mz_logo

Panorama
Dienstag, 19. Juni 2018 26° 3

Menschen

Servus Bayern, hei Norge!

Harald Berland wanderte vor zehn Jahren nach Norwegen aus. Die Mittelbayerische hat ihn in seiner neuen Heimat besucht.
Von Maximiliane Gross

Harald Berland und Töchterchen Annika genießen die viele gemeinsame Zeit. In Norwegen ist es selbstverständlich, dass auch der Vater Elternzeit nimmt oder schon am Nachmittag den Arbeitstag beendet. Foto: Gross
Harald Berland und Töchterchen Annika genießen die viele gemeinsame Zeit. In Norwegen ist es selbstverständlich, dass auch der Vater Elternzeit nimmt oder schon am Nachmittag den Arbeitstag beendet. Foto: Gross

Bergen.Auf was möchte ein Bayer nicht verzichten? Richtig: auf Bier. So ist es auch bei Harald Berland. Und weil Alkohol in Norwegen sehr teuer ist, braut er selbst. Weizen, Helles, Ginger Ale – es gibt fast keine Sorte, an der sich der Bayer in den vergangenen vier Jahren nicht ausprobiert hat. Der Braukessel steht im Nebenraum seines Hauses im Bergener Vorort Åsane. Dort experimentiert er regelmäßig und kreiert die unterschiedlichsten Gerstensäfte. „Wenn meine Eltern zu Besuch kommen, trinkt mein Papa nur das selbst gebraute Bier. Es muss also schmecken“, sagt Berland mit einem Schmunzeln im Gesicht.

Berland kommt ursprünglich aus Volkach, einer Weinregion in Unterfranken. Wein macht der Auswanderer allerdings nicht selbst. Der wird entweder ab und zu in Norwegen gekauft oder bei einem Heimatbesuch einfach mitgenommen. Mit Blick auf die horrenden Spirituosenpreise sagt der 34-Jährige: „In Norwegen lohnt es sich, Qualität zu kaufen. Je teurer der Wein, desto geringer ist der Preisunterschied im Vergleich zu Deutschland.“

In seiner kleinen Brauerei kreiert Harald nicht nur bayerisches Bier. Ein Video über das Brauen und sein Leben in Norwegen sehen Sie hier:

Ein Bayer in Norwegen

Harald Berland genießt es, seine Arbeitszeit flexibel einteilen zu können. So hat er schon am Nachmittag Zeit für seine beiden Töchter. Foto: Gross
Harald Berland genießt es, seine Arbeitszeit flexibel einteilen zu können. So hat er schon am Nachmittag Zeit für seine beiden Töchter. Foto: Gross

Harald Berland ist 34 Jahre alt, Familienvater, Ingenieur bei Rolls-Royce und lebt seit 2008 in der norwegischen Hafenstadt Bergen. Dass er jemals seiner Heimat Volkach den Rücken kehren würde, hätte er als Jugendlicher nie gedacht. Und dann kam doch alles anders, wie er der Mittelbayerischen bei einem Treffen in seiner Wahlheimat erzählt.

Der Schritt in ein neues Leben

Am 11. August 2008 beginnt für den damals 24-Jährigen das größte Abenteuer seines Lebens. Nach dem Studium ist es für seine Freundin, inzwischen Frau, Marita äußerst schwer, in Deutschland einen Job zu finden. In ihrer Heimat Norwegen ist der Arbeitsmarkt deutlich attraktiver. Das Paar beschließt kurzerhand, die Koffer zu packen und seinen Lebensmittelpunkt nach Bergen zu verlegen. Bereut haben die Beiden diesen Schritt nie. Und dennoch ist Berland im Herzen ein Bayer – wird es immer bleiben, wie er selbst sagt. Ein bisschen Heimatgefühl darf deswegen auch in Norwegen nicht fehlen.

Das spontane Treffen in einer Kneipe vermisst Harald in Norwegen. Foto: Berland
Das spontane Treffen in einer Kneipe vermisst Harald in Norwegen. Foto: Berland

Nach mittlerweile zehn Jahren als Wahl-Bergenser kämpft der Vater zweier Töchter nicht mehr ganz so schlimm mit seinem Heimweh wie am Anfang seines Abenteuers. In den ersten Jahren reiste der leidenschaftliche Skifahrer und Wanderer viermal im Jahr in seine Heimat Obervolkach. In Norwegen vermisst Berland vor allem die Dorfmentalität. Eine Kultur für Volksfeste oder die Tatsache, dass jeder jeden kennt und man sich spontan auf ein Bierchen in der Kneipe trifft, gibt es im Land der Fjorde nicht.

Denn die Norweger seien eher kühl, zurückhaltend und brauchen Zeit, um sich auf Fremde einzulassen. Gemeinsame Interessen erleichtern das Kontakteknüpfen. Das ist Berlands Erfahrung. Anerkennung bekäme man auch, wenn man der Sprache mächtig sei und an den eigenen Traditionen festhalte.

Am Nationalfeiertag schmeißt sich Harald in die Lederhose. Seine drei Mädels tragen traditionelle norwegische Tracht. Foto: Berland
Am Nationalfeiertag schmeißt sich Harald in die Lederhose. Seine drei Mädels tragen traditionelle norwegische Tracht. Foto: Berland

Das macht Harald Berland, der nach der Hochzeit im Sommer 2013 den Nachnamen seiner Frau annahm. Einfach, weil die Norweger seinen Namen Euler nicht oder nur schwer aussprechen konnten. Zu besonderen Anlässen, beispielsweise am 17. Mai, dem Nationalfeiertag, tragen die Norweger stolz ihre Tracht, genannt Bunad. Optisch unterscheidet diese nicht viel von der traditionellen bayerischen Tracht. Und während sich Marita und die beiden Mädels Malene (6) und Annika (3) ins traditionelle Gewand schmeißen, heißt es für den Berland rein in die Lederhose und den Trachtenjanker.

„Nur ein Busticket zu kaufen, war für mich schon eine große Herausforderung.“

Harald Berland

In Sachen Integration hat der Ingenieur alles richtig gemacht. Er lernte die Sprache, hatte durch seine Frau aber das Glück, leichter Menschen kennenzulernen, weil sie in ihrer Heimat schon Freunde hatte. Dennoch stellte die Sprache in der Anfangszeit eine Barriere da. „Nur ein Busticket zu kaufen, war für mich schon eine große Herausforderung“, erinnert sich der Bayer an die ersten Wochen und Monate.

Der 34-Jährige genießt auch in der Wohngegend der Familie Ansehen. Seit vier Jahren ist er sogar in der Vorstandschaft der Wohnrechtsgemeinschaft. Viele Menschen in seinem Umfeld wissen überhaupt nicht, dass er ursprünglich aus Deutschland kommt. So kam es, dass er einen Deutschen als Nachbarn hat, ohne dass beide bis vor Kurzem von der Herkunft des anderen wussten.

Bei seinen Töchtern legt Berland großen Wert darauf, dass sie auch seine Muttersprache lernen. Die dreijährige Annika verstehe zwar noch nicht, dass nicht jeder norwegisch spricht, ihre ältere Schwester Malene weiß das inzwischen und wechselt auch zwischen den Sprachen.

Familie steht im Mittelpunkt

In der Wohngegend der Familie gibt es für die Kinder einen Spielplatz. Autos sind auf den kleinen Sträßchen zu den Häusern verboten – zur Sicherheit der Kinder. Foto: Gross
In der Wohngegend der Familie gibt es für die Kinder einen Spielplatz. Autos sind auf den kleinen Sträßchen zu den Häusern verboten – zur Sicherheit der Kinder. Foto: Gross

Sein Job macht Berland Spaß, auch weil trotz der Vollzeitbeschäftigung genügend Zeit für die Familie bleibt. In Norwegen ist es ganz normal, dass der Vater auch Elternzeit nimmt. Bei seiner ersten Tochter ist er 14 Monate zuhause geblieben, bei der jüngeren Tochter, haben sich Berland und seine Frau die Elternzeit geteilt.

Vor zwei Jahren habe die Familie überlegt, wieder nach Deutschland zu gehen. Die Initiative ging dabei aber nicht von ihm, sondern von Marita aus. Die Überlegungen legten die Berlands allerdings wieder auf Eis, weil Norwegen für Familien „einfach ein Traumland ist“ und in Bayern einer der Beiden seinen Beruf nur eingeschränkt ausüben könnte.

„Die Norweger zwingen einen nicht in ein bestimmtes Schema. Jeder ist so, wie er eben ist.“

Harald Berland

Diese Wertschätzung der Familie ist es auch, warum sich der Ingenieur im Moment eine Rückkehr in seine Heimat nur schwer vorstellen kann. „Meine Frau und ich arbeiten beide Vollzeit und haben trotzdem viel Zeit für unsere Kinder.“

Harald verbringt mit seiner Familie viel Zeit in der Natur. Foto: Berland
Harald verbringt mit seiner Familie viel Zeit in der Natur. Foto: Berland

Im Gegenzug entschieden sich Harald und Marita dazu, eine Berghütte außerhalb von Bergen zu kaufen. Mitten in der Natur, die Berge zum Wandern oder Skifahren direkt vor der Tür – ein Rückzugsort, an dem sich die Familie an vielen Wochenenden befindet. Denn auch die Berge vermitteln Harald das Gefühl von Heimat. „Die Stadtberge sind einer der schönsten Plätze von Bergen“, schwärmt der Bayer von seinem zweiten Zuhause.

Kennen Sie sich jetzt ein bisschen mit Norwegen aus? Testen Sie hier im Quiz Ihr Wissen über das „Land der Fjorde“:

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht