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Tolle „Schnapsideen“ aus der Oberpfalz

Für berauschenden Erfolg auf dem Markt braucht es Initiative und Beharrlichkeit. Wir stellen vier Getränke-Trendsetter vor.
Von Bastian Schmidt

Stefanie Hochstetter und Marcel Wegner aus der Gemeinde Schorndorf bei Roding kreierten den „Oberpfalzer“. Foto: Der Oberpfalzer
Stefanie Hochstetter und Marcel Wegner aus der Gemeinde Schorndorf bei Roding kreierten den „Oberpfalzer“. Foto: Der Oberpfalzer

Regensburg.„Komm, wir machen ’ne Bar auf“, ist vermutlich einer der am häufigsten verwendeten und schlussendlich dann (vielleicht zum Glück) eher selten in die Tat umgesetzten Sätze, wenn es darum geht, wie sich potenzielle junge Unternehmer ihre Zukunft vorstellen. Häufig hat das dabei konsumierte Getränk einen großen Anteil daran, wie energisch der Idee anschließend nachgegangen wird. Was aber, wenn das Getränk den eigentlichen Kern der Idee darstellt? Vier Beispiele aus der Region zeigen, wie mit viel Eigeninitiative, Geduld und Beharrlichkeit aus einer guten Idee ein gutes Produkt entstehen kann.

Der Oberpfalzer – ein Botschafter der Region

Eine ganz besondere Idee hatten Stefanie Hochstetter und Marcel Wegner aus der Gemeinde Schorndorf bei Roding. Dem 37-jährigen Diplom-Betriebswirt und der 28-jährigen gelernten Arzthelferin war auf den vielen Festen und Feiern in der Region aufgefallen, dass die Menschen zwar regional essen und gerne regionales Bier trinken, ein solch regionaler Bezug bei stärkeren Spirituosen aber häufig fehlt. „Die Oberpfalz ist eine stolze Region, die Bewohner leben ihre lange Tradition und haben eine sehr enge Bindung zu ihrer Heimat. Nur bei den Spirituosen müssen die Menschen auf Produkte internationaler Großkonzerne zurückgreifen. Ouzo und Ramazzotti findet man überall, aber es gibt keine Alternative aus der eignen Heimat. Wir haben beschlossen, genau da anzusetzen“, erklärt Marcel Wegner den Entschluss, einen eigenen Kräuterlikör aus der Region für die Region zu kreieren. Die Idee des Oberpfalzers war geboren. Gemeinsam mit der Spezialitäten-Brennerei Liebl aus Bad Kötzting entwickelte das Paar einen Kräuterlikör mit 30 Volumenprozenten, der von den Inhaltsstoffen bis zur Aufmachung der Flasche ein Abbild der Oberpfalz ist und die Lücke zwischen den herkömmlich konsumierten Schnäpsen und den vorhandenen hochpreisigen Bränden aus der Region schließt.

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Vier Monate wurde an der Rezeptur getüftelt, bevor der fruchtige Kräuterlikör aus Anis, Kamille, Zitrone, Nelke, Enzian und Zimt marktreif war und Mitte 2016 die ersten Flaschen des eigenen Likörs produziert werden konnten. Seither steckt das junge Paar einen Großteil der eigenen Freizeit in das Herzensprojekt, wovon auch der Freundeskreis nicht verschont bleibt. „Wir machen alles selber, vom Marketing über die Tischaufsteller für Wirtshäuser bis zum Bekleben der Pappverpackungen mit unserem eigenen Logo und Schriftzug. Das ist viel Arbeit und kostet Zeit. Dafür laden wir dann unsere Freunde zu lustigen Bastelnachmittagen an unseren Küchentisch ein“, so Stefanie Hochstetter. Natürlich trägt sich das kleine Unternehmen nach weniger als einem Jahr noch nicht selbst, aber das war auch gar nicht die Intention des innovativen Paars. „Wir leben nicht vom Oberpfalzer und möchten daher langsam und gesund wachsen. Unser Ziel ist es, dass die Menschen an den Oberpfalzer denken, wenn sie zum Beispiel etwas Echtes, etwas Originales aus der Oberpfalz verschenken oder ein Andenken von einem Urlaub in der Region mit zu sich nach Hause nehmen möchten“, führt Marcel Wegner den Grundgedanken der Firmengründung weiter. „Der Oberpfalzer soll ein Botschafter der Oberpfalz werden.“ Und da sind die beiden Schorndorfer auf einem ausgezeichneten Weg, der auch vor Ort tatkräftig unterstützt wird. So überreicht Schorndorfs Bürgermeister Max Schmaderer bei offiziellen Anlässen mittlerweile gerne anstatt eines guten Weins eine Flasche des Oberpfälzer Kräuterlikörs mit der Zimtnote an seine Gäste.Fotos: Bastian Schmidt

Minuspol – der eiskalte Likörgenuss

Ein ausgesprochen lustiger Gedanke liegt der „Schnapsidee“ von Philipp Hockenberger (im Bild links) und Philipp Maier (rechts) aus Regensburg zugrunde. Die beiden ehemaligen Studenten der OTH Regensburg sind die Erfinder von Minuspol, einem Likör mit 25 Volumenprozenten, der dem Trend folgt, Wodka mit Eisbonbons zu mischen. Als Vorstände der Unabhängigen Studentenorganisation (USO) waren sie bereits im Jahr 2011 regelmäßig an der Organisation von Studentenpartys beteiligt und mischten fleißig Alkohol und Bonbons. Die Mischung kann sowohl als Stamperl getrunken werden als auch als Grundlage für Cocktails dienen. „Das ist damals auf den Feiern sehr gut angekommen“, erinnert sich Philipp Maier heute. Die Nachfrage war so gut, dass sie das Getränk irgendwann bei den Getränkehändlern der Region anfragten. Als ihnen aber keiner eine entsprechende Alternative zur händischen Mischung der Spirituose mit den bekannten blauen Bonbons anbieten konnten, stellten sie eigene Recherchen an und stießen seinerzeit lediglich auf ein vorhandenes Alternativprodukt auf Mentholbasis. Dieses war allerdings so intensiv im Geschmack, dass es sich nicht als Basis für andere Getränke eignete. „Wir wollten etwas, was für sich alleine gut schmeckt, aber eben auch als Grundlage für Cocktailvariationen oder Longdrinks dienen kann“, so Maier. Also entschieden sich die beiden Studenten, ihr Glück selbst in die Hand zu nehmen und ihren eigenen eisblauen Likör zu entwickeln.

 Philipp Hockenberger (links) und Philipp Maier aus Regensburg hatten eine süffige Schnapsidee. Foto: Minuspol
Philipp Hockenberger (links) und Philipp Maier aus Regensburg hatten eine süffige Schnapsidee. Foto: Minuspol

Vier Jahre und unzählige Proberunden später konnten sie ihren Freunden 2015 dann 30 verschiedene Rezepturen zur Verkostung präsentieren, von denen zehn für gut befunden wurden. Eine Verkostung unter 2000 Studenten der bekannten Regensburger Kneipenrallye brachte dann einen klaren Favoriten hervor, den heutigen Minuspol. Als praktischer Nebeneffekt dieser Entwicklung diente die Studentenbefragung zusätzlich als Grundlage für Philipp Hockenbergers Bachelorarbeit. Um sich aber schlussendlich im umkämpften Getränkemarkt durchsetzen zu können, erdachten sich die beiden Jungunternehmer zu ihrem besonderen Likör auch noch eine besondere Marketingstrategie. Neben Yetis, die in der Regensburger Innenstadt Eisbonbons an Passanten verteilten, machten sie die Geschichte eines Familienrezeptes von einem ihrer Ur-Ur-Ur-Ur-Urgroßväter bekannt, der bei einer Antarktisexpedition auf die Polarfrucht gestoßen war. Diese sagenumwobene Frucht macht bei Verzehr selbst aus Pinguinen „einfach coole Typen“ und ist der Geschichte nach die Grundlage von Minuspol.

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Und der Plan geht auf. Zahlreiche Bars und Kneipen in und um Regensburg und bis nach München haben den eiskalten Erfrischungslikör mittlerweile auf der Karte. Wurde im ersten halben Jahr jeder Produktionsschritt von den beiden Philipps noch in Eigenregie übernommen, werden mittlerweile drei Flaschengrößen von 0,2 über 0,5 bis 0,7 Liter maschinell gefertigt. „Wir stehen zwar noch am Anfang unseres Weges, aber Minuspol trägt sich mittlerweile selbst und wir haben beide noch unsere normalen Jobs“, erklärt Maier die heutige Struktur. Das erklärte Ziel der beiden ist es allerdings, in einigen Jahren ausschließlich von ihrer Eigenkreation leben zu können. Und ein Ende der Reise ist auch dann nicht absehbar. „Wir haben schon jetzt weitere Ideen in der Schublade. Wir werden Schritt für Schritt weitermachen und sehen, wohin uns der Minuspol führt.“ Foto: Minuspol

Metalnade – die Radleralternative

Ebenfalls ein eigenes Getränk auf den Markt gebracht haben die beiden Freunde Albert Stigler (im Bild rechts) aus Parsberg und Christian Solleder (links) aus Duggendorf. Ihre Metalnade ist eine Mischung aus Met und Zitronenlimonade und somit eine Radleralternative auf Honigweinbasis mit einem Alkoholgehalt von 2,2 Volumenprozenten.

Die Freunde Albert Stigler (rechts) aus Parsberg und Christian Solleder aus Duggendorf haben ein eigenes Getränk auf den Markt gebracht. Foto: NEN6918 von Nena.pictures/Metalnade/Verena Zanker
Die Freunde Albert Stigler (rechts) aus Parsberg und Christian Solleder aus Duggendorf haben ein eigenes Getränk auf den Markt gebracht. Foto: NEN6918 von Nena.pictures/Metalnade/Verena Zanker

Vor einem Jahr wagten sie sich nach langer Vorbereitungsphase auf dem Parsberger Humpen Bumpen Festival erstmals mit der Metalnade in die Öffentlichkeit. „Gerade auf Metalfestivals oder Mittelalterfesten ist Met ja besonders bekannt und wird viel getrunken, deshalb haben wir uns zuerst hier präsentiert. Wir wollen den Honigwein mit unserer Variante aber für jedermann zugänglicher und vor allem auch bekannter machen“, erklärt Christian Solleder ihre Vision. Besonders wichtig ist den beiden Firmengründern dabei, dass die beiden Hauptkomponenten ihres alkoholhaltigen Erfrischungsgetränks, dessen Name sich übrigens aus „Met“ und „Limonade“ zusammensetzt, deutlich erkennbar bleiben. „Gerade weil ja sowohl Met als auch Zitronenlimonade sehr süß sein können, wollten wir eine Mischung, die nicht zu süß ist und bei der beide Komponenten beim Genuss im Mund klar unterscheidbar sind und nicht irgendein nicht identifizierbares Gemisch ergeben. Daran haben wir lange gefeilt.“ Und die Idee scheint zu fruchten. Grade in der Region um Parsberg finden sich immer mehr Cafés, Bistros und Lokale, die den modernen Honigtrunk in ihre Angebotspalette mit aufnehmen.

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Die Idee, den Trank der Götter der nordischen Mythologie mit Zitronenlimonade zu mischen, hatte Automechaniker Albert Stigler übrigens auch auf einem Fest. Beim „Hexentanz und Feenzauber“ auf Schloss Pürkelgut bei Regensburg wurde die Grundidee aus der Not heraus geboren. „Albert hat mit einigen Freunden Met getrunken, als dieser am Stand plötzlich knapp wurde. Also bat er den Besitzer, den restlichen Met mit irgendwas zu strecken, und schon beim ersten Schluck des Metradlers wurde ihm klar, dass man daraus etwas massentaugliches machen könnte“, erzählt Christian Solleder die Geschichte. „Als feststand, dass es ein solches Getränk noch nicht gab, ließ er sich die Rechte am Namen und an der Rezeptur sichern und holte mich mit an Bord. Ich habe bei Krones gelernt und dadurch gewisse Erfahrungen mit den Abfüll- und Etikettierungsprozessen.“ Seither produzieren die beiden die alkoholhaltige Honigbrause mit dem stilisierten Bienenkopf auf dem Label gemeinsam bei einem Abfüller in Lam, der auch die gewünschte kleine Abfüllmenge der ersten Charge bieten konnte. 2000 Liter ließen sie insgesamt in 0,33-Liter-Flaschen füllen. „Das erste Jahr ist jetzt gut gelaufen, aber wir gehen bewusst langsam voran. Wir arbeiten beide in unseren gelernten Berufen in Vollzeit und betreiben die Metalnade quasi in der Freizeit. Wir wollen wachsen, aber gesund und möglichst nachhaltig“, so der gelernte Werkzeugmacher. Was aber nicht heißt, dass man Metalnade nur in der Heimatregion der beiden Erfinder genießen kann. Über Facebook und den frisch gelaunchten Onlineshop kann sich jeder die Metalnade nach Hause bestellen. Und hier bleibt man auch immer auf dem Laufenden, wenn sich die beiden Jungunternehmer etwas Neues ausgedacht haben, denn die Möglichkeiten, die sich bei der Arbeit mit Met ergeben, sind vielfältig und warten förmlich nur darauf, von den beiden Oberpfälzern entdeckt und abgefüllt zu werden.

Gewara Cola – The Sky is the Limit

Think big“ lautet das Motto von Oliver Maier, Oliver Roider und Marco Köstler, den drei Erfindern von Gewara Cola. Im März 2016 kamen sie mit ihrer koffeinhaltigen Limonade erstmals auf den Markt, und schon heute ist absehbar, dass dies der Startschuss einer langen Erfolgsgeschichte gewesen sein könnte. Ein eindeutiges Indiz dafür ist die Tatsache, dass der Spirituosenhersteller Havanna Club auf einer Party im Rahmen der Internorga 2017, einer internationalen Fachmesse für Hotellerie und Gastronomie in Hamburg, zum Mixen des bekannten Cuba Libre ausschließlich die in Regensburg entwickelte Cola verwendete. Dabei wurden 2400 Flaschen ausgeschenkt. Und das nur ein Jahr nach der Markteinführung von Gewara Cola. Wie ist dieser schnelle Aufstieg zu erklären? Die Antwort darauf ist ganz einfach: Gewara Cola ist kein simpler Abklatsch der Brause des riesigen Coca-Cola-Konzerns, sondern ein eigenständiges Premienprodukt im Cola-Segment.

Begonnen hatte alles bei einem gemeinsamen Besuch der Insel Kuba. Hier waren Roider und Maier auf der Suche nach neuen pflanzlichen Produkten für ihre gemeinsame Firma für Nahrungsergänzungsmittel. Seit vielen Jahren arbeiten sie bereits zusammen und haben zuvor bereits eine Firma für leitungsgebundene Wasserspender für Schulen, Firmen und Krankenhäuser aufgebaut. Auf Kuba hofften sie jetzt, ihre Palette an nützlichen Naturprodukten erweitern zu können. „Naturheilkunde hat auf Kuba eine lange Tradition, und es gibt dort eine Vielzahl von Pflanzen mit unglaublichen Eigenschaften“, erklärt Roider, der mit seinem Partner schon lange den Wunsch teilte, „ein fertiges Getränk zu produzieren und damit eine eigene Marke herauszubringen“.

Think big“ lautet das Motto von Oliver Maier, Oliver Roider und Marco Köstler. Foto: Gewara
Think big“ lautet das Motto von Oliver Maier, Oliver Roider und Marco Köstler. Foto: Gewara

Das Schlüsselerlebnis hatten die beiden dann nach einer langen kubanischen Nacht, als ihre Sinne am nächsten Tag durch einen, nach geheimem Familienrezept gebrauten, Pflanzensud wieder zum Leben erweckt wurden. Die Grundlage für ihren Traum vom eigenen Getränk war gefunden. In mühsamer Feinabstimmung kreierten sie in der Folgezeit ein Getränk, das keinen Vergleich mit den etablierten Marken scheuen braucht, auch wenn es eigentlich kaum vergleichbar ist. „Aufgrund der Inhaltsstoffe und ihrer Eigenschaften haben wir eine Art Superfood-Cola entwickelt“, beschreibt Oliver Roider die eigene Limo.

Mit Superfood sind natürliche Nahrungsmittel mit sogenannten Zusatzfunktion gemeint, wie zum Beispiel Moringa, eine der weltweit vitalstoffreichsten Pflanzen oder Maca, eine vitaminreiche Pflanze, der eine aphrodisierende Wirkung nachgesagt wird. Außerdem enthalten sind Kolanuss und Yamswurzel, die ebenfalls eine anregende und gesunde Wirkung auf den menschlichen Organismus haben.

Gesüßt wird die Regensburger Cola mit natürlichem Rohrzucker. Und um all das dem potenziellen Kunden näherzubringen, braucht es natürlich auch eine ansprechende Vermarktung. Dafür wurde mit dem Regensburger Musiker und Produzenten Marco Köstler ein langjähriger Freund für das Projekt gewonnen, der unter anderem für die musikalische Untermalung des ersten Werbefilms für Gewara Cola verantwortlich zeichnet. Zwar trägt sich Gewara Cola nur ein Jahr nach Erscheinen auf dem Markt noch nicht selber, aber die Auslieferung erfolgt bereits deutschlandweit und in die angrenzenden Länder. Doch damit nicht genug. „Wir schränken uns jetzt nicht irgendwie ein. Wir träumen groß und arbeiten hart daran, eine globale Marke zu werden. Schließlich haben wir wirklich ein erstklassiges Produkt“, blickt Oliver Roider positiv in die Zukunft.

Der Text ist eine Leseprobe aus der Sonntagszeitung, die die Mittelbayerische exklusiv für ePaper-Kunden auf den Markt gebracht hat. Ein Angebot für ein Testabo der Sonntagszeitung finden Sie in unserem Aboshop.

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