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Neue Sieger beim Weihnachtsbaum-Werfen

Eine Fichte als Sportgerät? Beim Weihnachtsbaumwerfen-Dreikampf ist das die Regel. Die beste Technik gewinnt.
Von Jasper Rothfels, dpa

Die Anforderungen beim Weihnachtsbaumwerfen-Dreikampf sind hoch: Die Bäume müssen nicht nur weit geworfen werden. Foto: dpa
Die Anforderungen beim Weihnachtsbaumwerfen-Dreikampf sind hoch: Die Bäume müssen nicht nur weit geworfen werden. Foto: dpa

Weidenthal.Die 1,50 Meter große Fichte segelt in hohem Bogen über den Sportplatz, bevor sie hart aufschlägt. 8,55 Meter hat sie zurückgelegt – ein beeindruckender Wert. Der Nadelbaum ist ein Sportgerät bei der Weltmeisterschaft im Weihnachtsbaumwerfen-Dreikampf, die am Sonntag im pfälzischen Weidenthal über die Bühne geht. Geworfen hat ihn gerade der 45-jährige Oliver Koch.

Was ist sein Geheimrezept? „Après-Ski“, sagt der Chemiker am Rande des Wettstreits, den der Fußballclub „Wacker“ zum zehnten Mal organisiert. Er hat gerade eine Woche Skiurlaub in Österreich hinter sich. Neben Koch sind noch andere 52 Männer und 30 Frauen dem Aufruf des Vereins gefolgt, ihre Wurffähigkeiten unter Beweis zu stellen.

Nicht nur auf die Weite kommt es an

Die Anforderungen sind hoch: Die Bäume müssen nicht nur weit geworfen werden. Es gilt auch, sie – wie beim Hammerwurf – zu schleudern und sie in der Hochsprunganlage über die Latte zu bugsieren. In welcher Höhe die aufgelegt wird, entscheidet der Werfer selbst. „Da hat sich schon mancher verschätzt“, sagt Herbert Laubscher, Pressewart des Vereins. Am Schluss werden die Ergebnisse in den drei Disziplinen addiert, wer auf den größten Gesamtwert kommt, hat gewonnen.

Der bisherige „Weltrekord“ stammt aus dem Jahr 2011 und liegt bei 25 Metern. Ihn hält der dreimalige Weltmeister Frank Schwender (51) aus dem nahen Frankeneck, der 2011, 2012 und 2013 gewann. Am Sonntag legt der kräftig gebaute Verkaufsleiter bei einem Automobilzulieferer noch einen Zentimeter drauf und holt sich mit 25,01 Metern den vierten Titel. Vorjahressieger Hubert Fielenbach (57) aus dem badischen Ubstadt-Weiher wird Zweiter.

Die Idee hatten nach Laubschers Angaben die Alten Herren des Vereins, inspiriert von der Aktion einer schwedischen Möbelkette. Die lädt nach Angaben einer Sprecherin seit mehr als zehn Jahren zum Weihnachtsbaumwerfen ein. Das habe man zum Dreikampf ausgebaut, erklärt Laubscher. „Den hat es bis dahin noch nie auf der Welt gegeben.“ Und um dem Spektakel noch mehr Gewicht zu verleihen, wurde es zur WM erklärt. Die zieht in diesem Jahr etwa 1000 Menschen an, die die Teilnehmer bei Grillwurst und Glühwein kräftig anfeuern.

Technik wird intensiv studiert

Die Wurfgeschosse allerdings sind keine „echten“ Weihnachtsbäume, sie wurden erst am Tag zuvor im gemeindeeigenen Wald gefällt. „Die Bäume müssen ja ein bisschen was aushalten“, sagt Laubscher. Ein richtiger Weihnachtsbaum wäre zu dieser Zeit schon zu trocken und würde Nadeln und Äste verlieren. „Es ist in erster Linie eine Gaudi“, sagt er über den Wettstreit, der das erste große Fest des Jahres in der 2500-Einwohner-Gemeinde ist. Aber: „Bei den Männern gibt es acht bis zehn, die richtig ernsthaft dabei sind.“ Da werde intensiv die Technik der Konkurrenten beobachtet. „Die Frauen nehmen es nicht so ernst.“

Die 37 Jahre alte Cora Möbius aus Wachenheim kommt beim Baumschleudern auf 6,80 Meter und stellt damit in dieser Disziplin einen neuen Frauenrekord auf – dabei hat sie noch nie mitgemacht. Welche Technik hat sie? „Es kommt aus der Hüfte“, sagt die studierte Chemieingenieurin. „Das ist Intuition.“ Am Ende des Tages wird sie mit einer Gesamtweite von 15,41 Metern Weltmeisterin bei den Frauen. Und welches Erfolgsrezept hat Weltmeister Schwender? „Man muss gucken, dass man fit bleibt.“ Er hat früher viel Fußball gespielt und macht jeden Abend Liegestützen – „vielleicht ist das der Grund“.

Geworfen wird nicht nur in der Pfalz, auch die Freiwillige Feuerwehr in Cottbus-Ströbitz hat in diesem Jahr zum zweiten Mal ein Weihnachtsbaumwerfen organisiert. Nach Angaben des Vize-Wehrleiters Michael Möbes wollen die Wehrleute verhindern, dass ausrangierte Weihnachtsbäume auf einer Deponie neben dem Feuerwehrgerätehaus landen und möglicherweise irgendwann mal in Flammen aufgehen, die dann das Gerätehaus erfassen könnten. Die Leute sollten die Bäume lieber zur Feuerwehr bringen, „wir entsorgen die dann gleich“.

Kirchen sehen das Treiben gelassen

Die beiden großen christlichen Kirchen sehen das Treiben gelassen. „Der Weihnachtsbaum gehört in den Bereich des Brauchtums“, sagt der Sprecher des Bistums Speyer, Markus Herr. Die Verwendung nach Weihnachten sei damit weniger eine Frage des Glaubens als des Geschmacks. „Es ist dem persönlichen Empfinden jedes Einzelnen überlassen, ob man den Baum nach Weihnachten – wie die meisten Menschen – lieber als Grünabfall entsorgt, daraus Brennholz macht oder ihn zuvor noch – wie in Weidenthal – für einen kuriosen sportlichen Wettkampf verwendet.“ Auch der Sprecher der Evangelischen Kirche der Pfalz, Wolfgang Schumacher, sieht das Werfen nicht als Blasphemie an. „Das wäre ein bisschen zu viel des Guten.“

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