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Umwelt

Run auf Palmöl heizt Waldbrände an

Starke Waldbrände verpesten die Luft in Südostasien, die klimaschädlichen CO2-Emissionen sind gigantisch.
Von Ahmad Pathoni, dpa

Verheerende Waldbrände verpesten mit ihrem beißenden Rauch Städte und Dörfer von Sumatra in Westindonesien bis nach Kalimantan mehr als 1000 Kilometer weiter östlich. Foto: dpa
Verheerende Waldbrände verpesten mit ihrem beißenden Rauch Städte und Dörfer von Sumatra in Westindonesien bis nach Kalimantan mehr als 1000 Kilometer weiter östlich. Foto: dpa

Jakarta.Millionen Menschen sind in Südostasien seit Wochen in stinkende Rauchschwaden eingehüllt – und viele sind am Ende. Asthma, Lungenentzündung, tränende Augen, Hautausschläge – die indonesische Armee holt Menschen schon mit Kriegsschiffen ab, um ihnen auf dem Meer frische Luft zu verschaffen. Die verheerenden Waldbrände verpesten mit ihrem beißenden Rauch Städte und Dörfer von Sumatra in Westindonesien bis nach Kalimantan mehr als 1000 Kilometer weiter östlich, ebenso den Stadtstaat Singapur, Südmalaysia und die thailändische Ferieninsel Phuket.

Der weltweite Run auf Palmöl, auch aus Europa, treibt das Umweltdesaster mit katastrophalen Klimafolgen an. Palmöl wird in zahlreichen Nahrungsmitteln verwendet, Schokolade etwa, Kartoffelchips und Speiseeis, und in Kosmetika. Die Nachfrage wächst und wächst. Indonesien ist der größte Palmölproduzent der Welt.

Die Palmöl-Exporte sind von 2008 bis 2014 von 15,6 auf 24,4 Millionen Tonnen gestiegen. Größter Abnehmer ist neben China und Indien die Europäische Union, und dort besonders die Niederlande und Italien. Auch für Deutschland ist Indonesien einer der wichtigsten Lieferanten.

Brände werden mit Absicht gelegt

„Die heimische und die internationale Palmölnachfrage tragen zur Zerstörung der Wälder bei“, sagt Erik Meijaard, Wissenschaftler beim Umweltinstitut „Borneo Futures Initiative“. „Viele der Brände werden absichtlich gelegt, um Land für neue Plantagen freizubekommen.“ Oder um Plantagenfelder für neue Pflanzungen vorzubereiten. Papierfirmen stehen ebenfalls am Pranger.

Brandrodungen sind eigentlich verboten, aber Indonesiens Wälder sind riesig. Viel zu wenig Polizisten sind im Einsatz, ihnen fehlen Hubschrauber und moderne Überwachungsmethoden.

Meijaard spricht von der „größten von Menschen gemachten Umweltkatastrophe des 21. Jahrhunderts“. 100 000 Brandherde wurden gezählt. Allein in Indonesien haben 500 000 Menschen Atemwegserkrankungen. In Kalimantan auf Borneo bleibt auch den Orang-Utans die Luft weg. Tierschützer fanden eine Handvoll in erbärmlichem Zustand. Wenige tausend Tiere leben dort noch wild – wie viele betroffen sind weiß niemand.

Brandrodungen gibt es jedes Jahr, aber seit mindestens 20 Jahren waren die Auswirkungen nicht so schlimm wie dieses Mal. Zwei Millionen Hektar sind abgebrannt, eine Fläche so groß wie das gesamte Bundesland Sachsen-Anhalt. Die Böden waren besonders trocken, eine Folge des alle paar Jahre auftauchenden Wetterphänomens El Niño. Dabei heizt sich das Meereswasser in bestimmten Regionen auf verändert weltweit die Niederschläge. Indonesien trifft es mit schwerer Dürre.

Wälder sind riesige Kohlenstoffspeicher

Nach dem Amazonas-Gebiet in Südamerika und dem Kongobecken in Afrika hat Indonesien die größten Regenwälder der Welt. Auf den Inseln Sumatra und Borneo sind das vor allem Torfmoorwälder. Das sind riesige Kohlenstoffspeicher. Weil Plantagenbesitzer Straßen zum Warentransport bauen und Kanäle zur Entwässerung ziehen, trocknet das erdreich aus. Die Böden können bis in mehrere Meter Tiefe brennen.

Auch für das Weltklima ist das eine Katastrophe. Guido van der Werf von der Universität Amsterdam sammelt Daten zu den Emissionen aus Waldbränden und schätzt, dass in Indonesien nur durch die Brände seit September 1,6 Milliarden Tonnen CO2 in die Atmosphäre gelangten.

An mehr als 30 Tagen sei der Ausstoß jeweils größer gewesen als das, was die gesamte US-Wirtschaft am Tag produziere, schreibt das Umweltinstitut World Resources Institute (WRI). Zum Vergleich: Deutschlands Emissionen betrugen für das gesamte Jahr 2014 etwa 900 Millionen Tonnen. Nur noch aus China, den USA, der EU und Indien ging mehr CO2 in die Luft als aus Indonesien.

„Die Regierung steckt ihren Kopf in den Sand, vermutlich, weil es genügend Leute gibt die glauben, dass die Brände und Rauschwaden akzeptable Kosten der Entwicklung sind,“ sagt Meijaard. Dabei schätzt die Regierung selbst, dass durch Gesundheitsausgaben, Krankheit und Schäden schon Kosten von mehr als 31 Milliarden Dollar entstanden sind. Herry Purnomo, Wissenschaftler am Waldforschungsinstitut CIFOR, prangert Korruption an. „Vielfach brennen die Wälder und es passiert nichts, weil großen Firmen beste politische Beziehungen haben.“

Erstmals gibt es jetzt einen Lichtblick im Desaster: Der Regen hat eingesetzt, die Zahl der Brandherde sinkt. Er wird aber noch bis Ende November dauern, ehe die Luft sauber ist. Und der Schaden ist angerichtet.

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