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Kriminalität

Was vom rätselhaften Fall Knox bleibt

Amanda Knox will wieder Normalität. Zehn Jahre nach dem Mord an Meredith Kercher spricht sie von einem ungerechten Urteil.
Von Annette Reuther und Barbara Munker, dpa

Am 24. September 2011 wird Amanda Knox in Perugia (Italien) von Polizistinnen zur Verhandlung in den Gerichtssaal gebracht. Am 01. November 2017 jährt sich der Mord an der britischen Austauschstudentin M. Kercher zum zehnten Mal. Foto: Pietro Crocchioni/EPA FILE/dpa
Am 24. September 2011 wird Amanda Knox in Perugia (Italien) von Polizistinnen zur Verhandlung in den Gerichtssaal gebracht. Am 01. November 2017 jährt sich der Mord an der britischen Austauschstudentin M. Kercher zum zehnten Mal. Foto: Pietro Crocchioni/EPA FILE/dpa

Perugia.Das gewöhnliche Haus im Grünen in einer hübschen italienischen Universitätsstadt ist immer noch Anziehungspunkt für Sensationslustige: Hier in Perugia wohnten die britische Austauschstudentin Meredith Kercher und die US-Studentin Amanda Knox. Kercher wurde in der Nacht vom 1. auf den 2. November vor zehn Jahren vergewaltigt und halb nackt mit durchschnittener Kehle gefunden. Knox wurde für den Mord vier Jahre in ein italienisches Gefängnis gesperrt. Nach einem acht Jahre langen Justizdrama unter maximaler Weltöffentlichkeit wurde die inzwischen 30-Jährige 2015 endgültig freigesprochen. Bis heute ist nicht geklärt, wer Kercher umgebracht hat.

Ein schwerer Weg durch die Öffentlichkeit

Knox, wegen ihres Aussehens „Engel mit den Eisaugen“ genannt, war von Anfang an im Zentrum des Interesses. Zehn Jahre später hat sie einen Weg gewählt, der nicht ohne Fallen ist: Den der größtmöglichen Öffentlichkeit. Die Geschichte von ihrer ungerechtfertigten Verurteilung soll überall gehört werden. Sie engagiert sich nicht nur für Opfer von Justizirrtümern, gibt Interviews und hat ein Buch und eine Doku über ihr Schicksal veröffentlicht. In Sozialen Netzwerken postet sie zudem massenhaft private Fotos von sich, ihrem Freund Christopher Robinson und ihren Katzen. Man sieht Knox als Rotkäppchen verkleidet im Schwarzwald, Knox im Zoo und Knox beim Essen und Lesen.

Wie passt das zusammen, wenn jemand jahrelang der Sensationsgier der Öffentlichkeit ausgesetzt war und dies auch immer wieder angeprangert hat und sein Privatleben nun für jeden sichtbar in Szene setzt? Sie wolle endlich wieder ein Leben wie jeder andere Mensch auch leben, sagte Knox, die wieder in den USA wohnt, dem Magazin „People“. „Langsam kann ich wieder zum Rest der Menschheit gehören, weil ich nicht mehr gejagt werde.“ Sie hätte nach dem Mord auch verschwinden können, „und niemand hätte mehr von Amanda Knox erfahren“, sagte sie. „Aber ich denke, das ist der falsche Weg.“

Mit ihrem Freund, einem Schriftsteller, wohnt Knox in Seattle und arbeitet als Journalistin. Sie freue sich darauf, mit ihm ein Baby zu haben, erzählte sie. Hinter Gittern hätte sie diesen Wunsch fast aufgegeben. In einem anderen Interview sagte sie, dass sie auch Todesdrohungen bekommen würde. Sie könne nichts daran ändern, wenn Menschen sie für eine „Femme fatale“ halten würden.

Nicht nur für Knox hat sich das Leben verändert

Aber auch wenn sich das Scheinwerferlicht vor allem auf Knox konzentriert hat: An der Geschichte sind viele Personen beteiligt, die mit dem Fall auch zehn Jahre danach noch nicht abgeschlossen haben. Raffaele Sollecito, der damalige Freund von Knox, wurde zusammen mit ihr verurteilt und freigesprochen. Er kämpft in Italien immer noch um Entschädigung und seinen Ruf. Es bleibe eine „offene Wunde, die sich wahrscheinlich nie schließen wird“, sagte zuletzt sein Vater Francesco Sollecito der Nachrichtenagentur Ansa.

Und dann ist da Rudy Guede, der einzige, der wegen des Mordes noch in Haft sitzt. Am Tatort wurden seine DNA-Spuren gefunden, später wurde der Ivorer in Deutschland festgenommen und sitzt mittlerweile in Viterbo bei Rom eine 16 Jahre lange Gefängnisstrafe ab. Er hält sich für den Sündenbock. Eine Revision lehnte ein Gericht jedoch dieses Jahr endgültig ab.

Rudy Guede (M) wird am 22. Dezember 2009 in Perugia (Italien) von Polizisten zum Gericht geführt. Guede sitzt wegen des Mordes an M. Kercher in Haft. Foto: Pietro Crocchioni/ANSA/dpa
Rudy Guede (M) wird am 22. Dezember 2009 in Perugia (Italien) von Polizisten zum Gericht geführt. Guede sitzt wegen des Mordes an M. Kercher in Haft. Foto: Pietro Crocchioni/ANSA/dpa

Zurück zum Ort des Verbrechens?

In Perugia wurde das Haus, in dem der Mord passierte, mittlerweile verkauft. Die Menschen sind froh, dass ihre Stadt aus dem Scheinwerferlicht verschwunden ist. Der zuletzt von Knox geäußerte Wunsch, eines Tages in die Stadt in Umbrien zurückzukehren, um das Kapitel endgültig zu schließen, kam in Italien allerdings nicht gut an. Auch nicht bei der Familie des Opfers: „Die Tat hat starke Spuren in Perugia hinterlassen. Spuren, die immer noch nicht verschwunden sind“, sagte der Familienanwalt Francesco Maresca, „deshalb wäre eine Rückkehr von Amanda Knox unangemessen.“

Im Jahr 2015 hatte VOX bereits ein US-Drama über die Verurteilung von Knox ausgestrahlt. Hier lesen Sie mehr über den Film. Es gibt auch eine deutsche Aufarbeitung der Ereignisse mit Daniel Brühl aus dem gleichen Jahr. Kritiken konnte der Film allerdings nicht gerecht werden.

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