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Interview

Teenieschwarm Jason Priestley ist zurück

Der Star aus der Kult-Serie „Beverly Hills, 90210“ kommt heute mit einer neuen Serie: „Private Eyes“.
Von Marco Schmidt

Jason Priestley, der Star aus der 90er Jahre Serie „Beverly Hills, 90210“ ist ab heute in einer neuen Serie zu sehen. Foto: dpa - Tracey Nearmy
Jason Priestley, der Star aus der 90er Jahre Serie „Beverly Hills, 90210“ ist ab heute in einer neuen Serie zu sehen. Foto: dpa - Tracey Nearmy

München.In den 90er-Jahren hing sein Poster in unzähligen Kinderzimmern: Als Hauptdarsteller der erfolgreichen US-Fernsehserie „Beverly Hills, 90210“ – er spielte Branon Walsh – wurde Jason Priestley zum Weltstar – und ließ Millionen Mädchenherzen höherschlagen. Nun kam der smarte Kanadier nach München, um seine neue TV-Serie „Private Eyes“ zu präsentieren, die ab 16. Juli auf 13th Street zu sehen ist. Darin spielt er einen ehemaligen Eishockeyprofi, der zusammen mit einer toughen Privatdetektivin Kriminalfälle löst. Zu unserem Vier-Augen-Gespräch im Hotel Bayerischer Hof erscheint der 48-Jährige mit Vollbart und elegantem Anzug. Er wirkt kleiner als erwartet, kaum größer als 1,70 Meter. Nach einer kurzen Aufwärmphase antwortet er erstaunlich ehrlich und offenherzig.

Mr. Priestley, Sie spielen in „Private Eyes“ nicht nur die Hauptrolle, sondern haben die Serie auch produziert. Was hat Sie daran gereizt?

Ich habe festgestellt, dass es im aktuellen Angebot der Fernsehsender eine Lücke gab: Es fehlte eine klassische Detektivserie nach dem Vorbild von „Das Model und der Schnüffler“ oder „Remington Steele“. Dieses Genre wollten wir wiederbeleben. Denn ich glaube, das Publikum liebt es, wenn sympathische Figuren sich kabbeln und nebenbei pro Folge einen verzwickten Fall lösen.

Jason Priestley, der Star aus der 90er Jahre Serie „Beverly Hills, 90210“ ist ab heute in einer neuen Serie zu sehen. Foto: dpa - Tracey Nearmy
Jason Priestley, der Star aus der 90er Jahre Serie „Beverly Hills, 90210“ ist ab heute in einer neuen Serie zu sehen. Foto: dpa - Tracey Nearmy

Glauben Sie, dass Sie selbst auch das Zeug zu einem guten Detektiv hätten?

Nun ja, meine schauspielerischen Fähigkeiten wären in dem Beruf sicher nicht hinderlich, und das eine oder andere Wissen könnte ich mir bestimmt aneignen, zum Beispiel, was die Recherche am Computer betrifft. Aber ich fürchte, ich hätte die nötige Geduld nicht. Denn das Leben eines Privatdetektivs ist in Wirklichkeit viel weniger glamourös und sexy als in unserer Serie. Am ehesten kann man es vielleicht mit dem Leben eines Matrosen vergleichen: Der Ermittler-Alltag besteht aus schier endlosen Tagen zermürbender Langeweile mit gelegentlichen Momenten nackter Angst. Echte Detektive fahren nicht wie in „Private Eyes“ mit einem 1969er Porsche 911 herum und essen auch nicht in feinen Restaurants. Vielmehr verbringen sie Stunde um Stunde sitzend und wartend mit ihrem Fernglas in schäbigen Autos und stopfen Fast-Food-Fraß in sich hinein. Diese stupide Warterei würde mich fertigmachen.

Ihre Serienfigur Matt Shade war ursprünglich ein erfolgreicher Eishockeyprofi. Wie sehen Ihre persönlichen Erfahrungen mit diesem Sport aus?

Wie fast jeder, der in Kanada geboren und aufgewachsen ist, habe auch ich als Jugendlicher Eishockey gespielt – und zwar so lange, bis ich erkannte, dass meine Ambitionen meine Fähigkeiten bei Weitem überstiegen. Ich war zwar nie ein Topspieler wie Matt Shade, habe aber durchaus auf respektablem Niveau agiert.

Zur Person

  • Kindheit:

    Jason Bradford Priestley wurde am 28. August 1969 in Vancouver in Kanada geboren und wuchs mit seiner Zwillingsschwester Justine Priestley dort auf. Schon früh sammelte er in Fernsehserien, Werbespots und als Model Erfahrungen vor der Kamera und entdeckte in der High School die Leidenschaft für die Schauspielerei auf der Theaterbühne. In den 1980er Jahren war er in einzelnen Episoden der Serien „21 Jump Street“, „Airwolf“ und „MacGyver“ zu sehen, weltberühmt wurde er in den 1990er Jahren mit seiner Rolle als Brandon Walsh in der Fernsehserie „Beverly Hills, 90210“.

  • Karriere:

    Nach seinem Ausstieg aus der Serie wirkte Priestley bei mehreren Fernseh- und Kinofilmen als Schauspieler, Regisseur oder Produzent mit. Der große Durchbruch auf der Kinoleinwand gelang ihm bisher allerdings nicht.

  • Privatleben:

    Am 2. Februar 1999 heiratete Priestley die Schauspielerin Ashlee Petersen. Die Ehe wurde jedoch ein Jahr später am 2. Januar 2000 schon wieder geschieden. Seit 2005 ist er mit der Maskenbildnerin Naomi Lowde verheiratet. Das Paar hat eine Tochter (* 2007) und einen Sohn (* 2009). Seit 2007 besitzt Jason Priestley auch die US-amerikanische Staatsbürgerschaft.

  • Neue Serie:

    Als Ex-Eishockey-Profi Matt Shade macht sich Jason Priestley in der neuen Serie „Private Eyes“ mit Cindy Sampson auf die Jagd nach Verbrechern (Start 16. Juli, Privatsender 13th Street).

Ähnlich wie Sie wird Matt Shade bereits in jungen Jahren sehr berühmt und zu einem Teenie-Idol. Um damit umzugehen, gibt sein Vater ihm einen Verhaltenskodex an die Hand – eine Liste mit zehn Regeln, in denen es unter anderem heißt: „Keine Jachten!“ Haben Sie von Ihren Eltern etwas Vergleichbares bekommen?

Leider nein. Aber diese Gemeinsamkeit war einer der Gründe, weshalb ich mich meiner Serienfigur sehr verbunden fühlte: Auch ich wurde früh mit Ruhm konfrontiert und musste lernen, mit geradezu absurder Anhimmelung durch Fans klarzukommen.

Ihre Kollegen Dustin Hoffman und Woody Harrelson haben rundheraus erklärt, der Ruhm würde jeden Menschen fast zwangsläufig verderben. Gab es auch in Ihrem Leben Momente, in denen Sie dachten: „Verdammt! Ich wollte nie einer von diesen arroganten Mistkerlen werden – aber jetzt bin ich auch so einer!“?

Pfff... (lacht, druckst herum, überlegt lange) Momente, ja. Es gab tatsächlich Momente, in denen ich mich selbst beobachtete und erkannte, dass ich anfing, mich in einer bestimmten Weise zu verhalten. Dann sagte ich zu mir: „Nein, nein, nein! Das werde ich nicht tun! Ich werde nicht zu so einem Kerl mutieren! Das will ich nicht!“ Denn ich ahnte, wie gefährlich es ist, sich von der Strömung aus Schmeichelei und Vergötterung mitreißen zu lassen.

Sie haben damals ein Dutzend schicker Autos besessen...

Ja, zwölf Schlitten und nur einen Hintern. Ich weiß, was Sie meinen.

Seinen Durchbruch feierte Jason Priestley (Mitte) in der Rolle des Brandon in „Beverly Hills, 90210“ unter anderem an der Seite von Tori Spelling (3.v.r.) und Brian Austin Green (2.v.r.). Foto: Worldvision Enterprises Inc2
Seinen Durchbruch feierte Jason Priestley (Mitte) in der Rolle des Brandon in „Beverly Hills, 90210“ unter anderem an der Seite von Tori Spelling (3.v.r.) und Brian Austin Green (2.v.r.). Foto: Worldvision Enterprises Inc2

Wie ist es Ihnen da gelungen, sich nicht von der Strömung mitreißen zu lassen?

Ich denke... Ich denke, es ist sehr wichtig, dass du die Chancen zu schätzen weißt, die man dir gegeben hat, und dass du dir gleichzeitig klarmachst, dass alles, was du hast, sehr schnell wieder verschwinden kann. Du solltest also stets versuchen, dankbar, bescheiden und fleißig zu sein. Nur so bleibst du einigermaßen normal und verlässlich – und sorgst dafür, dass du nicht abhebst.

Matt Shade fällt nach dem Ende seiner steilen Sportlerkarriere in ein tiefes Loch und muss sich eine neue Herausforderung suchen. Wie ist es Ihnen ergangen, als Sie nach neun Jahren riesigen Erfolges plötzlich aus „Beverly Hills, 90210“ ausgestiegen sind?

Ähnlich. Deshalb kann ich mich sehr gut mit Matt identifizieren. Mein Ausstieg aus „Beverly Hills, 90210“ hinterließ bei mir einen schalen Nachgeschmack: Als ich ging, gab es nicht einmal eine Abschiedsparty für mich. Ich hatte das Gefühl, neun Jahre meines Lebens vergeudet zu haben. Wissen Sie, wenn sich die Welt um Sie herum plötzlich nicht mehr rasend schnell bewegt, wenn Ihr Erfolgszug von einem Moment auf den anderen stoppt, dann verlieren Sie erst einmal völlig die Orientierung. Es dauert eine Weile, bis Sie Ihren Halt wiederfinden.

Was hat Ihnen neuen Halt gegeben?

Ich habe mich in die Arbeit gestürzt: Um meine Inspiration wiederzugewinnen, bin ich zu meinen Wurzeln zurückgekehrt – zum Theater. Ich stand monatelang in einem preisgekrönten Stück an der Seite von Edie Falco in London auf der Bühne.

In welchem Theaterstück?

„Side Man“ von Warren Leight.

Ah! Das habe ich mal in New York mit Christian Slater gesehen. Ein fabelhaftes Stück: interessante Geschichte, großartige Figurenzeichnung, brillante Dialoge. Das war bestimmt eine Offenbarung für Sie nach neun Jahren Soap-Routine...

Das kann man wohl sagen! Diese Monate in London haben mir die Motivation für meinen Job zurückgegeben. Mir wurde wieder bewusst, dass das Theater meine erste Liebe war – der Grund, weshalb ich überhaupt Schauspieler geworden bin.

Wann und wie haben Sie denn diese Liebe entwickelt?

Während meiner Schulzeit. An meiner High School gab es eine unglaublich tolle Theatergruppe, für die extra ein ultramodernes Theater gebaut worden war. Dort habe ich meine ersten Bühnenerfahrungen gesammelt. Heutzutage versuche ich, wenigstens alle paar Jahre auf irgendeiner Bühne zu stehen.

Was meinen Sie, was aus Ihnen geworden wäre, wenn es mit der Schauspielkarriere nicht geklappt hätte?

Keine Ahnung. Für mich gab es nie einen Plan B. Ich habe immer an meine Fähigkeiten geglaubt – und wusste irgendwie, dass das der Weg war, dem ich folgen musste.

Nach „Beverly Hills, 90210“ haben Sie auch diverse Kinofilme gedreht, die aber leider alle gefloppt sind. Wurmt es Sie, dass Ihnen der große Durchbruch auf der Kinoleinwand bisher verwehrt geblieben ist?

Nein, ich bin sehr glücklich in der TV-Welt. Das Fernsehen war stets gut zu mir. Ich finde sogar, dass es mir inzwischen bessere Möglichkeiten bietet als das Kino. Denn im Kinobereich werden heute nur noch superteure 250-Millionen-Dollar-Franchise-Produkte oder superbillige 2,5-Millionen-Dollar-Independent-Filme gedreht. Dazwischen gibt es nichts. Die interessanteren Sachen passieren im TV.

Seit vielen Jahren konnten Sie sich als Regisseur ein zweites Standbein aufbauen: Bei mehr als 70 Fernsehfilmen und Serienfolgen haben Sie Regie geführt. Wie kam es dazu?

Erste Ambitionen in diese Richtung habe ich in meiner Jugend entwickelt: Schon in meiner High School durfte ich Theaterstücke inszenieren. Und während meiner Zeit bei „Beverly Hills, 90210“ habe ich mir ziemlich früh Gedanken über meine Zukunft gemacht, obwohl die Serie so ein Riesenhit war: Ich wusste, dass dieser Erfolg nicht ewig dauern würde. Deshalb wollte ich mir einfach verschiedene Karrierewege offenhalten. Und ich kann Ihnen sagen, dass ich heute heilfroh darüber bin. Irgendwie habe ich damals unseren Produzenten Aaron Spelling dazu überredet, mir die Regie einer Episode der dritten Staffel von „Beverly Hills, 90210“ anzuvertrauen. Keine Ahnung, was er sich dabei gedacht hat – schließlich war ich nichts weiter als ein 23-jähriger Grünschnabel. Letztlich habe ich dann im Laufe der Jahre sogar 15 Folgen der Serie inszeniert.

Wer hätte gedacht, dass der gute alte Brian mal eine so heiße Braut zum Altar führt? Aber er konnte schon immer verdammt gut mit Frauen. Im Nachhinein denke ich, wir hätten unseren Star-Status auch viel besser ausnutzen sollen.

Jason Priestley

Haben Sie heute noch Kontakt zu Ihren einstigen Serienkollegen?

Sagen wir so: Die meisten von ihnen habe ich jetzt schon eine ganze Weile nicht mehr gesehen. Doch mit Luke Perry stehe ich in regelmäßigem Austausch – wir treffen uns etwa ein, zwei Mal im Jahr.

Nachdem es ja so viele Serien-Revivals gibt: Denken Sie, wir werden eines Tages von Ihnen eine Art „Brendon 2.0“ sehen?

Wie heißt es so schön? Sag niemals nie! Aber ich weiß noch nicht einmal, wer seit dem Tod von Aaron Spelling überhaupt die Rechte an der Serie besitzt. Außerdem dürfte es schwer werden, die alte Truppe wieder zusammenzubekommen, weil wir alle ziemlich beschäftigt sind: Ich arbeite an „Private Eyes“, Luke arbeitet an „Riverdale“, und ich bin sicher, Ian Ziering dreht gerade wieder einen neuen „Sharknado“ (lacht)!

Und Brian Austin Green ist mit Megan Fox beschäftigt...

Ja, wer hätte gedacht, dass der gute alte Brian mal eine so heiße Braut zum Altar führt? Aber ich sage Ihnen: Er konnte schon immer verdammt gut mit Frauen. Er war auch einer der wenigen von uns, die es zu Zeiten von „Beverly Hills, 90210“ richtig krachen ließen. Luke hatte beispielsweise schon geheiratet, und auch ich war damals fest liiert. Im Nachhinein denke ich, wir hätten unseren Star-Status viel besser ausnutzen sollen (lacht).

Damals haben Sie den attraktiven Sohn verkörpert, nun geben Sie in „Private Eyes“ den hingebungsvollen Vater. Ist Ihnen der Rollenwechsel leichtgefallen?

Ja, das ist doch der natürliche Lauf der Dinge. Ich finde, man sollte von Glück reden, wenn man es schafft, im Haifischbecken des Showbiz so lange zu überleben, dass man diesen Rollenwechsel mitmachen kann. Und ich hoffe, dass ich zumindest noch so lange im Geschäft sein werde, um eines Tages Opa-Rollen spielen zu können

Jason Priestley ist verheiratet mit  Naomi Lowde-Priestley und hat zwei Kinder, Sohn Dashiell und Tochter Ava. Foto: dpa - Nina Prommer
Jason Priestley ist verheiratet mit Naomi Lowde-Priestley und hat zwei Kinder, Sohn Dashiell und Tochter Ava. Foto: dpa - Nina Prommer

Haben Sie noch andere Träume?

Ja, und sie drehen sich fast alle um meine beiden Kinder: Meine zehnjährige Tochter und mein achtjähriger Sohn sind jetzt die treibende Kraft in meinem Leben. Ich träume davon, sie an alle möglichen Orte mitzunehmen und ihnen ganz viel zu zeigen – Sachen, die ich selbst kenne oder die ich gemeinsam mit ihnen kennenlernen möchte.

Zeigen Sie ihnen auch die Früchte Ihrer Arbeit?

Ja, manche; für andere sind sie allerdings noch zu klein. Meine Tochter schaut gern „Private Eyes“ mit mir. Und sie findet die Aussicht faszinierend, bald „Beverly Hills, 90210“ kennenzulernen. Aus irgendeinem Grund möchte sie die Serie auch zusammen mit mir ansehen. Aber ich würde diesen Flaschengeist am liebsten so lange wie möglich unter Verschluss halten.

Glauben Sie, Ihre Tochter könnte es peinlich finden?

Ja, davor habe ich schon Schiss. Ich fürchte, ich werde ihr eine Menge erklären müssen (lacht)!

Der Text ist eine Leseprobe aus der Sonntagszeitung, die die Mittelbayerische exklusiv für ePaper-Kunden auf den Markt gebracht hat. Ein Angebot für ein Testabo der Sonntagszeitung finden Sie in unserem Aboshop.

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