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Feiertage

Ruhige Kugel zu Weihnachten

Stille heißt auch, etwas nicht zu tun und zu fordern. Weder von sich, noch von anderen. Lassen wir es einfach mal gut sein.
Von Angelika Sauerer

Drei Weihnachtskugeln hängen herab. Auch wir sollten öfter eine ruhige Kugel schieben. Foto: Kevin Mayer - stock.adobe.com
Drei Weihnachtskugeln hängen herab. Auch wir sollten öfter eine ruhige Kugel schieben. Foto: Kevin Mayer - stock.adobe.com

Regensburg.Was an Weihnachten eigentlich gut tun würde: Ruhe. In Weihnachtsliedern wird sie besungen. Doch die stille Nacht und die himmlische Ruh, der still und starr liegende See, der leise rieselnde Schnee gehen unter im Trubel der Feierlichkeiten. Ein Termin jagt den anderen, erst recht in der staaden Zeit: hier die Gans, dort der Brunch und da der Kaffeeklatsch.

Stille – ein Grundbedürfnis

Die Sehnsucht nach Ruhe, ein Grundbedürfnis in einer Zeit unter Dauerempfang, bleibt viel zu oft ungestillt. Das ist nicht nur an Weihnachten so, sondern das ganze Jahr über. In der Vorweihnachtszeit aber werden die letzten Reserven für den Endspurt mobilisiert. Beruflicher Stress paart sich mit privatem, und dabei sind nicht mal Streit und Konflikte gemeint, es reichen schon die vielen Verpflichtungen, vom Geschenkekauf über Plätzchenbacken bis hin zu diversen Weihnachtsfeiern, die es zu besuchen oder gar auszurichten gilt.

Die Diskrepanz zwischen dem, was der Advent sein sollte – eine Zeit der Besinnung – und dem, was jedes Jahr daraus wird – eine Zeit der Besinnungslosigkeit – sorgt für Frust. Alle Jahre wieder will man es besser hinbekommen. Und scheitert erneut.

Dann kommt Weihnachten, das Ziel. Doch auch da landet so mancher Erschöpfte unsanft auf dem Boden der Tatsachen. Wie ein Kreislauf, der sich nach einem Marathon nicht so schnell herunterfahren lässt, dreht er auch im Leerlauf noch hoch. Zurückgeworfen auf sich selbst fehlt plötzlich etwas. Nebenwirkungen machen sich bemerkbar als innere Unruhe.

Im Grunde genommen hilft eigentlich nur, das ganze Jahr über eine ruhigere Kugel zu schieben, um die Muße am Ende genießen zu können. Stille bedeutet nicht nur, leise zu sein oder etwas nicht zu sagen. Im übertragenen Sinne heißt es auch, etwas nicht zu tun, nicht zu konsumieren, mal nicht zu kommentieren und nicht zu fordern. Weder von sich, noch von anderen.

Unser Weihnachtsthema: Stille

Unsere Autoren haben sich in diesem Jahr mit dem Thema Stille befasst. Hier finden Sie alle Geschichten.

Glaube: Die Stille Nacht in Betlehem

Glauben

Bewegt in der staaden Zeit

Das Weihnachtslied „Stille Nacht“ erinnert an Sehnsüchte. Und daran, dass das Große oft leise geschieht.

Musik: Über die Pause vor dem Wumms

Klänge

Eine Auszeit fürs Ohr

Musik ist überall. Dabei brauchen wir auch die Stille. Auch Beethoven ist nicht nur Bumbum. Überraschender sind seine Pausen.

Kommunikation: Worte, die nie hätten gesagt werden sollen

Kommunikation

Über flatterhafte Worte

Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Dennoch gibt es so viele Sätze, die nie gesagt werden hätten sollen.

Abschalten: Im Hamsterrad, bis der Akku leer ist. Und dann?

Gesellschaft

Die Jagd nach der Ruhe

Immer auf Standby, immer unter Strom. Wir haben die Kunst des Abschaltens verlernt. Aber haben wir sie jemals beherrscht?

Trauer: Totenstille an Weihnachten

Totenstille

Ein Lichtergruß in den Himmel

Der Tod verändert alles, besonders am Heiligen Abend. Eine Familie und eine Witwe erzählen, wie sie mit der Stille umgehen.

Ernährung: Zwischen Übersättigung und Mangel

Essen

Kugelrund unterm Weihnachtsbaum

Stillen heißt das Füttern der Babys, denn satt macht still. Doch es geht so laut zu in unserer Welt voller Hunger.

Ruhe vor dem Sturm: Eine Nacht in einem menschenleeren Hotel

Selbstversuch

Stille Nacht in der Herberge

Im Herbst wagte MZ-Reporter Benjamin Weigl ein Experiment und verbrachte eine Nacht in den Gängen eines verlassenen Hotels.

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