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Tiere

Thailands Elefanten im Angriffsmodus

In der Paarungszeit sind Elefanten aggressiv. Im Khao Yai-Nationalpark in Thailand haben vier junge Bullen Autos attackiert.
Von Cod Satrusayang, dpa und Wolfgang Ziegler, MZ

  • In den vergangenen Wochen haben mindestens vier junge Bullen im Khao Yai-Nationalpark Autos attackiert. Foto: Ziegler
  • Touristen müssen in der Paarungszeit besonders vorsichtig mit den Elefanten umgehen. Foto: Ziegler
  • Im Khao Yai-Nationalpark nordöstlich von Bangkok leben etwa 300 wilde Elefanten.Foto: Ziegler

Bangkok.„Das Wichtigste ist, ruhig zu bleiben“: Leicht gesagt, wenn ein zwei Tonnen schwerer, wütender Elefant auf das Auto zustürmt. Da würde wohl den meisten Menschen etwas mulmig zumute. Doch Kanchit Srinapwan, Chef des Khao Yai-Nationalparks in Zentral-Thailand, spricht aus Erfahrung. In dem ältesten Nationalpark des Landes etwa 150 Kilometer nordöstlich von Bangkok leben etwa 300 wilde Elefanten.

In den vergangenen Wochen haben mindestens vier junge Bullen in Khao Yai Autos attackiert. Es ist nämlich gerade Paarungszeit, und da sind die Bullen besonders aggressiv – und lüstern. Einer der Elefanten soll sogar versucht haben, Fahrzeuge zu besteigen. Nach der missglückten Aktion war der Jungbulle frustriert und das leidtragende Auto ziemlich mitgenommen.

Für Kanchit und seine Mitarbeiter sind die liebeswütigen Elefanten jedes Jahr aufs Neue eine Herausforderung. Die Paarungszeit falle mit der bei Touristen und Ausflüglern besonders beliebten kühlen Jahreszeit in Thailand zusammen, erklärt er. „Und just zu dieser Zeit werden junge Elefantenbullen aus ihrer Herde ausgestoßen und viele von ihnen sind deshalb aggressiver.“ Die Tiere müssten die Herde verlassen, damit sie sich nicht mit Familienmitgliedern paaren.

Parkbehörden fehlt es an Geld

Probleme gebe es vor allem, wenn Besucher die Park-Regeln nicht befolgen, sagt Kanchit. So sei es nicht erlaubt, anzuhalten und Fotos zu schießen oder die Elefanten anzuhupen. Das mache die Tiere wütend. Und gerade in der Paarungszeit verteidigen Elefanten ihr Gebiet besonders entschlossen. Aggressive Dickhäuter hätten sogar schon Touristen getötet, sagt Edwin Wiek von der Stiftung „Wildlife Friends Thailand“.

Für ihn sind mangelnde Information und die Durchsetzung der Verhaltensregeln die Hauptursachen für die Elefanten-Attacken. Touristen in den Nationalparks würden ungenügend darüber informiert, wie sie sich wilden Tieren gegenüber verhalten müssten. Und zudem fehle es den Parkbehörden an Geld, um ihre Vorschriften durchzusetzen und Mensch und Tier voneinander fernzuhalten. „Und die Leute respektieren die Gesetze nicht“, sagt er.

Vor vier Monaten wurde in einem anderen Park ein Elefant von einem Auto angefahren und getötet. Der Fahrer hatte sich nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzung gehalten. Der Fall löste in Thailand eine Debatte darüber aus, wie Tiere besser geschützt werden können. Ein sensibles Thema, denn in dem südostasiatischen Land werden Elefanten seit Jahrhunderten verehrt und sind Nationaltier. Für das Königshaus etwa war der Elefant einst ein Statussymbol – jeder Monarch ließ Buch darüber führen, wie viele Dickhäuter er besaß. Elefanten wurden auch als Arbeitstiere eingesetzt – in religiösen Zeremonien und im Krieg.

Tierschützer Wiek hat eine einfache Lösung für das Problem der Elefanten-Aggression parat: Autofahrer sollten aufhören, die Abkürzung durch den Nationalpark zu nehmen. „Es sind nur 25 oder 30 Kilometer mehr, wenn man um Khao Yai herumfährt. Und die Tiere wären besser geschützt.“

Der älteste Nationalpark Thailands

Der Khao Yai-Nationalpark war der erste seiner Art in Thailand – er wurde bereits im September 1962 eröffnet. Seit dem 14. Juli 2005 steht der „Waldkomplex der Dong-Phaya-Yen-Bergkette mit dem Khao-Yai-Nationalpark“ auf der Liste des Weltkultur- und Naturerbes der Unesco. Er liegt in den Provinzen Nakhon Ratchasima (Khorat), Saraburi, Prachin Buri und Nakhon Nayok und ist mit einer Gesamtfläche von rund 2172 Quadratkilometer der drittgrößte Park des Landes. Die höchsten Erhebungen sind der Khao Rom mit 1351 Metern, der Khao Lam mit 1326 Metern und der Khao Keaw mit 1292 Metern.

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