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Panorama
Montag, 28. Mai 2018 31° 1

Astronomie

Venus und Jupiter glänzen

In den Mainächten sehen Himmelsgucker eine hübsche Planetenparade. Auf Frühaufsteher wartet ein spezieller Genuss.
Von Ulrich Keller, dpa

Nachtschwärmer: Mond, Jupiter und Venus (v. l.) sind am Himmel über einem Aussichtspunkt nahe Budapest zu sehen. Foto: Peter Komka/dpa

Stuttgart.Nur wenige Minuten nach Sonnenuntergang leuchtet am noch hellen Westhimmel im Mai ein Lichtpunkt auf – die Venus. Noch lange bevor in der zunehmenden Dunkelheit die Sterne erscheinen, sieht man in der fortschreitenden Abenddämmerung unseren inneren Nachbarplaneten. Eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang glänzt dann Venus als helles Gestirn am Westhimmel. Der Abendstern, so nennt man Venus gerne, obwohl sie gar kein Stern ist, wird im Laufe des Monats zu einem auffälligen Gestirn. Am 17. passiert die schmale Sichel des zunehmenden Mondes die Venus, ein netter Anblick über dem Nordwesthorizont. Gegen 23 Uhr geht der Abendstern dann unter.

Nach Untergang der Venus beherrscht Jupiter als hellster Planet den Nachthimmel. Am 9. Mai steht er der Sonne genau gegenüber. In der Oppositionsstellung geht Jupiter zu Beginn der Nacht im Südosten auf, erreicht kurz nach Mitternacht seine Höchststellung im Süden und geht zu Tagesanbruch im Südwesten unter.

Rendezvous mit dem Mond

Am 27. kommt es zum Rendezvous mit dem fast vollen Mond. Zur Opposition erreicht die Erde ihre geringste Entfernung vom Riesenplaneten. Uns trennen dann 658 Millionen Kilometer von Jupiter, dies ist knapp die viereinhalbfache Distanz von der Sonne zur Erde. Das Licht und die Funksignale der Raumsonde Juno benötigen 37 Minuten, um zur Erde zu gelangen.

Zwölf Jahre ist der Riesenplanet unterwegs, um einmal die Sonne zu umrunden. Ihn begleiten dabei mehr als fünf Dutzend Trabanten, von denen die meisten winzige Weltensplitter von nur wenigen Kilometern Durchmesser sind. Die vier großen und hellen Jupitermonde wurden schon kurz nach Erfindung des Fernrohrs Anfang des 17. Jahrhunderts von Galileo Galilei, Thomas Harriot und Simon Marius unabhängig voneinander entdeckt.

Hingucker: Ein Mädchen schaut durch ein Spiegelteleskop. Foto: Zinken/dpa

Auf Vorschlag von Johannes Kepler wurden sie Io, Europa, Ganymed und Kallisto getauft, alles Lieblinge des Göttervaters Jupiter. Bereits in einem Fernglas kann man sie sehen. Mit 5262 Kilometer Durchmesser ist Ganymed der größte Mond im Sonnensystem. Er ist größer als der Planet Merkur.

Im Fernrohr erkennt man auf Jupiter die Wolkenstreifen und -bänder in seiner dichten Atmosphäre. Auch zeigt sich das Planetenscheibchen im Fernrohr nicht kreisrund, sondern oval. Denn der Jupiterglobus ist infolge seiner schnellen Drehung deutlich abgeplattet. Ein Jupitertag dauert nicht einmal zehn Stunden. Dies ist die kürzeste Rotationszeit aller Planeten. Mit elffachen Erddurchmesser und der 318-fachen Erdmasse ist Jupiter der größte und schwerste Planet unseres Sonnensystems. Rund 1300 Erdkugeln hätten bequem in ihm Platz.

Zurzeit kreist die irdische Raumsonde Juno als künstlicher Satellit auf einer polaren Bahn um den Riesenplaneten. Ihre zur Erde gefunkten Aufnahmen zeigen die bizarren Wolkenwirbeln auf den Polen des Jupiter. Die Raumsonde Juno wurde im August 2011 gestartet. Sie wurde nach der Gemahlin des Jupiters benannt. Nach fünfjährigem Flug schwenkte sie in eine Umlaufbahn ein. Neben faszinierenden Aufnahmen der wolkenverhangenen Oberfläche funkte sie auch Bilder von extrem hellen Polarlichtern zur Erde.

Geringste Entfernung

Ende April waren über dem Nachthimmel die Meteorschauer der Lyriden zu bewundern. Foto: Daniel Reinhardt/dpa

Mars beherrscht die zweite Nachthälfte. Seine Helligkeit verdoppelt sich im Laufe des Monats, da die Erde sich anschickt, den Roten Planeten zu überholen und ihm dabei immer näher kommt. Die geringste Entfernung wird Ende Juli erreicht. Nach Untergang der Venus ist Mars zweithellster Planet am Himmel. Nur noch Jupiter ist heller als er. Am 22. beginnt auf der Mars-Nordhalbkugel der Herbst. Da die Marsachse ähnlich wie die Erdachse zu seiner Umlaufebene geneigt ist, kommt es auch auf unserem äußeren Nachbarplaneten zu Jahreszeiten. Sie dauern allerdings jeweils doppelt so lange wie auf der Erde, da Mars zwei Jahre benötigt, um einmal um die Sonne zu gelangen.

Saturn im Sternbild Schütze taucht in der zweiten Nachthälfte im Südosten auf. Der Ringplanet verlagert seine Aufgänge in die Zeit vor Mitternacht. Anfang Mai geht er eine Viertelstunde nach ein Uhr nachts auf, zu Monatsende bereits wenige Minuten nach 23 Uhr. Beeindruckend ist es, Saturn mit seinem imposanten Ringsystem in einem Teleskop bei 200-facher Vergrößerung zu betrachten. In kleineren Fernrohren kann man ab 30-facher Vergrößerung den Saturnring zumindest erkennen. Mit bloßen Augen sieht man Saturn lediglich als Lichtpunkt in einem fahlen Gelb.

Den gesamten Mai über flammen die Sternschnuppen der Aquariden auf. Beobachtbar sind sie am Morgenhimmel vor Dämmerungsbeginn. Der Ausstrahlungspunkt liegt im Sternbild Wassermann. Im Schnitt sind etwa zwanzig Meteore pro Stunde zu erwarten. Das Maximum liegt am 6. Mai mit bis zu 60 Exemplaren pro Stunde.

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