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Minigolf: Alles in geordneten Bahnen

Minigolf ist „nur“ der Klassiker unter den Familienausflügen. Darunter leiden die Vereine: Sie kämpfen um den Nachwuchs.
Von Lisa Pfeffer

Minigolf ist beliebt. Doch gerade junge Menschen wollen es nicht regelmäßig betreiben. Vereine machen sich Sorgen, wie es in Zukunft weitergehen soll. Fotos: Fotolia/Pfeffer
Minigolf ist beliebt. Doch gerade junge Menschen wollen es nicht regelmäßig betreiben. Vereine machen sich Sorgen, wie es in Zukunft weitergehen soll. Fotos: Fotolia/Pfeffer

Zwischen gepflegten Grünanlagen steht eine Frau in gebückter Haltung an der Bahn. Den Schläger fest in der Hand, die Füße und der Ball bilden ein Dreieck. Vor dem Abschlag ein Moment der Konzentration, dann der Abschlag. Nur wenige Sekunden später plumpst der Ball am Ende der 12 Meter langen Betonbahn in das Loch. Ass. Nach dem Spiel gibt es noch ein Eis für die Kinder und schon ist der Familiennachmittag für nur ein paar Euro perfekt.

Die Regeln sind einfach: 18 Bahnen, und den Ball mit so wenig Schlägen wie möglich ins Loch befördern. Braucht man mehr als sechs Schläge, werden sieben aufgeschrieben. Fällt der Ball aus der Bahn, wird er an der selben Stelle wieder hineingelegt: Minigolf ist ein unkompliziertes Freizeitvergnügen. Jede Stadt hat normalerweise mindestens eine Anlage, Ausrüstung bekommt man vor Ort, meist kann man danach noch gemütlich einkehren, die Preise sind niedrig und der Sport ist für alle Altersstufen geeignet.

Wie eine Familie auf dem Platz

Doch ganz so einfach ist es nicht. Neben den Hobby-Minigolfern gibt es die Sparte der Profis. Und da ist das Ganze schon mehr als ein gelegentliches Freizeitvergnügen. In ganz Deutschland haben sich 274 Vereine organisiert, um ihrer Leidenschaft nachzugehen. Es gibt Ligenspielsysteme auf regionaler und überregionaler Ebene, Landes-, deutsche und auch Weltmeisterschaften. Die deutsche Seniorenmeisterschaft wurde erst im Juni in der Oberpfalz ausgetragen – in Neutraubling beim Bahnengolfclub. Auch die Europameisterschaft fand dort schon statt.

Klaus Reinisch lebt den Sport. Den ganzen Sommer betreut er in Neutraubling seinen Minigolfplatz. Foto: Pfeffer
Klaus Reinisch lebt den Sport. Den ganzen Sommer betreut er in Neutraubling seinen Minigolfplatz. Foto: Pfeffer

Klaus Reinisch ist als Sportwart und Vorsitzender Herr des Hauses. Der ehemalige Beamte entdeckte seine Liebe zum Minigolf schon Mitte der 60er Jahre. Und nicht nur die: Beim Bälleschlagen in Tegernheim lernte er auch seine heutige Frau kennen. Die schmeißt jetzt mit ihm zusammen den Laden in Neutraubling. „Wir machen das alles auf ehrenamtlicher Basis. Wenn wir Arbeitskräfte beschäftigen müssten, ginge das nicht“, sagt Reinisch. So sitzt seine Frau im Kassenhäuschen, die Mutter des Vorstands-Kollegen backt Kuchen zum Verkauf, das Unkraut wird selbst gejätet und die Pressearbeit kommt ebenfalls aus eigener Hand. Das ganze Team ist wie eine Familie und Minigolf ist ihre Welt.

Der Verein hat ungefähr 150 Mitglieder, doch nur 18 bis 20 Prozent davon sind aktiv tätig. Und die meisten davon sind Senioren. „Bei uns ist es wie bei jedem anderen Verein. Die Alterspyramide steht auf dem Kopf“, sagt Reinisch. Viele Senioren hätten in letzter Zeit den Sport für sich entdeckt, weil es sie sowohl körperlich als auch geistig auf Trab halte.

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Der Vorsitzende erzählt von einem Ehepaar, das schon weit über 80 ist und fünf Mal die Woche von Regensburg nach Neutraubling kommt, um Minigolf zu spielen. „Da haben sie Bewegung und treffen andere Leute, das gefällt ihnen.“ Was bei den Bahnengolfern aus Neutraubling allerdings anders als bei anderen Vereinen ist: der Mitgliederschwund. Während der Deutsche Minigolfverband die letzten Jahre immer mehr Mitglieder verlor, bekommen die Neutraublinger welche hinzu. „Da sind wir wohl die Ausnahme. Aber das liegt bei uns an den Senioren“, meint Reinisch. Er findet es schade, dass es so schwer ist, junge Mitglieder zu werben.

„Es ist schwer nachzuvollziehen, warum der Nachwuchs so schwer zu kriegen ist“

Klaus Reinisch, Bahnengolfclub Neutraubling

Doch Sport im Verein sei eben nur noch eine unter vielen Freizeitmöglichkeiten für Jugendliche. „Es ist schwer nachzuvollziehen, warum der Nachwuchs so schwer zu kriegen ist“, sagt Reinisch. Dabei braucht man gar nicht viel, um zu starten: „Ein Schläger und eine Handvoll Bälle reichen am Anfang aus, um richtig einzusteigen.“ Dafür müsse man ungefähr 100 Euro einrechnen.

Ein MZ-Reporter lernte Tipps und Tricks

Geht der Weg des Nachwuchssportlers dann weiter Richtung Wettkämpfe, ist es mit einer Hand voll Bällen allerdings nicht mehr getan. „Ich kann mich erinnern, als ich nach Lissabon auf einen Wettkampf geflogen bin – mit über 4 000 verschiedenen Bällen im Gepäck“, erzählt Reinisch. Er erinnert sich gern an diese Reise zurück. „Danach ist alles ein bisschen auseinander gebrochen.“

Weil Reinisch selbst in bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen ist, ist es ihm besonders wichtig, die Preise niedrig zu halten. „Erwachsene können bei uns für drei Euro spielen.“ Minigolf hat so gar nichts Elitäres – und wenn Klaus Reinisch neben den sportlichen Erfolgen seines Vereins auf etwas stolz ist, dann ist es genau das: „Zu uns kann jeder kommen.“

3D-Brille und Neon-Ausstattung

Mittlerweile wird Minigolf in vielen verschiedenen und trendigen Varianten angeboten. Darunter Abenteuer-Golf, sowie Pit-Pat, vereinzelt auch Soccergolf oder Moonlight-Golf. Auch Klaus Reinisch hat in Neutraubling Konkurrenz eines solchen Abenteuer-Golfplatzes bekommen. Im „3D Funhouse“ kann man Minigolf unter Schwarzlicht spielen. Ausgestattet mit 3D-Brille, Neon-Schläger und -Bällen arbeitet man sich Bahn für Bahn durch die fünf Themenbereiche. Verschiedene Ball-Härten oder Profi-Schläger gibt es dort nicht. Das Konzept soll auch keine Vollblut-Minigolfer ansprechen, sondern ist eher für Events wie Kindergeburtstage gedacht.

Eine trendige Abwechslung für besondere Anlässe: Schwarzlicht-Mingolf. Foto: Pfeffer
Eine trendige Abwechslung für besondere Anlässe: Schwarzlicht-Mingolf. Foto: Pfeffer

Das „Funhouse“ wird in der Region gut angenommen. Es hat jeden Tag geöffnet und jeden Tag kommen die Besucher. Nur an den schönen Sommertagen, da bleibt die Halle auch schon mal leer. „Ist ja klar, wenn es heiß ist, will niemand was drinnen machen“, sagen die Brüder Akkaya, die das Geschäft führen. An den schönen Sommertagen sind die (Hobby)-Minigolfer dann wohl eher auf der Outdoor-Anlage von Klaus Reinisch. Doch die vermeintlichen Konkurrenten nehmen es locker: „Wir sehen uns gegenseitig nicht so als Konkurrenz. Das eine ist richtiges Minigolf, das andere ist Spaß“, sagen sowohl Reinisch als auch Akkaya.

Schöne Plätze in der Region

  • Großbüchlberg:

    Eine großzügige Minigolfanlage und 18 Pit-pat-Tische laden in Großbüchlberg in der Oberpfalz zum Spielen ein.

  • Regensburg:

    Sollte das Wetter draußen mal schlecht sein, kann man im „Nimmerland“ in Regensburg auf abgefahrenen Bahnen Minigolf spielen.

  • Sankt Englmar:

    Abenteuergolf im Bayerwald – neben Minigolf-Naturbahnen gibt es dort auch eine Sommerrodelbahn.

  • Bodenmais:

    In der Golf- und Urlaubsregion gibt es auch einen großen Minigolfplatz. Den B all kann man dabei über zum Beispiel Sandbunker und durch knifflige Labyrinthe schicken.

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