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Montag, 20. August 2018 30° 2

Kriminalität

Tunesier wollte Waffen herstellen

Ermittler finden eine Rizin-haltige Substanz in einer Wohnung in Köln. Gegen den Wohnungsinhaber wird Haftbefehl erlassen.

Im Kölner Stadtteil Chorweiler stürmte die Polizei wegen des Verdachtes auf Umgang mit giftigen Stoffen die Wohnung eines Mannes. Foto: David Young
Im Kölner Stadtteil Chorweiler stürmte die Polizei wegen des Verdachtes auf Umgang mit giftigen Stoffen die Wohnung eines Mannes. Foto: David Young

Köln.Der inhaftierte Tunesier, in dessen Kölner Wohnung hochgiftige Rizin-Substanzen gefunden wurden, ist laut Bundesanwaltschaft „dringend verdächtig, vorsätzlich biologische Waffen hergestellt zu haben“. Wie die Justizbehörde am Donnerstag in Karlsruhe weiter mitteilte, gibt es jedoch keine Anhaltspunkte für eine „konkretisierte Anschlagplanung“ oder eine Mitgliedschaft des Beschuldigten in einer terroristischen Vereinigung.

Der Bundesgerichtshof hatte am Mittwochabend Haftbefehl gegen den 29-jährigen Tunesier erlassen. Es bestehe der dringende Verdacht des Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz, sagte ein Sprecher des Generalbundesanwaltes. Bei dem gefundenen Gift handele es sich um eine Rizin-haltige Substanz.

Ermittlungen wegen staatsgefährdender Gewalttat

Die Behörde ermittele außerdem weiter auch wegen des Anfangsverdachts einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat. Hier bestehe aber kein dringender Tatverdacht, so der Sprecher. Die Bundesanwaltschaft kündigte für Donnerstag eine Presseerklärung mit weiteren Details an.

Rizin gilt als potenzieller biologischer Kampfstoff. Das angesehene Robert-Koch-Institut stuft das leicht erhältliche Mittel aus dem Samen des Wunderbaums als „potenziellen biologischen Kampfstoff“ ein. Handel und Umgang mit der Reinsubstanz seien nach dem Chemiewaffen-Übereinkommen von 1997 beschränkt. Schon in geringer Konzentration kann Rizin tödlich sein. Sollte das Gift gespritzt werden, wirkt es nach RKI-Angaben binnen 36 bis 48 Stunden tödlich. Rizin schädige Leber und Nieren, der Tod trete durch Multiorganversagen ein.

Im November nach Deutschland eingereist

Laut „Kölner Stadt-Anzeiger“ und „Express“ soll der Tatverdächtige erst im November 2016 nach Deutschland eingereist und polizeilich nicht in Erscheinung getreten sein. Staatsschutz und Ermittlungsbehörden hätten einen Hinweis auf den Mann erhalten, der dann observiert worden sei, bis es am Dienstagabend zu seiner Festnahme kam. Ein Sprecher der Bundesanwaltschaft äußerte sich dazu nicht. Spezialkräfte hatten die Wohnung des Mannes, seiner Frau und Kinder in einem Hochhaus am Dienstagabend gestürmt.

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