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Neues Album mit Songs, die heilen

Die dänisch-amerikanische Sängerin Oh Land tröstet sich auf ihrem neuen Album „Family Tree“ teilweise selbst.
Von Michael Scheiner

Oh Land verarbeitet auf ihrem neuen Album einen schmerzhaften Trennungsprozess. Foto: Lasse Bech Martinussen
Oh Land verarbeitet auf ihrem neuen Album einen schmerzhaften Trennungsprozess. Foto: Lasse Bech Martinussen

Es ist das Alltäglichste der Welt – und gleichzeitig oft die größte Katastrophe im Leben. Eine Trennung, das Ende einer – vielleicht langen – Beziehung, bedeutet so gut wie immer einen tiefen Einschnitt in den Alltag, manchmal ein finanzielles Debakel, vor allem aber ein Zerreißen der Herzens. Das Selbstbild gerät ins Wanken oder stürzt gar in sich zusammen, die unerwartete emotionale Leere lässt sich nur mühsam mit Hilfe von Freunden wieder auffüllen und innere wie äußere Gefühlslagen fahren mit einem oft und oft regelrecht Achterbahn.

Aus einem derartigen emotionalen Auf und Ab ist das neue Album der dänisch-amerikanischen Sängerin Nanna Øland Fabricius entstanden. Es erscheint am 3. Mai, einen Tag nach dem 34. Geburtstag von Oh Land. In Anspielung auf ihren Mittelnamen hat sich die Künstlerin vor ihrer musikalischen Initiation mit „Fauna“ dieses Pseudonym zugelegt. Mit einem hymnischen Elektropop, der mal Züge von Björk trägt, an Twin Peaks oder an Lykke Li erinnert, erfährt die Musikerin und Visual Artist seither mit jedem Album eine immer breitere Popularität. Dabei kommt ihr die eigene Stimme in heller Sopranlage und individueller Färbung entgegen, die sie mal mädchenhaft aufgekratzt, mal kunstvoll verspielt erscheinen lassen. Damit erreicht die Sängerin einen hohen Grad an Wiedererkennung.

Das Album „Family Tree“ von Oh Land ist bei Awal/Roughtrade/Tusk or Tooth erschienen.
Das Album „Family Tree“ von Oh Land ist bei Awal/Roughtrade/Tusk or Tooth erschienen.

Oh Land live

  • Livekonzerte:

    Zu hören ist Oh Land u. a. am 5. Juni in Berlin und tags darauf in Hamburg beim Stadtpark Open-Air. Am 3. August tritt sie beim Würzburger Hafensommer auf.

  • Album:

    „Family Tree“ ist bei Awal/ Roughtrade/Tusk or Tooth erschienen; CD ca. 16 Euro.

Vier breit gefächerte Alben

Bei den inhaltlich breit gefächerten Songs der bisherigen vier Alben spielten eigene Erfahrungen schon manchmal eine Rolle, bislang allerdings keine Details, die einen Einblick in ihr Privatleben erlaubt hätten. Drehten sich Songs bislang um weibliches Selbstbewusstsein, emotionale Befindlichkeiten und skurrile Ideen, vollführt Oh Land mit „Family Tree“ eine radikale Wende.

„Ich habe die größten Höhen und Tiefen durchlebt.“

Nanna Øland Fabricius

Mit gefühlsmäßig stark aufgeladenen Songs wie „Make Me Trouble“ oder „Coma“, eine flehentliche Bitte an die Vater es doch wieder zu richten, gibt die in Kopenhagen geborene Musikerin intime Einblicke in ihr Leben. Seit dem letzten, 2014 erschienenen Album sei „wahnsinnig viel passiert – ich habe die größten Höhen und Tiefen durchlebt“, erzählt sie in einem Interview.

Sehen Sie ein Musikvideo mit dem Lied „Human Error“:

Fabricius ist in dieser Zeit Mutter geworden und nach einer schmerzhaften Trennungs- und Scheidungsphase nach Dänemark zurückgekehrt. Zuvor lebte sie ein Jahrzehnt lang mit dem ebenfalls aus Dänemark stammenden Künstler Eske Kath in New York City. Dessen grell-bunte psychedelischen Farblandschaften haben auch Images und Videoauftritte von Oh Land mit geprägt.

Songs verlassen sich auf sanfte Akkorde

Von dieser artifiziellen Künstlichkeit ist auf „Family Tree“ kaum mehr etwas zu spüren. Die Arrangements sind reduziert, die poppige Opulenz zurückhaltend. Manchmal verlassen sich Songs nur auf melancholisch-sanfte Akkorde eines Klaviers, den tröstlichen Sound einer Gitarre – Speak To Me – oder den wunderlichen Klang eines Harmoniums aus dem hinduistischen Kulturkreis. Auch Oh Lands Stimme klingt direkter, etwas dunkler und spricht viel unmittelbarer an, als bei älteren Aufnahmen.

„In Melodien habe ich immer wieder etwas Heilendes gefunden.“

Oh Land

Dazu trägt sicher die von Trauer durchwirkte Stimmung etlicher Songs bei. „Für mich war die Musik schon immer so etwas wie eine Freundin, die zuhört und nie richtet“, sagt sie übers neue Album. Musik sei für sie der beste Ort, „um sein Herz auszuschütten. In Melodien habe ich immer wieder etwas Heilendes gefunden (…)“. Eigentlich hatte sie ein ganz anderes Album geplant aufzunehmen. Als Produzent holte sie sich Thomas Bartlett an die Seite. Der wurde für seine Arbeit mit Joan As Police Woman, Rufus Wainwright und Lisa Hannigan bekannt und brachte das notwendige Fingerspitzengefühl für diese besondere Art Songs mit.

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