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Freizeit

Naturschützer besorgt über Geocaching

Naturschützer fordern bei der GPS-Schatzsuche mehr Rücksicht – damit so etwas, wie jüngst in Burglengenfeld, nicht passiert.
Von Klaus Tscharnke, dpa

 Ein Mann hält ein GPS-Gerät und einen „Cache“, den er beim „Geochaching“ gefunden hat . Naturschützer sind besorgt über Geocaching.
Ein Mann hält ein GPS-Gerät und einen „Cache“, den er beim „Geochaching“ gefunden hat . Naturschützer sind besorgt über Geocaching. Foto: dpa

Nürnberg.Es ist eine Mischung aus Spiel und Freizeitsport: Die sogenannten Geocacher suchen mit GPS-Geräten nach symbolischen Schätzen und durchkämmen dabei oft auch abgelegene Naturbereiche – Naturschützer haben jetzt mehr Sensibilität der Geocacher für die heimische Tier- und Pflanzenwelt angemahnt. Zwar bemüht sich die Szene im Internet zusehends um Regeln für ein „umweltverträgliches Geocaching“. Sorgen bereiten die modernen Schatzsucher den Naturschützern dennoch. Vor allem sogenannte Extrem-Geocacher, die sich auf Verstecke in schwer zugänglichen Gebieten spezialisiert haben, stellten eine Bedrohung für seltene Arten dar, warnen sie. In der Region hatten jüngst zu ungestüme Schatzsucher das „Götzdenkmal“ in Burglengenfeld instabil werden lassen.

Manche Anhänger der modernen Schnitzeljagd unterschätzten anscheinend, was es bedeute, wenn sie mit ihrem Hobby seltene Vogelarten beim Brüten störten, warnt etwa der bayerische Landesbund für Vogelschutz (LBV). So hat die LBV-Artenschutz-Expertin Christiane Geidel jüngst bei einer Untersuchung festgestellt, dass sich im felsigen Altmühlthal etliche sogenannte Caches – das sind die Verstecke – unweit von Nistmulden bedrohter Vogelarten wie Uhu oder Wanderfalke befinden.

Bisweilen lägen die Verstecke der meist wasserdichten, mit x-beliebigen Gegenständen gefüllten „Schatz“-Dosen nur wenige Meter davon entfernt, hat sie anhand der im Internet veröffentlichten Geo-Koordinaten der Caches herausgefunden. Trotzdem warnt Geidel vor pauschalisierenden Vereinfachungen. „Je nachdem, wo er angebracht ist, stört manchmal ein nah gelegener Cache weniger als einer, der zweihundert bis dreihundert Meter von dem Nistplatz entfernt liegt“, schildert sie.

Bedrohung ist noch überschaubar

So seien Felsverstecke in der Nähe eines beliebten Aussichtspunktes neben dem darunter liegenden Nistplatz eines Wanderfalken relativ unproblematisch. „Die dort nistenden Tiere sind Menschen gewöhnt und werden daher auch von gelegentlich auftauchenden Geocachern nicht sonderlich beunruhigt, solange diese sich nur auf dem Aussichtsplatz aufhalten“, schildert Geidel.

Tauchten die elektronischen Schatzsucher dagegen in kaum begangenen Naturarealen auf, in denen sich Brutplätze oder sogenannte Rupfkanten befinden, auf denen Wanderfalken ihre Beute zerlegen, dann bedeute das für die Vögel Stress. Häuften sich solche Störungen, würden Wanderfalke und Uhu ihre ohnehin schon raren Nist-, Fress- und Ruheplätze aufgeben. Nach LBV-Erkenntnissen gibt es derzeit in Bayern nur noch rund 550 bis 600 Uhu-Brutpaare.

Zwar sei die Bedrohung durch Geocacher bislang noch überschaubar, betont Geidel. „Allerdings ist das Geocaching eine Freizeitsportart, die noch wachsen wird. Man muss sich daher in Zukunft damit befassen“, sagt sie. Für die Ingenieurin für Naturschutz und Landschaftsplanung wird es daher immer wichtiger, dass Naturschützer künftig enger mit der Geocacher-Szene zusammenarbeiten.

Regeln sind wichtig

Eine Kooperation sei allerdings schwierig, weil Geocacher nicht in Vereinen organisiert seien. Man werde sich daher um eine Selbstkontrolle der Szene in Sachen Naturschutz bemühen müssen. Dies geschehe zum Teil bereits auf wichtigen Webseiten der Szene, wie geocaching.com oder geocaching.de. Künftig sollten auch Hersteller von GPS-Geräten Geocacher stärker für Naturschutzbelange sensibilisieren, findet sie.

Ähnlich wie der Bund Naturschutz in Bayern (BN) und die bayerischen Naturfreude wendet sich auch der LBV dagegen, Geocaching generell zu verteufeln. Alle drei Organisationen sehen darin die Chance, mittels der elektronischen Schatzsuche gerade junge Leute vom Computer weg und in die Natur zu locken.

Geocaching

  • Elektronische Schatzsuche

    Geocaching ist eine Art elektronische Schatzsuche und ähnelt der früheren Schnitzeljagd. Anhänger des Freizeitsports verstecken dazu einen wasserdichten Behälter samt Logbuch und kleineren Tauschgegenständen in der freien Natur. Die entsprechenden Geo-Koordinaten tragen sie anschließend auf speziellen Webseiten ein. Andere Geocacher können sich mit den Daten später mit Hilfe eines GPS-Handgeräts auf die Suche nach dem „Schatz“ begeben. Der Besucher kann sich in das Logbuch eintragen, um seine erfolgreiche Suche zu dokumentieren.

  • Seit Mai 2010

    Die Schnitzeljagd per GPS-Signal gibt es offiziell seit dem 3. Mai 2000. Damals vergrub ein US-Amerikaner aus Spaß einen schwarzen Plastikeimer in einem Wald bei Portland im Bundesstaat Oregon. Darin versteckte er ein Büchlein, einen Stift, Bücher und Videos. Im Internet veröffentlichte er nach Angaben des Geocache-Verzeichnisses geocaching.com die Koordination des Verstecks.

Problematisch sieht der Geschäftsführer der bayerischen Naturfreunde, Peter Pölloth, allerdings den „Trend zu höher, schneller, weiter“ beim Geocaching. Wo immer Extrem-Geocacher Baumkronen oder Felsen erklimmen, sich mit Booten in sensible Schilfbereiche wagen oder gar in Höhlen mit Fledermaus-Beständen eindringen, hört für Pölloth der Spaß auf. „Das ist allerdings nur ein geringer Anteil der Geocacher-Szene“, macht er klar. „Wenn man sich an die Regeln hält, ist Geocaching eine wunderbare Sache.“

Dass sich Geocacher auf der waghalsigen Suche nach Extrem-Caches bisweilen selbst in Gefahr bringen, erfuhr im vergangenen Herbst eine 22 Jahre alte Frau in Triberg im Schwarzwald. Auf der Suche nach einem „Schatz“ war die Frau abgerutscht und in einer Felsspalte steckengeblieben. Bis Helfer sie befreiten, hatte sie fast fünf Stunden in ihrer misslichen Lage ausharren müssen. Die bayerische Bergwacht hält das allerdings für seltene Einzelfälle. Dass die Bergwacht in den bayerischen Alpen wegen verunglückter Geocacher ausrücken musste, sei ihm nicht bekannt, sagte Bergwacht-Sprecher Roland Ampenberger.

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