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Virus

Reicht der Schutz in Pflegeheimen?

Betagte und kranke Menschen müssen besonders vor einer Coronavirus-Infektion geschützt werden. Reichen die Vorschriften?
Von Ulf Vogler

Ein Pfleger eines Pflegeheims schiebt eine Bewohnerin mit einem Rollstuhl. Hochbetagte Menschen müssen besonders vor einer Infektion mit dem Coronavirus geschützt werden. Foto: Tom Weller/dpa
Ein Pfleger eines Pflegeheims schiebt eine Bewohnerin mit einem Rollstuhl. Hochbetagte Menschen müssen besonders vor einer Infektion mit dem Coronavirus geschützt werden. Foto: Tom Weller/dpa

München.Fünf Menschen sind bisher in Bayern nach einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben, vier davon waren Bewohner von Pflegeheimen. Nachdem allein drei der Gestorbenen aus einem Heim in Würzburg stammen, stellt sich die Frage, ob genug für den Schutz der meist hochbetagten und oftmals schwer kranken Bewohner getan wird.

113 000 Menschen in Pflegeheimen

Patientenschützer fordern eindeutige Leitlinien, wie mit Coronavirusfällen in den Senioreneinrichtungen umgegangen werden muss – bis zur Evakuierung ganzer Häuser. Dies könnte in den kommenden Wochen zu einer riesigen Herausforderung werden. Denn nach Angaben des bayerischen Gesundheitsministeriums leben etwa 113 000 Menschen im Freistaat in vollstationären Pflegeeinrichtungen.

Zuletzt war im Freistaat ein hochbetagter, mehr als 90 Jahre alter Patient aus einem Würzburger Pflegeheim gestorben. Zuvor waren bereits zwei andere Bewohner dieses Heimes der vom Erreger Sars-CoV-2 ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19 erlegen. Auch in Kempten starb eine Seniorin aus einem Pflegeheim nach einer Coronavirus-Infektion in einer Klinik.

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Der Chef der gemeinnützigen städtischen Trägergesellschaft Münchenstift glaubt, dass das bayerische Pflegepersonal gut mit der neuartigen Krankheit umgehen kann. „Die Mitarbeiter in der Altenpflege kennen sich mit Viren aus, deswegen ist dort die Sorge und die Angst auch nicht so groß“, meinte Geschäftsführer Siegfried Benker am Dienstag.

Vollständiges Besuchsverbot gefordert

Der Leiter von 13 Münchner Häusern mit etwa 2000 Pflegebedürftigen spricht sich aber für ein vollständiges Besuchsverbot für die Heime aus. Münchenstift habe sich früh mit dem Thema befasst, ein über die Landesverordnung des Freistaats hinausgehendes Verbot eingeführt und damit gute Erfahrungen gemacht. „Die allermeisten Angehörigen sind sehr einverstanden“, sagt Benker. Sie brächten den Bewohnern nun Essen oder Kleidung an die Rezeption oder gingen gemeinsam außerhalb des Hauses spazieren.

Die Pflegeeinrichtung der Landeshauptstadt orientiert sich bei der Frage von Angehörigenbesuchen an der Verfügung des Landkreises Oberallgäu, obwohl diese räumlich nicht für München gilt. Die Vorgabe aus Schwaben sieht bis auf wenige Ausnahmen ein Betretungsverbot der Heime durch Besucher vor. Der Freistaat verbietet hingegen nur Angehörigen, die unter dem Verdacht der Infektion stehen, einen Heimbesuch. Ansonsten dürfen die Bewohner pro Tag für je eine Stunde Besuch erhalten, dies gilt entsprechend für Krankenhäuser.

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Die Allgäuer Anordnung sei eine klare und eindeutige Regelung, erklärt Benker. Für den Schutz der Bewohner und des Personals in seinen Einrichtungen sei dies besser als die Regelung des Landes. Denn diese bedeute, „dass mindestens 2000 Menschen jeden Tag in die Häuser können“. Dieses Risiko möchte der Pflegeheimchef nicht eingehen. Selbst wenn nur an jedem zweiten Tag pro Bewohner jemand komme, seien dies immer noch etwa 1000 Menschen pro Tag, die Viren einschleppen könnten, rechnet er vor.

„Pflegeheime habe immer mit Viren zu tun.“ Siegfried Benker,

Münchenstift

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz fordert, dass für bestätigte und Verdachtsfälle für Pflegeheime Leitlinien erlassen werden, wie mit der Situation umzugehen sei. „Es gibt diese Pläne bisher nicht“, kritisiert Vorstand Eugen Brysch. Auch eine Räumung von Heimen müsse geregelt werden. Mit den infizierten Patienten in den Pflegeeinrichtungen weiterzumachen, sei keine gute Idee, sagt Brysch.

Der Münchenstift-Geschäftsführer sieht dies anders. „Pflegeheime haben immer mit Viren zu tun“, meint er. Im Frühjahr hätten die meisten Heime üblicherweise mit Noroviren zu kämpfen, „die mindestens genauso ansteckend sind und für Alte auch ähnlich gefährlich wie der Coronavirus“. Zudem kämen Bewohner oft mit multiresistenten Keimen aus dem Krankenhaus zurück ins Heim.

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Die bisher üblichen Maßnahmen, nicht so schwer Erkrankte oder Verdachtsfälle auf den Zimmern der Heime zu isolieren, seien ausreichend. Dies habe es auch schon bisher bei Grippe oder anderen Erkrankungen gegeben. „Damit können die Mitarbeiter umgehen.“ Pfleger sofort nach Hause zu schicken, wenn irgendwo ein Bewohner erkrankt sei, sei keine Lösung. Auch Reinigungs- und Küchenpersonal könne nicht ersetzt werden, erklärte Benker. Der Betrieb müsse schließlich aufrecht erhalten bleiben.

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