutschland. Es folgten vier weitere Liveprogramme, Fernsehsendungen, zwei Wörterbücher, ein eigener Kinofilm sowie Auftritte im Fernsehen und Kino.

  • Live:

    Mit seinen Liveshows füllte er riesige Stadien und stellte damit Weltrekorde auf. Für sein Tun wurde er vielfach mit dem Deutschen Comedypreis, Goldenen Schallplatten und vielem mehr ausgezeichnet. Barth ist Botschafter des Kinder- und Jugendwerks Die Arche.

  • In Regensburg:

    Am 8. Juni gastiert Mario Barth um 20 Uhr mit seinem mittlerweile sechsten Live-Programm „Männer sind faul, sagen die Frauen!“ in der Regensburger Donau-Arena.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht