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Mittwoch, 26. September 2018 15° 1

Rettung

Sea-Eye-Schiff ist jetzt schutzlos

Die Regensburger Organisation Sea-Eye hat bisher 14 000 Menschen aus Seenot gerettet. Jetzt droht das Aus.
Von Michael Sperger

Der Kutter „Seefuchs“ der Regensburger Flüchtlingsinitiative „Sea Eye“ kann derzeit nicht weiter segeln. Foto: Stefan Sauer/dpa-Zentralbild/dpa
Der Kutter „Seefuchs“ der Regensburger Flüchtlingsinitiative „Sea Eye“ kann derzeit nicht weiter segeln. Foto: Stefan Sauer/dpa-Zentralbild/dpa

Regensburg.Die Rettungsaktionen der Regensburger Organisation Sea-Eye stehen auf der Kippe. Das niederländische Verkehrsministerium entzog dem Schiff „Seefuchs“ den Schutzstatus. Das heißt, das Schiff darf nicht mehr unter niederländischer Flagge segeln.

Die „Seefuchs“ wäre nun praktisch ohne Flagge unterwegs und stünde wohl nicht mehr unter dem Schutz der Niederlande. Was das bedeuten kann, zeigte sich Ende 2016: Die libysche Küstenwache beschlagnahmte ein Schiff der Organisation mit zwei Menschen an Bord. Die deutsche Besatzung blieb erstmal in Libyen festgehalten. „Solche Situationen wollen wir nicht noch mal verantworten“, sagt Gorden Isler, Pressesprecher von Sea-Eye.

Der Sea-Eye-Chef Michael Buschheuer nahm Stellung zu kritischen Facebook-Kommentaren. Video: Mittelbayerische Video

Die Gründe sind noch unklar

Eine Auskunft über die Gründe für ihr Handeln gibt es seitens der Behörden nicht. Isler vermutet einen Zusammenhang mit der neuen Regierung in Italien. Innenminister Salvini bekannte sich offen gegen die Hilfsorganisationen. Er sagte, er wolle keine Retter an den Häfen Italiens anlegen lassen.

Die Besatzung der „Seefuchs“ habe laut Isler erst aus den sozialen Netzwerken davon erfahren, dass der italienische Verkehrsminister am Flaggenstatus zweifle. Daraufhin habe die Crew Kontakt mit ihrem Flaggenstaat, den Niederlanden, aufgenommen. Die Flagge, unter der Schiffe unterwegs sind, kann frei gewählt werden. Deshalb konnten die deutschen Boote von Sea-Eye problemlos in den Niederlanden registriert werden. Das dortige Registrierungsverfahren gelte laut einem Sprecher von Sea-Eye als besonders unkompliziert.

„Wir wollen aber auf jeden Fall bald weitermachen.“

Gordon Isler, Pressesprecher See-Eye

Von den Behörden erfuhr man dann per E-Mail, dass die Niederlande sich nicht mehr für das Schiff verantwortlich fühle – obwohl Sea-Eye gültige Papiere bis 2019 vorweisen kann. „Das war nach der langen Zusammenarbeit überraschend. Wir standen immer im engen Kontakt mit den niederländischen Behörden“, sagt Isler. Die Crew der „Seefuchs“ war nach eigenen Angaben zum Zeitpunkt der Nachricht auf dem Mittelmeer vor der libyschen Küste unterwegs, um in Seenot geratene Flüchtlinge zu retten.

Sea-Eye rettete bisher Menschen in Seenot. Foto: Christian Marquardt/Seaeye
Sea-Eye rettete bisher Menschen in Seenot. Foto: Christian Marquardt/Seaeye

Sicherheit der Crew nicht mehr gegeben

„Die Crew hat die Mission abgebrochen und ist in der Nacht auf Freitag in Malta in den Hafen eingelaufen“, sagt Isler. Die Sicherheit der Besatzung sei zu dieser Zeit nicht mehr weiter gewährleistet gewesen. Sea-Eye hat seit 2016 nach eigenen Angaben 14 000 Menschen aus Seenot gerettet. Obwohl laut Sea-Eye zuletzt weitere 450 Menschen auf drei Schlauchbooten im Meer gesichtet worden sind, gibt es derzeit keine weiteren Rettungsaktionen. „Wir wollen aber auf jeden Fall bald weitermachen“, sagt Isler. Man versuche bereits, mit den Behörden die derzeitige Sachlage zu klären. Wie und wann es für Sea-Eye und das Schiff „Seefuchs“ weitergeht, konnte Isler noch nicht sagen.

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