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Medizin

Was tun, wenn die Schulter zwickt?

Eine Arthrose kann auch die Schulter treffen. Und immer gilt: Eine frühzeitige Therapie hilft am besten.
Von Sabine Meuter, dpa

Physiotherapeuten haben viele Möglichkeiten, Schulterprobleme zu behandeln. Dazu gehört auch die Ultraschall-Massage. Foto: Hans-Jürgen Wiedl/dpa
Physiotherapeuten haben viele Möglichkeiten, Schulterprobleme zu behandeln. Dazu gehört auch die Ultraschall-Massage. Foto: Hans-Jürgen Wiedl/dpa

Berlin.Schmerzen an der Schulter können quälend sein. Sich schnell mal eine Jacke anziehen oder ein Buch ins obere Regal stellen? Geht kaum. Nachts im Bett auf die schmerzende Schulter legen: nahezu unmöglich. Nicht immer ist die Pein auf einen Sturz oder Unfall zurückzuführen. Auch Schulterarthrose steckt manchmal dahinter. Die bleibt oft lange unerkannt – mit fatalen Folgen für das wichtige Gelenk.

Als Schulterarthrose bezeichnen Ärzte den fortschreitenden Verschleiß des Schultergelenks. Meist geht er mit einem Knorpel- und Knochenabrieb einher, erklärt Prof. Markus Scheibel, Leitender Schulterchirurg an der Berliner Charité. Schmerzen und Bewegungsbeeinträchtigungen nehmen mit der Zeit zu. Ist die Arthrose entzündlich, schwillt das Gelenk zusätzlich an und wird warm. Wie genau es dazu kommt, ist bisher unklar. „Daher gibt es auch keine Möglichkeit vorzubeugen.“

Patentrezepte gibt es nicht

Das Tückische ist: Wer von einer Schulterarthrose betroffen ist, hat oft im Frühstadium wenig bis keine Schmerzen. „Patienten werden häufig erst spät, nämlich bei einem hohen Leidensdruck, bei einem Schulterspezialisten vorstellig“, so Scheibel. Dann sind die Schmerzen immens, die Bewegung ist stark eingeschränkt und der Verschleiß bereits weit fortgeschritten. Je früher die Behandlung jedoch beginnt, desto besser lassen sich die Beschwerden in den Griff bekommen. Eine vollständige Heilung der Schulterarthrose ist nicht möglich.

Wenn der Schaden in der Schulter zu groß ist, wird häufig operiert. Das geht heutzutage aber sehr schonend. Foto: Maurizio Gambarini/dpa
Wenn der Schaden in der Schulter zu groß ist, wird häufig operiert. Das geht heutzutage aber sehr schonend. Foto: Maurizio Gambarini/dpa

Treten Gelenkschmerzen an der Schulter erstmals auf, sollten Betroffene sie zunächst ein paar Tage beobachten. In dieser Phase können Schmerzmittel helfen, die in der Apotheke rezeptfrei erhältlich sind. „Um den Wirkeintritt zu beschleunigen, sollten die Tabletten vor einer Mahlzeit mit einem großen Glas Wasser eingenommen werden“, sagt Ursula Sellerberg von der Bundesapothekerkammer.

Die im Beipackzettel angegebenen Tageshöchstdosen darf man nicht überschreiten. Die Präparate sollten auch nicht länger als vier Tage auf eigene Faust eingenommen werden. Sind die Beschwerden dann noch nicht abgeklungen, muss sich das ein Arzt ansehen.

„Patienten werden häufig erst spät, nämlich bei einem hohen Leidens- druck, bei einem Schulterspezialisten vorstellig.“

Markus Scheibel, Leitender Schulterchirurg an der Berliner Charité

Dort steht eine gründliche Untersuchung des Schultergelenks an, das übrigens das beweglichste Gelenk des menschlichen Körpers ist. Mit bildgebenden Verfahren wie etwa Röntgen oder Kernspintomographie kann der Arzt sich den Zustand des Schultergelenkes genau ansehen.

Lautet die Diagnose Schulterarthrose, dann wird zunächst versucht, mit konservativen Methoden die Beschwerden zu lindern. Das sind neben Schmerzmitteln und -pflastern Physiotherapie mit Anleitungen für Übungen zu Hause oder physikalische Anwendungen. Auf dem Programm können beispielsweise Dehnübungen oder muskelkräftigende Übungen sowie Kälte- oder Wärmeanwendungen stehen.

Schulterarthrose bleibt häufig lange unerkannt. Dabei ist eine frühzeitige Behandlung wichtig. Foto: Christin Klose/dpa
Schulterarthrose bleibt häufig lange unerkannt. Dabei ist eine frühzeitige Behandlung wichtig. Foto: Christin Klose/dpa

„Der genaue Ablauf der Therapie muss immer individuell auf den Patienten abgestimmt werden“, erklärt Wim Jansen, Physiotherapeut und Schulterspezialist in Uetersen. Patentrezepte für die Behandlung gibt es nicht. „Ziel der Behandlung ist immer, Funktions- und Bewegungseinschränkungen des Schultergelenks zu verbessern oder ihr Fortschreiten auszubremsen und Schmerzen entgegenzuwirken“, so Jansen. Hilft all das nicht so richtig, kommt eventuell eine Operation infrage.

Denkbar ist beispielsweise eine Knorpeltransplantation im Schultergelenk. Dabei werden dem Patienten körpereigene Knorpelzellen entnommen, die in einem Labor angezüchtet und nach sechs bis acht Wochen ins Schultergelenk übertragen werden. Dort sollen sie anwachsen und normales Knorpelgewebe bilden.

Eine andere Methode ist die sogenannte arthroskopische Schulteroperation. Dabei kann eine Gelenkreinigung oder das Entfernen des Schulterdachschleimbeutels die Schmerzen lindern. Diese sogenannte Schlüssellochtechnik gilt als sehr schonend – Muskeln müssen nicht durchtrennt oder abgelöst werden.

Sport mit neuem Gelenk geht

Ist die Schulterarthrose bereits in einem fortgeschrittenen Stadium, kommt eventuell der Einsatz eines künstlichen Gelenks infrage. Es gibt eine Vielzahl von solchen Implantaten. Patienten sollten sich von ihrem Arzt beraten lassen, sagt Scheibel. Implantate, die erst seit kurzem auf dem Markt sind, haben den Vorteil, dass beim Einsetzen weniger von der Knochensubstanz im Schultergelenk weggenommen werden muss. Das ist bei Prothesen, die 15 oder 20 Jahre auf dem Markt sind, anders. Für sie spricht allerdings gegebenenfalls, dass andere Patienten damit gute Erfahrungen gemacht haben.

Nach dem Einsatz eines künstlichen Gelenks ist die Beweglichkeit der Schulter stark eingeschränkt. Im Anschluss muss der Patient in der Regel in die ambulante oder stationäre Reha, um die Beweglichkeit des künstlichen Schultergelenks zu trainieren. Aufs Sporttreiben müssen Menschen mit einem künstlichen Schultergelenk nicht verzichten. „Golfspielen oder dezentes Fitnesstraining ist durchaus möglich“, so Scheibel.

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