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Presse nimmt die Welt unter die Lupe

Am 3. Mai ist Tag der Pressefreiheit: Ein Künstler und ein Aktivist führen hierzu ein besonderes Gespräch.

Zum Internationalen Tag der Pressefreiheit hat Olafur Eliasson ein Kunstwerk mit dem Titel „Weltlupe“ geschaffen. Das Kunstwerk ist zugleich Lupe und Spiegel – ein Instrument der Überprüfung und Selbstbetrachtung. Foto: Eliasson
Zum Internationalen Tag der Pressefreiheit hat Olafur Eliasson ein Kunstwerk mit dem Titel „Weltlupe“ geschaffen. Das Kunstwerk ist zugleich Lupe und Spiegel – ein Instrument der Überprüfung und Selbstbetrachtung. Foto: Eliasson

Berlin.Der Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) hat in diesem Jahr den international gefeierten Künstler Olafur Eliasson dafür gewonnen, zum Tag der Pressefreiheit (3. Mai) ein Kunstwerk zu schaffen, das allen Mitgliedsverlagen als Motiv zur Verfügung gestellt wird.

Angesichts der Corona-Krise und ihrer Folgen für die Gesellschaft ist das Thema Pressefreiheit in Europa derzeit etwas in den Hintergrund geraten, erklärt dazu BDZV-Hauptgeschäftsführer Dietmar Wolff.

Das sei hoch gefährlich, denn „in einer Zeit, in der freie und unabhängige Medien wichtiger sind denn je, nutzen vor allem Regierungen in Osteuropa die Gesundheitskrise als Vorwand, um den freien Informationsfluss zu hemmen und unabhängige Medien zu unterdrücken.“

Ein Zeichen für Pressefreiheit

Es gebe eine „alarmierende Zahl von Fällen, insbesondere in Staaten mit autoritären Strukturen wie Ungarn und Russland“, macht Wolff weiter deutlich. Vor diesem Hintergrund sei die Aktion des BDZV mit dem Künstler Olafur Eliasson ein „Ereignis, das durch seinen Ausnahmecharakter ein weithin sichtbares Zeichen für Pressefreiheit setzen“ solle. Das Werk entstand im Dialog mit Kumi Naidoo, früherer Generalsekretär von Amnesty International und früherer Direktor von Greenpeace.

Das mitreißende Gespräch

Olafur Eliasson: Kumi, danke, dass du Zeit für unser Gespräch hast. Noch immer stecken wir mitten in der Covid-19-Pandemie und brauchen dringend Zusammenarbeit und Empathie auf globaler Ebene. Während stündlich neue Nachrichten, gesundheitsrelevante Fakten und Strategien zur Eindämmung des Virus um die Welt gehen, sind Pressefreiheit und ungehinderter Zugang zu präzisen Informationen so entscheidend wie nie zuvor.

Kumi Naidoo: Betrachtet man das Ganze global, ist es von größter Dringlichkeit – ob nun beim Kampf gegen den Klimawandel, gegen Ungleichheit, Armut und alle übrigen Krisen der Gegenwart – dass wir das Recht ganz normaler Menschen und Bürger auf qualitätsvolle, präzise und diverse Medien verfechten, auf deren Grundlage sich fundierte Entscheidungen treffen lassen. Wir werden bei keiner dieser zentralen Fragen Fortschritte machen, wenn wir nicht in der Lage sind, sie offen in den Medien zu thematisieren. Das ist eine große Herausforderung – nicht nur im Sinne der Herausforderungen, die diese Krisen selbst mit sich bringen, sondern auch eine Herausforderung der Kommunikation: Wir müssen sie auf eine Weise kommunizieren, die verständlich ist und bei den Menschen ankommt.

Olafur Eliasson

  • Der Künstler:

    Olafur Eliasson (geboren 1967) wuchs in Island und Dänemark auf und gründete 1995 das Studio Olafur Eliasson in Berlin. Sein Interesse als Künstler gilt insbesondere der Wahrnehmung von Raum, Natur, Wasser und Licht. Kunst ist für den vielfach ausgezeichneten Maler, Fotografen, Bildhauer und Filmemacher ein wesentliches Mittel, um Denken in aktives Handeln für die Gesellschaft zu verwandeln. Für den Tag der Pressefreiheit schuf er ein Kunstwerk, das sich auf den Akt des Lesens als ein Treffpunkt von Journalist, Text und Leser fokussiert.

  • Tag der Pressefreiheit:

    Der 3. Mai steht für den Jahrestag der Erklärung von Windhoek, einer 1991 von afrikanischen Journalisten ausgearbeiteten Grundsatzerklärung mit der Forderung nach freien, unabhängigen Medien auf dem afrikanischen Kontinent und in aller Welt. Die Botschaft des Tages lautet, dass jeder Journalist überall auf der Welt das Recht haben muss, frei und ohne Angst berichten zu können.

  • Olafur Eliasson (geboren 1967) wuchs in Island und Dänemark auf und gründete 1995 das Studio Olafur Eliasson in Berlin. Sein Interesse als Künstler gilt insbesondere der Wahrnehmung von Raum, Natur, Wasser und Licht. Kunst ist für den vielfach ausgezeichneten Maler, Fotografen, Bildhauer und Filmemacher ein wesentliches Mittel, um Denken in aktives Handeln für die Gesellschaft zu verwandeln. Für den Tag der Pressefreiheit schuf er ein Kunstwerk, das sich auf den Akt des Lesens als ein Treffpunkt von Journalist, Text und Leser fokussiert.

  • Tag der Pressefreiheit:

    Der 3. Mai steht für den Jahrestag der Erklärung von Windhoek, einer 1991 von afrikanischen Journalisten ausgearbeiteten Grundsatzerklärung mit der Forderung nach freien, unabhängigen Medien auf dem afrikanischen Kontinent und in aller Welt. Die Botschaft des Tages lautet, dass jeder Journalist überall auf der Welt das Recht haben muss, frei und ohne Angst berichten zu können.

Olafur Eliasson: Ja, ich denke, es ist ein wirklich wichtiger Punkt, dass Pressefreiheit alle betrifft, von Staatschefinnen und anderen in Machtpositionen bis hin zu einzelnen Leserinnen und Lesern mit Zeitung oder Tablet in der Hand. Mir ist besonders wichtig, zu betonen, wie du ja auch sagst, dass es um Leserinnen und Leser geht und darum, sie als Koproduzentinnen zu verstehen. Wenn wir dafür sorgen, dass Journalisten und Nachrichten sicher und unabhängig sind, bestehen wir zugleich auf dem Recht der Leser, Zugang zu breitgefächerter und ausgewogener Reportage zu haben, die ihnen erlaubt, eigene Schlüsse über das Geschehen in der Welt zu ziehen.

Kumi Naidoo: Wie sieht die Medienlandschaft heute aus? In der Vergangenheit waren Leser, Zuhörer und Zuschauer absolut passiv. Heute hat sich dies durch den Zugang zu den sozialen Medien entscheidend verändert – in dieser Hinsicht unterstütze ich den Gedanken der Koproduktion. Richtet man den Fokus auf die heutigen Leser und ihre Rechte, gibt es hiervon drei: das Recht zu lesen, das Recht zu wissen und das Recht teilzuhaben und zu handeln.

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Dem Schutz von Leben in der Corona-Krise sei nicht alles unterzuordnen, sagt der Bundestagspräsident außerdem.

Olafur Eliasson: Diese Rechte decken sich stark mit Werten, die meiner Ansicht nach den Kultursektor prägen. Als Künstler geht es mir darum, Kunstwerke zu schaffen, die den Betrachtern Raum lassen, ihre Gedanken, Träume, Wünsche und Werte zum Ausdruck zu bringen. Ich hoffe, dass meine Kunst so offen ist, einige dieser Gedanken und Emotionen zu reflektieren. Das Zusammentreffen eines Kunstwerks mit seinen Besuchern, der Dialog, der sich zwischen ihnen entwickelt – und der grundlegend von Vertrauen geprägt ist – ist es, was mich wirklich interessiert.

Hier kann etwas zusammenkommen: das Nachdenken über das Geschehen in der Welt und das Gefühl, Teil einer Gesellschaft zu sein. Wenn wir am Internationalen Tag der Pressefreiheit unsere Dankbarkeit und unseren Respekt für Journalisten und ihre Medienplattformen zum Ausdruck bringen, feiern wir also im Grunde auch das, was uns ermöglicht, engagierte Bürger zu sein.

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