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Königshaus

Traumhochzeit mit einem Haken

Prinz Harry heiratet seine große Liebe Meghan Markle. Zwei Verwandte der Braut dürften wohl nicht eingeladen sein.
Von Silvia Kusidlo

  • Prinz Harry und Meghan Markle im vergangenen Jahr nach der Bekanntgabe ihrer Verlobung. Foto: Eddie Mulholland/dpa
  • Foto: Silvia Kusidlo/dpa

London.Wenn Prinz Harry und Meghan Markle am Samstag in Windsor heiraten, dann werden Millionen Menschen weltweit feiern oder gerührt vor dem Fernseher sitzen. Allerdings: Die Braut ist für royale Verhältnisse ziemlich ungewöhnlich. Meghan stammt nicht aus britischem Adelsgeschlecht, sondern ist eine Bürgerliche aus den USA mit afroamerikanischen Wurzeln. Die 36-Jährige ist geschieden und Schauspielerin. Meghan ist weit davon entfernt, „posh“ (vornehm) zu sein. Doch gerade weil ihr diese oft arrogant wirkende Art der britischen Elite fehlt, fliegen ihr die Herzen nur so zu.

Verfolgen Sie die Hochzeit am Samstag live in unserem NewsBlog.

Lange war über die Gästeliste der Traumhochzeit gerätselt worden. Inzwischen scheint klar: Meghans Vater Thomas Markle, Rentner und früher Beleuchtungsexperte beim Fernsehen, kann seine Tochter nicht zum Altar führen, da der 73-Jährige vor wenigen Tagen erst einen Herzinfarkt erlitten hatte. Mutter Doria Ragland – eine Sozialarbeiterin und Yogalehrerin, die auch mal Nasen-Piercing trägt – wird dagegen bei der Hochzeit sein. Die Eltern haben sich scheiden lassen, als Meghan noch ein Kind war.

Keine Politiker, aber viele Promis

Die vollständige Gästeliste wird der Palast nicht veröffentlichen. Aber in Windsor dürfte eine illustre Gästeschar erscheinen, auch aus der Filmbranche. In Großbritannien rechnet man fest mit einem Auftritt von Elton John, der mit Harrys vor mehr als 20 Jahren gestorbener Mutter Diana befreundet war. Politiker sind nicht geladen – Harry steht schließlich erst auf Platz sechs der britischen Thronfolge. US-Präsident Donald Trump ging damit ebenso leer aus wie die britische Premierministerin Theresa May.

Prinz George und Prinzessin Charlotte werden für ihren Onkel Blumen streuen. Foto: Kirsty Wigglesworth/dpa
Prinz George und Prinzessin Charlotte werden für ihren Onkel Blumen streuen. Foto: Kirsty Wigglesworth/dpa

Nicht nur bei der Auswahl ihrer Gäste scheinen Harry und Meghan ganz genau zu wissen, was sie wollen. Keine Hochzeitsgeschenke – aber dafür Geldspenden für sieben Wohltätigkeitsorganisationen, die sich zum Beispiel um Obdachlose und HIV-infizierte Kinder kümmern. Blumen-Deko ja – aber bitte mit heimischen Pflanzen. Eine Hochzeitstorte, die „nach den hellen Aromen des Frühlings schmeckt“ – aber von einer Konditorin, die vor allem Bioprodukte verwendet.

In Großbritannien herrscht „Meghan-Mania“ und in Windsor längst Ausnahmezustand. Das hübsche Städtchen westlich von London ist rausgeputzt und mit Sperren gesichert. Die Preise für Unterkünfte explodierten, Firmen kommen mit der Produktion von Souvenirs kaum hinterher. „Vor allem die Amerikaner reißen uns das aus den Händen“, sagt Jon Aujla, Geschäftsführer einer der vielen Andenkenläden.

Nach dem Ja-Wort in die Kutsche

Der Erzbischof von Canterbury wird das Paar in der spätgotischen St.-Georges-Kapelle aus dem 15. Jahrhundert auf dem Gelände von Schloss Windsor trauen. Es ist von hohen, dicken Mauern umgeben. Das ist gut für die Sicherheit, aber ein Blick auf das Brautpaar somit eigentlich unmöglich. Doch Prinz Harry und Meghan planen direkt nach der Trauung eine etwa drei Kilometer lange Kutschenfahrt durch Windsor.

„Prinz Harry ist ein modernes Mitglied der Royals und Meghan bringt frischen Wind in die Königsfamilie.“

Eine Verkäuferin aus der Nähe von Manchester

Die US-Amerikanerin bekommt wegen ihrer dunklen Hautfarbe auch rassistische Sprüche und Drohungen ab. Die meisten Briten haben sie jedoch längst in ihr Herz geschlossen; vor allem ihre offene und herzliche Art kommt gut an. „Prinz Harry ist ein modernes Mitglied der Royals und Meghan bringt frischen Wind in die Königsfamilie“, schwärmt eine Verkäuferin aus Stoke-on-Trent südlich von Manchester.

Dabei bricht die 36-Jährige auch durchaus die höfischen Regeln, etwa wenn sie bei offiziellen Terminen einen Messy Bun – einen lässigen Dutt – trägt statt perfekt gestylter Haare wie etwa Herzogin Kate. Ob beim Besuch eines Jugend-Radiosenders im hippen Londoner Stadtteil Brixton oder auf ihrer Reise ins walisische Cardiff: Sie wird umarmt von Kindern, gibt Autogramme und lässt Selfies mit sich machen.

Hochzeits-News

  • Der Ort der Hochzeit:

    Harry und Meghan heiraten rund 30 Kilometer westlich von London auf Schloss Windsor. Um 13 Uhr MESZ beginnt die Trauung in der St. George’s Chapel. Das Gotteshaus ist die letzte Ruhestätte von elf Monarchen.

  • Formalität:

    Harry musste die Erlaubnis seiner Großmutter, Königin Elizabeth II., einholen. Sie muss bei den ersten sechs Vertretern in der Thronfolge eine Eheschließung absegnen. Meghan ließ sich taufen und damit in die anglikanische Kirche aufnehmen.

  • Die Torte:

    Der Palast verriet, wer die Torte anfertigt. Claire Ptak, eine US-Konditorin, die in London arbeitet, plant eine Zitronen-Holunderblüten-Torte mit Buttercreme, die mit Blumen verziert werden soll.

  • Die Gästeliste:

    Etwa 600 Menschen sind zur Messe geladen. Harrys Trauzeuge ist sein älterer Bruder William. Ins Frogmore House, eine königliche Residenz rund einen Kilometer südlich von Schloss Windsor, sind abends rund 200 Gäste eingeladen.

Für die meisten Mitglieder der Firma, so nennt sich leicht scherzhaft die königliche Familie, wäre ein solches Verhalten undenkbar. Bis auf einen: Prinz Harry. Auch ihn lieben die Briten wegen seiner unkomplizierten und fröhlichen Art, zum Beispiel wenn er beim Marathon in London verdutzte Läufer umarmt und mit Kindern bei Festen herumtobt. Seine wilden Zeiten, in denen er nackt mit Frauen in einem Hotel in den USA feierte oder in Nazi-Uniform bei einer Kostümparty auftauchte, sind vorbei. Heute gilt er als gereifter Prinz, der sich wie einst seine Mutter Diana sehr stark sozial engagiert.

„Ich hatte vorher noch nie etwas von ihr gehört.“

Prinz Harry

Kennengelernt haben sich die beiden bei einem von einer Freundin eingefädelten Blind Date. „Ich hatte vorher noch nie etwas von ihr gehört“, gestand Prinz Harry in einem BBC-Interview. „Ich wurde wunderschön überrascht.“ Näher gekommen waren sie sich dann auf einer Afrika-Reise. „Wir kampierten unter den Sternen.“ In London machte Harry der Schauspielerin („Suits“) einen Heiratsantrag – mit Kniefall bei einem Hähnchenessen. „Es war so süß“, schwärmte Meghan.

Das klingt alles nach einer Traumhochzeit – wäre da nicht ein Haken. Meghan hat keinen guten Draht zu ihren Halbgeschwistern Samantha und Thomas Junior aus der ersten Ehe ihres Vaters. Die 17 Jahre ältere Samantha wirft Meghan vor, sie kümmere sich nicht genug um ihre Familie, und plant ein Buch mit dem Titel „The Diary of Princess Pushy’s Sister“ (auf Deutsch etwa: „Tagebuch der Schwester von Prinzessin Aufdringlich“). Fenster-Monteur Thomas Junior erwartet eine Einladung, „zerstritten oder nicht“, sagte er der Zeitung „Daily Mail“. Sein Wunsch dürfte wohl nicht in Erfüllung gehen.

Horrende Sicherheitskosten kommen auf den Steuerzahler zu

William und Kate gaben sich im April 2011 das Jawort. Foto: Kay Nietfeld/dpa
William und Kate gaben sich im April 2011 das Jawort. Foto: Kay Nietfeld/dpa

Denn Meghan und Harry wollen ihre Traumhochzeit ungestört feiern. Ärger wegen der Rechnungen wird es in jedem Fall nicht geben. Das Königshaus hat bereits angekündigt, für die Kosten der Feier aufkommen zu wollen. Für Musik, Blumen, Dekoration sowie Essen und Getränke und anderes müssen die Royals rund 1,7 Millionen Pfund (rund 1,9 Millionen Euro) berappen, rechnen die Hochzeitsplaner von der britischen App Bridebook vor. Doch den größten Posten in der Rechnung werden die Sicherheitsvorkehrungen ausmachen. Dafür wird der britische Steuerzahler aufkommen müssen. Erst kürzlich war herausgekommen, dass bei der Hochzeit von Prinz William und Kate im Jahr 2011 etwa 6,3 Millionen Pfund (rund sieben Millionen Euro) an Kosten für den Polizeieinsatz anfielen.

Britische Medien gehen davon aus, dass es bei Harry und Meghan noch teurer werden könnte, weil das Terrorrisiko höher sei und es teils rassistische Drohungen gegen Meghan gegeben hat. Sie hat mütterlicherseits afroamerikanische Wurzeln. Graham Smith, Sprecher der Gruppe Republic, die sich für eine Abschaffung der Monarchie ausspricht, fordert, dass die Royals für die Kosten selbst aufkommen. „Unterm Strich ist das eine private Hochzeit und wenn sie das in Windsor feiern wollen in einer Art, die die Steuerung von Menschenmassen und Sicherheitsmaßnahmen erfordert, dann sollte die Königsfamilie selbst dafür zahlen“, sagte er dem „Belfast Telegraph“.

Keine Geschenke erwünscht

Ihr Brautkleid und auch die Flitterwochen soll Meghan angeblich selbst bezahlen. Immerhin 137 000 für die Reise und rund 343 000 Euro für das Kleid, schätzen die Experten von Bridebook. Der Braut dürfte es egal sein. Ebenso wie die Geschichte, die britische Wissenschaftler nun ausgegraben haben. Markle mag als Kind aus eher gewöhnlichen Verhältnissen wirken, doch laut Ahnenforscher Gary Boyd Roberts von der New England Historic Genealogical Society in Boston hat sie adlige Wurzeln: Markle stammt Roberts zufolge von König Edward III. ab, der England und Wales im Mittelalter von 1327 bis 1377 regierte. Demnach ist sie Prinz Harrys Cousine 17. Grades.

In welchem Kleid Meghan vor den Altar treten könnte, sehen Sie im Video:

Royal Wedding: Was wird die Braut tragen?

Wo das Paar nach der Hochzeit wohnen wird, steht bereits fest: Sie ziehen in den Kensington-Palast, der in den weitläufigen Kensington Gardens im Zentrum Londons liegt. Zu den insgesamt 15 Bewohnern des Kensington-Palastes zählen die Cousins von Königin Elizabeth II., die Prinzen Richard, Edward und Michael, die alle über 70 Jahre alt sind. Bei den jungen Royals ist der Kensington-Palast als Wohnsitz beliebt: Die 28-jährige Queen-Enkelin Prinzessin Eugenie, die im Oktober heiratet, lässt gerade ein Haus auf dem Gelände herrichten.

Harry und Meghan werden vom vergleichsweise bescheidenen Nottingham Cottage auf dem Gelände in „Wohnung 1“ umziehen – direkt neben „Wohnung 1A“, wo seit 2013 Prinz William mit Ehefrau Kate und inzwischen drei Kindern lebt. Harry und William verbinden mit Kensington Palace eine glückliche Phase ihrer Kindheit: Hier lebten sie in den zusammengelegten Wohnungen 8 und 9, die ihre Eltern Prinz Charles und Diana 1981 bezogen hatten.

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