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OTH-Studenten schuften – und ärgern sich

Regensburger Studierende helfen vier Wochen bei der Wasserversorgung im Senegal, vermissen aber die Hilfe der Dorfbewohner.
Von Bernhard Neumayer, MZ

Die Regensburger Studierenden freuen sich über die neue Zisterne, die sie im Senegal errichtet haben.Foto: OTH
Die Regensburger Studierenden freuen sich über die neue Zisterne, die sie im Senegal errichtet haben.Foto: OTH

Regensburg.Ganz zufrieden wirken Andreas Ottl und seine Studierenden der OTH Regensburg nicht. „Die Menschen an unserem neuen Ort haben eher abgewartet, statt zu helfen – das ist nicht der Sinn, den wir verfolgen“ zieht der Professor der Fakultät Bauingenieurwesen ein Resümee über die Einwohner im senegalesischen Souda.

Dort, im Südwesten des Landes, führten sieben angehende Bachelor der Fakultät Bauingenieurwesen der OTH verschiedene Projekte durch, mit deren Hilfe sich die Bevölkerung besser mit Wasser versorgen kann. Knapp vier Wochen – von Februar bis März – waren die Studierenden vor Ort, untersuchten vorhandene Brunnen, planten neue Standorte und bauten eine Zisterne. „Das Ziel, das wir mit den Projekten verfolgen, lautet: Hilfe zur Selbsthilfe“, erklärt Ottl.

Dorfbewohner soll mithelfen

Die Einwohner sollen in den Arbeitsprozess eingebunden werden, so dass sie auch ohne die Studierenden mit den am Ort vorhandenen Materialien einen neuen Brunnen oder eine Zisterne bauen können. Die OTH ist eine von drei Institutionen, die an diesem Projekt im Senegal arbeiten. Mit der Hochschule kooperieren die Hilfsorganisation „Ingenieure ohne Grenzen“ in Regensburg sowie der Verein „Kinderhilfe Senegal“, von der auch die Initiative zum Projekt im Senegal vor gut vier Jahren ausging.

„Ziel ist, das ganze Jahr Wasser für die Einwohner des Dorfes bereitzustellen – auch während der etwa fünfmonatigen Trockenzeit in Souda“, sagt Walter Hoffmann, einer der Gründer des Vereins. Die Datengrundlage, welche die OTH mit ihren Projekten liefert, sei für alle Wasserprojekte der Kinderhilfe im Senegal nützlich.

In der Bildergalerie sehen Sie Schritt für Schritt, wie die Studenten die Zisterne erbaut haben:

OTH-Studenten im Senegal

Das Kooperationsprojekt läuft bereits im vierten Jahr. In den vergangenen Jahren waren die Studierenden in Baïla, knapp 45 Kilometer weiter westlich von Souda. Doch heuer wagten die Teilnehmer einen nächsten Schritt, indem sie versuchten in Souda etwas Neues aufzubauen. „Das ist eine Herausforderung, weil Souda nicht so gut entwickelt ist wie Baïla“, sagt Hoffmann. Die Infrastruktur sowie die Netzstrom-, und die Wasserversorgung seien in Baïla deutlich besser.

Doch genau diese Probleme machten den Reiz für die Studierenden in Souda aus. Sie wollen eine ähnlich gute Wasserversorgung wie in Baïla aufbauen. Dazu verorteten Michael Schäch (24) und Markus Schmidt (23) insgesamt 31 Brunnen in Souda per GPS-Messgerät. Zudem führten die beiden jungen Studenten Messungen durch, wie tief die jeweiligen Brunnen sind, um ein Modell zu erstellen.

Alexander Langgartner und Andreas Geier bauten in Souda eine neue Zisterne aus Sand, Zement und Wasser. Alles per Hand, ohne Maschinen – bei um die 40 Grad Celsius. „Wegen der Hitze konnte wir quasi nur vormittags und abends richtig arbeiten“, erklärt Langgartner. Um die 11 000 Liter Speichervolumen fassende Zisterne zu errichten, bauten die Studenten eigentlich auf tatkräftige Unterstützung der Dorfeinwohner. „Doch es fehlte am Interesse der Bevölkerung – obwohl wir die Zisternen ja für sie gebaut haben.“ Oft habe der 25-Jährige mit Geier allein arbeiten müssen, die Helfer seien meist erst später erschienen. „Das hat Kraft gekostet.“ Professor Ottl meinte, es könne an der Verständigung gelegen haben. „Vielleicht wussten die Einwohner zuerst nicht, was wir hier machen.“

Ein Bad im Camp als Luxus

Viel Arbeit steckte auch die dritte Gruppe in ihr Projekt. Michaela Zach untersuchte die Grundwasserqualität in Souda. Simone Matuschek und Lisa Mitas hatten die gleiche Aufgabe in Baïla. Der große Unterschied zwischen den beiden Dörfern ist die Entwicklung. „Ich war mit Lisa in einem Camp mit einem Bad untergebracht, Michaela musste bei einer Familie schlafen“, erzählt die 23-jährige Matuschek, die wie ihre Kommilitonen freiwillig am Projekt teilnimmt und dafür Geld aus der eigenen, knappen Studententasche zahlt. „Für die Materialien der Zisterne haben wir aber Sponsoren“, erzählt Ott.

Professor Andreas Ottl unterstützt die Studierenden beim Projekt. Foto: Neumayer
Professor Andreas Ottl unterstützt die Studierenden beim Projekt. Foto: Neumayer

Der Professor möchte das Wasserprojekt im Senegal auch im nächsten Semester weiterführen. Doch in welchem Dorf und in welcher Form sei noch ungewiss. „Wir werden das Projekt in Souda nur fortsetzen, wenn größeres Interesse der Bevölkerung vorhanden ist.“ Denn über die mangelnde Mithilfe der Bewohner ärgerte er sich mit den Studierenden.

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