MyMz

Außenansicht

Täuschung im Web stoppen

Fake-Bewertungen sind ein Problem. Der Verbraucherschutz will Portale zum Handeln zwingen – und gekaufte Meinungen verbieten.
Von Jürgen Stellpflug, Verbraucherschützer

Der Autor ist seit Gründung im Jahr 2005 Mitglied der Verbraucherkommission des Landes Baden-Württemberg und Chefredakteur von www.testwatch.de.
Der Autor ist seit Gründung im Jahr 2005 Mitglied der Verbraucherkommission des Landes Baden-Württemberg und Chefredakteur von www.testwatch.de.

Die Verbraucherkommission des Landes Baden-Württemberg fordert Maßnahmen gegen Verbrauchertäuschung durch gekaufte Bewertungen im Internet. Die meisten User verlassen sich auf Bewertungen anderer Kunden im Internet. Daher versuchen Shops, Hotels, Ärzte, Anwälte und Restaurants und ihre Konkurrenten, Bewertungen auf Portalen wie Yelp, Holidaycheck oder auch bei Amazon gezielt zu manipulieren. Der Bundesgerichtshof hat nun entschieden (Az.: VI ZR 495/18), dass es Bewertungsportalen erlaubt ist, verdächtige Bewertungen herauszufiltern und zu löschen. Zum Beispiel, wenn der Verdacht besteht, dass sie vom bewerteten Unternehmen selbst stammen. Oder wenn der Autor das bewertete Produkt nie gekauft, im bewerteten Hotel nie übernachtet hat.

Aus solchen Fake-Bewertungen haben windige Unternehmen längst ein Geschäft gemacht. Bei Fivestar, dem selbst ernannten Marktführer beim „Bewertungsmanagement“, können Online-Shops, Hersteller von Produkten und Anbieter von Dienstleistungen für 9,72 bis 19,40 Euro „Top-Bewertungen, perfekt zugeschnitten auf ihr Unternehmen“ bekommen. Welches Ausmaß das Fake-Unwesen inzwischen hat, lässt sich erahnen, wenn man weiß, dass das Reiseportal Tripadvisor allein 2018 rund 1,4 Millionen verdächtige Bewertungen gelöscht hat.

Verbraucherinnen und Verbraucher haben keine Chance, Fake-Bewertungen zu erkennen. Daher müssen sich Maßnahmen zur Verhinderung von Verbrauchertäuschung gegen die anderen Beteiligten richten, so die Verbraucherkommission des Landes Baden-Württemberg. Sie ist der Meinung, dass es nicht ausreicht, Bewertungsportalen und Shopbetreibern wie Amazon zu erlauben, Bewertungen zu filtern und zu löschen. Die Kommission will sie dazu verpflichten, Maßnahmen gegen die Täuschung zu ergreifen. Eine Möglichkeit wäre, dass sie nur noch Bewertungen von verifizierten Käufern veröffentlichen dürfen. Außerdem soll verboten werden, Bewertungen zu kaufen und gekaufte Bewertungen zu veröffentlichen oder veröffentlichen zu lassen sowie gegen Entgelt oder andere Zuwendungen Fake-Bewertungen zu verfassen. Und Firmen wie Fivestar soll untersagt werden, solche Bewertungen anzubieten und zu verkaufen.

Die Außenansicht gibt die subjektive Meinung des Autors wieder und nicht unbedingt die der Redaktion.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht