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Lebensmittel

Von Mäusekot und muffigem Braten

Mangelhafte Hygiene in der Großbäckerei

So groß wie sieben Fußballfelder ist das Produktionsareal von Müller-Brot im oberbayerischen Neufahrn. Schon lange werden hier keine Semmeln und Brezen mehr hergestellt. Die Bänder stehen seit Ende Januar still. Damals hatten die Aufsichtsbehörden die Reißleine gezogen, nachdem trotz mehrfacher Mahnungen noch immer Ungeziefer durch die Backfabrik huschte und Mäusekot entdeckt wurde.

Seit Mitte 2009 waren bei der Großbäckerei über 20 Mal Lebensmittelkontrolleure angerückt. Gravierende Probleme wurden bereits Ende 2010 festgestellt, darunter übelriechender Schleim und Schaben, wie das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit berichtete. Der Öffentlichkeit wurden die ekelhaften Zustände lange verschwiegen – weil man Sorge um die 1.250 Arbeitsplätze hatte.

Am Ende nutzte das nichts: Müller-Brot ging am 16. Februar pleite. Offenkundig hatte das Management bei der Sauberkeit gespart. Und womöglich war die Großbäckerei schon seit längerem überschuldet und meldete nicht rechtzeitig Insolvenz an. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Landshut wegen Verdachts auf Insolvenzverschleppung gegen die Ex-Geschäftsführer, unter ihnen der frühere Mehrheitseigner Klaus Ostendorf, ziehen sich noch immer hin.

Filialen von Müller-Brot grundsaniert

Eine gute Nachricht gab es Anfang April: Große Teile des Filialnetzes sowie rund 450 Mitarbeiter wurden von Gründertochter Evi Müller und dem Münchner Bäckermeister Franz Höflinger übernommen. Ihrem Sprecher Torsten Fricke zufolge wurden inzwischen viele frühere Müller-Brot-Filialen grundsaniert und ein vernünftiges Hygienemanagement aufgebaut. Dadurch sei es gelungen, verloren gegangenes Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen.

Die Waren für die Filialen werden von verschiedenen Backbetrieben angekauft. Es bleibe das Ziel von Höflinger und Müller, Semmeln und Brezen irgendwann selbst zu backen, erklärt Fricke. Auch ein Kauf und Umbau der stillgelegten Produktionsstätte in Neufahrn sei weiterhin nicht ausgeschlossen. Allerdings seien die Verhandlungen aufgrund der komplizierten Eigentümerstruktur der Backfabrik schwierig.

Weitere Bäckereien in der Kritik

Neben Müller-Brot hatten in diesem Jahr mehrere weitere Bäckereien wegen Hygieneproblemen ihre Produktion stoppen müssen: So die Bäckerei Biendl und Weber aus dem Kreis Regensburg, die Großbäckerei Heinz aus dem Landkreis Landshut sowie die Großbäckerei Heeg aus dem Landkreis Aschaffenburg. Auch die Firma Heeg musste inzwischen Insolvenz anmelden.

Metzgerei Vinzenzmurr unter Beschuss

Bei der Sauberkeit dazugelernt hat nach Angaben der Behörden die Münchner Großmetzgerei Vinzenzmurr, die nach einer Razzia von Lebensmittelkontrolleuren mit dem Versuch scheiterte, die massiven Beanstandungen zu verheimlichen. Aus einem im Herbst im Internet veröffentlichten Gerichtsbeschluss ging hervor, dass die Prüfer bei Vinzenzmurr muffigen Braten, grünlich verfärbte Leber und Rattenkot gefunden hatten.

Angesichts der Verunsicherung der Verbraucher haben die Behörden unterdessen die Transparenz verbessert. Hygiene-Verstöße bayerischer Betriebe werden seit 1. September auf der Internetseite des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit veröffentlicht. Inzwischen gibt es dort schon mehr als 100 Einträge. (dpa)

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