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Studium

Stipendien nicht nur für Elite-Studenten

Stipendien sind nur etwas für Überflieger? Von wegen. Auch Studenten unter einem IQ von 130 haben gute Chancen auf Förderung.
Von Ramona Rangott

Es gibt eine große Vielfalt von Stipendien – nicht nur für Einser-Studenten. Foto: dpa
Es gibt eine große Vielfalt von Stipendien – nicht nur für Einser-Studenten. Foto: dpa

Regensburg.Keine Spitzennoten und weder mehrmonatiges Auslandspraktikum noch ehrenamtliches Engagement? Nicht einmal gefestigte Kenntnisse in Arabisch, Russisch oder Chinesisch? Macht nichts. Auch normale Durchschnittsstudenten können, abseits der renommierten Begabtenförderungswerke, von einer der vielen Nischen-Stipendienstiftungen profitieren und fortan sorgenfrei zu studieren. Um das für sich passende Stipendium zu finden, empfiehlt es sich, die Dienste der Stipendien-Suchmaschinen im Internet zu nutzen, wie zum Beispiel Mystipendium, Stipendienlotse, die E-fellows Stipendiendatenbank und Stipendien-Tipps. Im Folgenden aber schon einmal eine kleine Auswahl interessanter und bisweilen kurioser Förderungsmöglichkeiten für angehende Akademiker, die nicht in das Schema des typischen Elite-Studenten passen.

1. Stipendium für Diskriminierte (Peter-Fuld-Stiftung)

Wer bekommt‘s?

Diskriminierte und vom Leben Benachteiligte. Genauer gesagt: Jährlich zwölf zielstrebig studierende junge Erwachsene aller Fachrichtungen, die, so die Peter-Fuld-Stiftung, „aufgrund ihres sozialen Umfeldes und/oder ihrer ethnischen Zugehörigkeit unter ihrer Herkunft zu leiden haben“ und deren finanzielle Situation einen erfolgreichen Studienabschluss gefährdet. Außerdem dürfen die Bewerber nicht älter als 26 Jahre sein.

Was bringt’s?

Eine viersemestrige Finanzspritze. In welcher Höhe diese erfolgen soll, gibt der Bewerber in der Finanzbedarfsberechnung im Rahmen seines Förderungsantrags an.

Wo ist der Haken?

Man muss in der Lage sein, glaubhaft zu versichern, dass man ein Opfer von Diskriminierung ist und beschreiben, in welcher Form diese Diskriminierung erfolgt. Zudem sollte man bisher gute Studienleistungen mitbringen können und bis zum Examen die Regelstudienzeit nicht um mehr als 50 Prozent überschreiten. Zusammen mit der Bewerbung muss deshalb auch ein Studienplan abgegeben werden, aus dem der angestrebte Ausbildungsverlauf des Förderwilligen ersichtlich wird. Stipendiaten verpflichten sich, ihre Anstrengungen voll in die Umsetzung dieses Plans zu stecken, weswegen es beispielsweise auch nicht erlaubt ist, einer mit über 200 Euro monatlich entlohnten Nebenbeschäftigung nachzugehen. Am Ende des Studiums ist der Stiftung ein Abschlussbericht vorzulegen.

Besonderheiten?

Neben der Förderung diskriminierter Studenten bietet die Peter-Fuld-Stiftung zudem ein Begabten- und Promotionsstipendium an, wovon 50 Prozent der Förderung als unverzinsliches Darlehen gewährt werden. Außerdem setzt sich die Stiftung für Migranten als Unternehmer ein und bietet Interessenten hierzu eine kostenfreie Businessplan-Schulung.

Wichtiges zur Bewerbung:

Neuanträge für das Jahr 2017 können ab dem 01.11.2016 gestellt werden. Genauere Informationen zum Bewerbungsablauf sind hier zu finden.

2. Förderung von bedürftigen Töchtern bayerischer Beamter (Emilie Porzersche Stiftung)

Wer bekommt‘s?

In Bayern geboren zu sein, hat eben doch seine Vorteile. Vor allem dann, wenn man Tochter eines bayerischen Beamten ist, einen einwandfreien Leumund sowie gute akademische Leistungen bei gleichzeitiger Bedürftigkeit vorweisen kann. Die Fachrichtung des Beamtentöchterleins spielt hierbei keine Rolle.

Was bringt‘s?

Drei Jahre lang jeweils 300 Euro pro Semester.

Wo ist der Haken?

Wie gesagt: Bayerisch, weiblich, bedürftig und Tochter eines Beamten – das engt den Kreis möglicher Bewerber ohnehin ein. Wem die ganze Sache ungewöhnlich vorkommt: die Stiftung gibt es schon ziemlich lange. In früheren Zeiten waren die Nöte auf diesem Sektor größer.

Besonderheiten?

Abgesehen von der Kuriosität der Bewerbervoraussetzungen eigentlich keine.

Wichtiges zur Bewerbung ...

Eine Bewerbung für das Studium ist jederzeit möglich. Also auf geht‘s, ihr Beamtentöchter!

3. Mensastipendium (Hochschulteam Deutschland)

Wer bekommt‘s?

Alle Studenten an deutschen Hochschulen, die sich bis zum 31.10.2016 auf der Website des Hochschulteams Deutschland für eines der drei kulinarischen Stipendien bewerben. Die Gewinner werden per Losverfahren Anfang November ermittelt und per E-Mail benachrichtigt.

Was bringt‘s?

Ein Semester lang für 500 Euro in der Mensa essen und trinken gehen – mit knurrendem Magen studiert es sich eben schlecht.

Wo ist der Haken?

Eine Portion Glück schadet nicht. Aus dem Pott an Bewerbern gehen am Ende schließlich lediglich drei als Gewinner hervor.

Wichtiges zur Bewerbung:

Man sollte das Essen in seiner Mensa ganz passabel finden und die Deadline für die Gewinnspiel-Anmeldung am 31.10.2016 nicht versäumen. Na dann: Guten Appetit.

4. Prüfungsangst-Stipendium (Eurocentres)

Wer bekommt‘s?

Studenten, die unter Prüfungsangst leiden, aber versuchen, sich dieser zu stellen. Fachsemester und Studiengang sind nebensächlich.

Was bringt‘s?

Einen vierwöchigen Englisch-Basiskurs in San Diego inklusive Unterkunft bei einer Gastfamilie, Halbpension, Hin- und Rückflug, Reiseversicherung sowie 500 Euro Taschengeld. Das alles zusammen im Wert von 4000 Euro.

Wo ist der Haken?

Selbstpräsentation. Künftige Stipendiaten müssen nämlich gemeinsam mit ihrer Bewerbung ein Video und/ oder einen aussagekräftigen Text einreichen, in dem sie von ihrer Prüfungsangst berichten und schildern, wie sie gelernt haben, mit diesem „Handicap“ umzugehen oder es sogar zu ihrem Vorteil zu nutzen. Um aus der Masse der Bewerbungen herauszustechen, lautet hier die Devise: Kreativ sein. Und nicht allzu nervös. Hier hat man also quasi schon mit der Bewerbung ein aktives Versagenangst-Überwindungs-Programm.

Wichtiges zur Bewerbung:

Die Bewerbungsfrist für das Jahr 2017 ist bereits abgelaufen. Interessierte sollten sich also auf der Homepage der Eurocentres auf dem Laufenden halten.

5. Franz-Marie-Christinen-Stiftung des Fürstlichen Hauses Thurn und Taxis

Wer bekommt‘s?

Gefördert werden Abschlussarbeiten von Geisteswissenschaftlern (unter anderem Dissertationen, Master- und Magister- sowie Bachelorarbeiten), die sich mit geschichtlichen und kunstgeschichtlichen Fragestellungen im Zusammenhang mit dem Haus Thurn und Taxis auseinandersetzen. Dabei ist nicht ganz unwichtig, wer diese Arbeiten verfasst. Der Bilderbuch-Stipendiat wäre demnach vorzugsweise im Freistaat geboren, von „tadellosem Lebenswandel“ und frommer Katholik. Und er sollte eine Vorliebe für Adelsgeschichte und Postgeschichte haben.

Was bringt‘s?

Höhe und Dauer der finanziellen Unterstützung liegt beim Stiftungsvorstand und sind leider nicht bekannt. Aber wer sich frisch, fromm, fröhlich, frei ans Werk macht, wird auf dem Weg zur erfolgreichen Abgabe der Abschlussarbeit bestimmt keine Probleme haben.

Wo ist der Haken?

Du musst katholisch sein. Nein, das war natürlich ein Scherz. Aber trotzdem: Auch hier ist der mögliche Bewerberkreis wieder ziemlich eingeschränkt, so dass nur wenige Studenten als mögliche Stipendiaten infrage kommen. Zudem ist auch die Themenwahl der jeweiligen Abschlussarbeit nicht gänzlich frei bestimmbar. Wer aber zufällig in die Nische „bayerischer, katholischer Geisteswissenschaftler mit Interesse für Post- und Adelsgeschichte“ passt, für den ist das sicher eine gute Sache.

Wichtiges zur Bewerbung:

Genauere Informationen zu den Ansprechpartnern der Stiftung sind hier zu finden.

Weitere Nachrichten rund um die Universität und die OTH Regensburg finden Sie hier.

Die oben genannten Stipendien sind Ihnen doch einen Tick zu exotisch? Durchstöbern Sie doch einmal die gängigen Stipendien-Suchmaschinen oder informieren Sie sich auf den Seiten des Studentenwerks Niederbayern/ Oberpfalz.

Im „Kugelschreiber“ bloggen Regensburger Studenten über den Uni-Wahnsinn.

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