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Idee

Studenten entwickeln „Denk-Getränk“

Mit ihrer Erfindung „Nijoz“ wollen die Jung-Unternehmer Florian Mack und Chris Volke aus Leipzig ihre Kommilitonen fit für die Prüfungszeit machen.
Von Louisa Knobloch, MZ

  • Die Leipziger Studenten Chris Volke (l.) und Florian Mack haben das „Denk-Getränk“ Nijoz entwickelt. Foto: privat
  • Prof. Dr. Hans Hauner vom Else Kröner-Fresenius-Zentrum für Ernährungsmedizin der TU München rät Studierenden zu einer ausgewogenen Ernährung. Foto: TU München

Leipzig.Alles begann mit einer Pflanze. 2010 brachte die Mutter von Florian Mack ihrem Sohn aus einer Gärtnerei Brahmi mit, eine essbare „Gedächtnispflanze“ aus Indien. Sie sollte dem Studenten beim Lernen helfen. „Leider war sie aber bis zu den Prüfungen schon verwelkt“, sagt Mack. Doch das Interesse an sogenanntem „Brain Food“ war geweckt. Zusammen mit seinem Kommilitonen Chris Volke machte sich Mack auf die Suche nach weiteren Pflanzen, die die Denkleistung anregen sollen.

Die beiden jungen Männer studieren an der Universität Leipzig Wirtschaftswissenschaften und machen derzeit ihren Bachelor. „Pro Semester hatten wir sieben oder acht Prüfungen – das ist wie Abitur, nur jedes halbe Jahr“, sagt Volke. Um das Pensum zu bewältigen und das Beste aus sich herauszuholen, griffen viele Studenten zu Kaffee oder Energydrinks. Solche Aufputschmittel würden vielleicht wacher machen, aber nicht produktiver, findet Volke. Puls und Blutdruck würden durch die Stimulanzien erhöht – das komplexe Denken schalte in diesem angespannten Zustand jedoch ab.

Wirksamkeit ist umstritten

Die beiden Studenten experimentierten mit verschiedenen Pflanzenstoffen und entwickelten schließlich das „Denk-Getränk“ Nijoz. Neben dem indischen Brahmi enthält es unter anderem Ginkgo, Guarana und Grüntee. Seine dunkelrote Farbe verdankt das Pulver Holunderbeersaft und Heidelbeerextrakt. Aufgelöst in Wasser oder Saft soll es Studenten „vor der Uni, in der Vorlesung oder beim Lernen“ als „natürliches Brain Food“ dienen. Auf den Zusatz von Zucker, Aromen oder Konservierungsstoffen haben die Studenten bei ihrer Mixtur verzichtet. Das angerührte Getränk riecht ein bisschen wie Medizin und hat auch einen leicht bitteren Nachgeschmack, der Holunder macht das aber erträglich. „Die Pflanzenstoffe wie Brahmi sind ziemlich bitter“, sagt Volke.

Eine wissenschaftliche Studie, die die Wirksamkeit von Nijoz belegt, gibt es bisher nicht. „Das können wir momentan finanziell noch nicht stemmen“, sagt Volke. Die Wirkung der einzelnen Inhaltsstoffe sei zwar in Studien belegt, auf diese dürften die Studenten auf ihrer Website aber nicht verweisen. Grund ist, dass das Europäische Parlament beschlossen hat, dass nur noch gesundheitsbezogene Aussagen über Lebensmittel getroffen werden dürfen, die von der Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) begutachtet und freigegeben worden sind. Das trifft aber auf Brahmi und Co. nicht zu.

Prof. Dr. Hans Hauner vom Else Kröner-Fresenius-Zentrum für Ernährungsmedizin der TU München ist skeptisch, was die Wirkung des „Denk-Getränks“ angeht. Die verwendeten Substanzen hätten zwar ein positives Image und seien in der Vergangenheit mit kognitiver Wirkungsverbesserung in Zusammenhang gebracht worden. „Anspruch und nachgewiesene Wirksamkeit stehen hier aber sicherlich in einem nicht ganz kongruenten Verhältnis“, so Hauner.

So habe eine neue Meta-Analyse zu Brahmi nur schwache Effekte gefunden und zudem eine schlechte Qualität der einzelnen Studien zu der indischen Gedächtnispflanze festgestellt. Wissenschaftlich akzeptiert seien hingegen die Effekte von Koffein, das über das Guarana in dem „Denk-Getränk“ enthalten ist. „Diese Substanz aktiviert den Sympathikus und verbessert die Durchblutung im Gehirn – das führt zu einer kurzzeitigen Verbesserung von Aufmerksamkeit und Reaktionsfähigkeit“, sagt Hauner. Von einer gemessenen Größe könne man aber nicht auf das gesamte Lernvermögen schließen. Zuviel Koffein bringe übrigens auch nichts: „Wenn man den Sympathikus überstimuliert, ist das schlecht für die Gedächtnisfunktion.“

Erster Platz bei Gründerwettbewerb

Der Ernährungsmediziner rät Studenten zu einer ausgewogenen Ernährung mit Obst und Gemüse. Zu üppige, fettreiche Mahlzeiten sollte man hingegen meiden, da diese den Magen-Darm-Trakt sehr lange beschäftigen. „Nach einem solchen Essen ist man hinterher erst einmal schlapp und nur begrenzt zu gedanklichen Höhensprüngen in der Lage.“ Morgens mit leerem Magen aus dem Haus zu gehen, sei ebenfalls keine gute Idee: „Bevor man eine Prüfung hat, sollte man ein ausgewogenes Frühstück einnehmen – zum Beispiel Müsli“, sagt Hauner. „Das gibt Energie für den Morgen, da kann man sich gut konzentrieren.“

Bei den Studierenden kommt das „Denk-Getränk“ aber scheinbar gut an: „Gerade jetzt in der Prüfungszeit stellen wir eine deutlich stärkere Nachfrage fest“, sagt Volke. Knapp 30 000 Beutel mit dem dunkelroten Pulver haben sie bereits verkauft, in Leipzig und Chemnitz ist Nijoz in den Mensen und Cafeterien der dortigen Universitäten erhältlich. Im November 2013 holten die beiden Studenten beim Leipziger Ideenwettbewerb für Existenzgründer (LIFE) mit ihrer Idee den ersten Platz.

Er überlege, nach seinem Bachelor eine kleine Auszeit zu nehmen, um sich voll auf das junge Unternehmen konzentrieren zu können, sagt Chris Volke. „Man lernt viel dazu und es macht Spaß.“ Die Gründer erschließen auch neue Zielgruppen: Neben Studenten hätten Berufstätige und Senioren Nijoz für sich entdeckt: „Unsere älteste Kundin ist 96 Jahre alt.“

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