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Verbraucher

Viele Adventskalender sind überteuert

Alle Jahre wieder kritisieren Verbraucherschützer die fertig verpackten Süßwaren-Adventskalender heftig. Gekauft werden die Produkte trotzdem.

Günstiger ist es, einen Adventskalender selbst zu befüllen, anstatt einen fertigen zu kaufen. Foto: dpa

Frankfurt/Main.Das Adventsgeschäft ist für die Süßwarenindustrie ein Millionengeschäft: Ungefähr 50 Millionen mit Süßigkeiten gefüllte Adventskalender gehen vor Weihnachten über die Ladentische. Viele von ihnen sind überteuert, kritisiert aktuell die Verbraucherzentrale Hamburg. „Die Süßigkeiten sind bis zu viermal teurer als in ihrer Standardverpackung“, sagt Lebensmittelexperte Armin Valet.

Der höhere Verpackungsaufwand rechtfertige den hohen Preis nicht. Zehn Kalender aus sieben verschiedenen Geschäften untersuchten die Verbraucherschützer für ihren Marktcheck. Ergebnis: Das meiste Geld geht für die Verpackung drauf – und die wandert später in den Müll. 11,24 Euro kostete die teuerste Verpackung bei einem getesteten Kalender: Die Schokolade im 16,90 Euro teuren Kalender hätten die Kunden für unter sechs Euro lose kaufen und selbst verpacken können, haben die Verbraucherschützer ausgerechnet. Für Valet ist das Abzocke – zumal die Inhalte oft einfallslos seien und dem Standardsortiment entsprächen, das es ganzjährig im Supermarkt gibt.

Kunden schätzen den Service

Nur: „Die Leute schätzen festlich verpackte Produkte und zahlen dafür, sie fertig einkaufen zu können“, sagt Torben Erbrath vom Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie. „Dass sie dafür dann mehr bezahlen als für Produkte ohne Weihnachtsverpackung ist ihnen der Service wert“, sagt der Sprecher. „Sonst würden ja mehr Leute die Süßigkeiten für ihre Kinder selber verpacken.“ In der Produktion fielen im Übrigen neben Materialkosten auch zusätzliche Kosten für den Verpackungsprozess an.

Die erhöhten Preise schaden der Kauflust offenbar nicht. Der Verband der Süßwarenindustrie erwartet in diesem Jahr sogar eine Absatzsteigerung. „Der Trend zum fertigen Kalender ist ungebrochen“, sagt Erbrath. Die Kritik der Verbraucherschützer ändere daran nichts.

2012 war das anders: Stiftung Warentest hatte in der Schokolade von fertigen Adventskalendern Mineralölrückstände gefunden und die Testergebnisse im November mit viel Medienecho veröffentlicht. Der Handel nahm Produkte aus dem Sortiment, der Absatz brach ein, der Verband drohte Stiftung Warentest mit Klagen wegen der Verkaufsverluste. „Von Mineralölrückständen betroffen sein können vor allem Lebensmittel, die in Recyclingpapier verpackt sind oder in Papier, das mit mineralölhaltiger Farbe bedruckt ist“, sagt Holger Brackermann, Leiter der Produkttests bei der Stiftung. „2012 hatten wir Hinweise bekommen, dass die fertigen Adventskalender davon betroffen seien - und sind auch fündig geworden.“

Stiftung Warentest plant keine Tests

In diesem Jahr ist kein vorweihnachtlicher Test geplant. Mit der Industrie gab es Gespräche, bei denen „uns glaubhaft versichert wurde, dass „sie auf die auf die Kritik reagieren und an dem Verpackungsproblem arbeiten“, sagt Brackermann. Freiwillig. Denn: Gesetzlich festgelegte Grenzwerte zu Mineralöl in Lebensmitteln gibt es nicht - seit dem Fund der Stiftung Warentest wird im Bundesverbraucherministerium an zwei Verordnungen zu Mineralölrückständen in Lebensmitteln aus Recyclingverpackungen gearbeitet. Die diesjährigen Adventskalender sind wieder ohne Grenzwert-Vorgaben ins Regal gekommen. Noch werden die umfangreichen Stellungnahmen ausgewertet, und dann müssen die Verordnungsentwürfe bei EU-Kommission und Welthandelsorganisation vorgelegt werden, teilte das Ministerium mit.

Tatsächlich gibt es zu den Adventskalender Gegentrends: Für den Kalender „Der Andere Advent“ entscheiden sich jährlich mehr Menschen, beobachtet Kirsten Westhuis vom ökumenischen Verein „Andere Zeiten“. 500 000 Exemplare der Kalender mit Gedichten, Texten und Bildern wurden dieses Jahr aufgelegt. „Wir wollen einen Gegenpol zum Konsumstress und einen anderen Zugang zu Weihnachten schaffen“, sagt Westhuis. „Die Inhalte sind nicht laut und schnell, sondern regen zum Innehalten und Denken an - das suchen offenbar auch immer mehr Menschen im Advent.“ (epd)

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