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Promis mit guten Taten im Netz unterwegs

Immer wieder ernten Promis für ihre guten Taten Lob. Doch der Grad zwischen Nächstenliebe und Selbstinszenierung ist schmal.
Von Laura Lewandowski, dpa

Das Handout des London Ambulance Service zeigt Ex-Fußballprofi David Beckham und die Pflegerin Catherine Maynard. Foto: „London Ambulance Service/dpa
Das Handout des London Ambulance Service zeigt Ex-Fußballprofi David Beckham und die Pflegerin Catherine Maynard. Foto: „London Ambulance Service/dpa

Berlin.Er in schwarzer Jacke, sie in Sanitäter-Uniform mit leuchtend gelben Streifen: Auf dem Foto des London Ambulance Service strahlen Ex-Fußballprofi David Beckham und die Pflegerin Catherine Maynard um die Wette. Der Grund: Kurz zuvor hatte der 40-Jährige der Frau und ihrem Patienten die Wartezeit auf einen Krankenwagen mit Tee und Kaffee versüßt. Auf Twitter wurde das Anfang Februar gepostete Foto über 1000 mal geteilt. Eine Geste, für die am Ende Beckham selbst belohnt wird – und mit der er sich in die Riege der Promis einreiht, die das junge Jahr schon ein Stück besser machten.

Denn erst Ende Januar landete auch US-Schauspieler Jamie Foxx mit einer spektakulären Rettungsaktion in den Medien. Der Hollywood-Star, der sonst in seinen Filmen als Action-Held triumphiert, befreite einen 48-jährigen Autofahrer aus seinem brennenden Wagen. Wer auf Foxx‘ Instagram-Account stöbert, sieht ein rührendes Bild, auf dem sich der Vater des Opfers und der Star in den Armen liegen. „...Keine Helden ... nur glückliche Väter“, steht neben dem Beitrag – rund 47 000 Nutzern gefällt das.

Rocker mit weicher Seite

Auch hartgesottene Rocker wie Gene Simmons zeigen in den sozialen Netzwerken ihre weiche Seite: Der Front-Sänger der Hard Rock-Band „Kiss“ besuchte Mitte Januar einen krebskranken Teenager in einem Kinderkrankenhaus in US-Bundesstaat Nevada. Dessen Post zufolge erfüllte er dem 17-Jährigen damit einen seiner größten Wünsche – Zeit mit seinem Idol zu verbringen. Der Internetbeitrag der Klinik verriet anschließend: „Die zwei hingen ab, tauschten Geschichten aus und lachten gemeinsam (...).“ Auch auf Simmons Facebook-Seite war das Foto wenig später zu sehen - fast 30 000 User waren begeistert.

Nicht nur Menschen, sondern auch Tiere machen Promis hin und wieder glücklich. Ebenfalls im Januar beglückte das Glamour-Paar um George und Amal Clooney die Netzgemeinde, als es einen verkrüppelten Hund aus dem Tierheim rettete. „Mehrere Leute haben sich darum beworben, ihn zu adoptieren. Als sie ihn dann aber gesehen haben, haben sie „Nein“ gesagt“, berichtete die Organisation LuvFurMutts Animal Rescue. Die Geschichte lief quer durch die Medien und lies das Herz tausender Tierfreunde in den sozialen Netzwerken höherschlagen.

„Bei Social Media geht es in erster Linie um Likes und Quoten.“

Promi-Experte Jens Hilbert

Wer kritisch ist, fragt an dieser Stelle allerdings zu Recht - zählt das Posten guter Taten als Zeichen der Nächstenliebe oder ist am Ende doch alles nur PR-Masche? „Bei Social Media geht es in erster Linie um Likes und Quoten“, sagt Promi-Experte Jens Hilbert. Dennoch sei an dem Motto „Tu Gutes und sprich darüber“ nichts verwerfliches: „Wenn Menschen Zivilcourage beweisen, hat das nichts mit Red Carpet zu tun“, sagt Hilbert. Ärmel hochkrempeln und dies auch zeigen, sei nicht pietätlos, sondern das gutes Recht von jedem.

Gute Taten mit Nebeneffekt

Gute Taten von Berühmtheiten könnten außerdem einen positiven Nebeneffekt haben, sagt Social-Media-Experte Ibrahim Evsan. In seinen Augen sind Promis „Wertebotschafter“, die als Vorbilder dienen und zeigen, wie man sein kann. Allerdings mit einer Einschränkung: „Das Ganze muss ein Gesamtbild ergeben und glaubwürdig sein“, sagt Evsan. Gerade im Netz würde jede Lüge früher oder später entlarvt werden.

Evsan nennt dabei den Fall des türkischen Präsident Recep Tayyip Erdogan: Kurz vor dem Jahreswechsel soll der Regierungschef einen Mann von einem Sprung von einer Brücke abgehalten haben. Im Internet kursierten Aufnahmen, in denen sich der Regierungschef als Retter inszenierte. Ob Farce oder gute Tat, das ist allerdings nach wie vor unklar. (dpa)

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