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Interview

Ständig sprudelnde Ideen

Anna Lott ist Kinderbuchautorin und hat mit „Lilo von Finsterburg“ eine Heldenfigur für Mädchen und Jungen erfunden.
Von Tanja Liebmann-Décombe

Anna Lott nervt die Unterscheidung zwischen Jungs- und Mädchenbücher. „In einer guten Geschichte ist in meinen Augen nicht das Geschlecht der Hauptfigur ausschlaggebend, sondern ihr Charakter“, sagt sie. Foto: Julia Windhoff
Anna Lott nervt die Unterscheidung zwischen Jungs- und Mädchenbücher. „In einer guten Geschichte ist in meinen Augen nicht das Geschlecht der Hauptfigur ausschlaggebend, sondern ihr Charakter“, sagt sie. Foto: Julia Windhoff

Bremen.Frau Lott, vor fünf Jahren haben Sie ihr erstes Kinderbuch veröffentlicht. Kinderbuchautorin – wie wird man das?

Machen, machen, machen! Und sich vor allem nicht entmutigen lassen, wenn jemand sagt: „Das ist unmöglich, vom Schreiben kann man nicht leben.“ Das stimmt nämlich gar nicht.

Wie beginnt man mit dem Schreiben – welche Tipps haben Sie?

Wichtig ist erstmal die Idee. Wenn die dazu führt, dass man ein ganz aufgeregtes Kribbeln im Bauch hat, ist man schon auf dem richtigen Weg. Man sollte anderen von seiner Idee erzählen. Oft merkt man schon beim Erzählen, ob daraus ein guter Text werden kann – oder auch nicht. Aufmerksam zu sein, ist ebenfalls ratsam. Wer Menschen und Dinge in der Umgebung beobachtet, findet oft spannende Geschichten.

Geschichten über Luzie und Lilo

  • Autorin:

    Anna Lott ist 44 Jahre alt, hat zwei Söhne (10 und 12) und lebt in Bremen. Sie hat lange als Redakteurin bei Radio Bremen gearbeitet, dort stellt sie nach wie vor Bücher für Kinder im Radio vor. Sie absolvierte eine Ausbildung zur Drehbuchautorin und ist seit 2014 freie Autorin.

  • Bücher:

    2015 erschien „Luzies verrückte Welt“ bei dtv. Gerade arbeitet die Autorin am Drehbuch zum Film, der in ein bis zwei Jahren in die Kinos kommen soll. In der Reihe „Lilo von Finsterburg – zaubern verboten!“ (Arena) sind drei Bände erschienen, aktuell „Party auf Burg Gipfelgrusel“.

  • Lehre:

    Seit 2019 ist Anna Lott auch Lehrbeauftragte an der Universität Bremen. Sie unterrichtet dort, wie man spielerisch Geschichten entwickelt.

In der Reihe „Lilo von Finsterburg – zaubern verboten!“ (Arena) sind bereits „Der total geniale Rückwärts-Trick“ und „Plötzlich Stinktier!“ erschienen – auch als Hörbücher (Arena audio). Vor kurzem ist „Party auf Burg Gipfelgrusel“ erschienen. Foto: Arena Verlag
In der Reihe „Lilo von Finsterburg – zaubern verboten!“ (Arena) sind bereits „Der total geniale Rückwärts-Trick“ und „Plötzlich Stinktier!“ erschienen – auch als Hörbücher (Arena audio). Vor kurzem ist „Party auf Burg Gipfelgrusel“ erschienen. Foto: Arena Verlag

Haben Sie sich bereits als Kind eigene Geschichten ausgedacht?

Ja. Ich habe schon früh mit Begeisterung Bücher gelesen und sehr viel Tagebuch geschrieben. Die Ideen sprudeln bei mir ständig – in der Nacht, beim Aufwachen, wenn ich Freunde treffe oder Sport mache.

Wie sind Sie auf die Idee zu der Figur Lilo von Finsterburg gekommen?

Ich wollte von einem normalen Mädchen erzählen, das eine höchst seltsame Familie hat. Lilos Mama ist eine Hexe und ihr Vater ist ein Vampir. Außerdem gibt es da noch den Kater Fräulein Rüdiger, der glaubt, dass er eine gefährliche Hundedame ist.

Lässt sich mit Lilo etwas lernen?

Lilo hat eine heitere, zuversichtliche Grundhaltung. Diese Haltung findet man bei den meisten meiner Figuren, die ich entwickelt habe. Ich schreibe nicht, um Kindern etwas beizubringen. Aber vielleicht lernen sie mit meinen Figuren ja das: Gebt nicht auf, verliert nicht den Mut – für jedes Problem gibt es eine Lösung.

Anna Lott hat schon immer gerne Geschichten erfunden. Die Ideen kommen ihr überall, zum Beispiel beim Sport oder auch mitten in der Nacht. Foto Julia Windhoff
Anna Lott hat schon immer gerne Geschichten erfunden. Die Ideen kommen ihr überall, zum Beispiel beim Sport oder auch mitten in der Nacht. Foto Julia Windhoff

Manchmal hat man den Eindruck, dass es viel mehr gute Geschichten für Mädchen als für Jungs gibt. Kinderbücher, die sowohl Jungs als auch Mädchen interessieren, scheinen rar zu sein. Woran liegt das?

Da Mädchen mehr lesen als Jungs, findet man in den Buchhandlungen eine entsprechend größere Anzahl an Mädchenbüchern. Mich nervt diese Unterscheidung, denn in einer guten Geschichte ist in meinen Augen nicht das Geschlecht der Hauptfigur ausschlaggebend, sondern ihr Charakter.

Ist „Lilo“ ein Mädchenbuch?

Auf den ersten Blick mag das so wirken, aber ich würde es nicht als Mädchenbuch bezeichnen. Es geht um Hexerei, Skurrilitäten, eine seltsame Familie. Lilo ist in erster Linie ein Mensch, ihr Geschlecht ist für die Geschichte vollkommen unbedeutend.

Tipps für Schreiblustige

Wer nun selbst Lust bekommen hat, Geschichten zu erfinden, kann sich zum Beispiel hier Tipps holen:

  • Sylvia Englerts Wörterwerkstatt: Coole Texte schreiben & veröffentlichen – Handbuch für junge Schreibtalente. Autorenhaus Verlag, 272 Seiten, 16,95 Euro. Ab zehn Jahren.
  • Katarina Kuick/Ylva Karlsson: Schreib! Schreib! Schreib! Beltz Verlag, 144 Seiten, 14,95 Euro. Ab zwölf Jahren.
  • Louie Stowell: Meine Schreibwerkstatt – Erste Geschichten schreiben. Usborne/dtv, 96 Seiten, 9,95 Euro. Ab acht Jahren.
  • Georg Maag: Nacht, im Mondschein, lag auf einem Blatt. dtv Reihe Hanser, 240 Seiten, 8,95 Euro. Ab neun Jahren.
  • Einfache Texte schreiben – 33 spannende Schreibimpulse. SCHUBI-Programm/Westermann, 60 Seiten, 8,50 Euro. Ab neun Jahren.
  • Flex und Flora – Texte schreiben. Diesterweg/Westermann, 64 Seiten, 7,95 Euro. Je nach Ausgabe ab sieben, acht oder neun Jahren.
  • Übungshefte Anoki, Klasse 2-4: Texte schreiben. Klett, 80 Seiten, je 3,95 Euro. Je nach Ausgabe ab sieben, acht oder neun Jahren.
  • Texte schreiben – Ideen für Geschichten, herausgegeben von Erika Brinkmann. Klett, 112 Seiten, 34,25 Euro. Ab sieben Jahren.
  • Wolfgang Kramer: tiptoi create – Kreative Bildergeschichten, erschienen bei Ravensburger. 1-6 Spieler ab sechs Jahren, ca. 20 Minuten, ca. 25 Euro.
  • Im Netz: www.dtv-schreibwerkstatt.de

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