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Weg mit den Kastenständen für Sauen

Die Debatte wird zum Gradmesser für die Glaubwürdigkeit politischen Handelns, sagt der Tierschützer Thomas Schröder.
Von Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbunds

Regensburg.Die politische Hängepartie um die tierschutzwidrige Haltung von Sauen in engen Kastenständen geht weiter. Die Debatte wird zum Gradmesser für die Glaubwürdigkeit politischen Handelns. Denn während das von Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner angestoßene „Kompetenznetzwerk Nutztierhaltung“ das Tierwohlniveau in der Landwirtschaft erhöhen will, plant Klöckner selbst weitere 15 Jahre Kastenstandhaltung.

Wenn es nach ihrem Verordnungsentwurf geht, soll die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung so geändert werden, dass die eingepferchten Sauen noch nicht einmal mehr ihre Gliedmaßen ungehindert ausstrecken können müssen. Dabei hat das Bundesverwaltungsgericht bereits 2016 bestätigt, dass alle Kastenstände diese eigentlich schon seit 1992 geltende Vorgabe erfüllen müssen. Die Realität in den Ställen aber ist eine andere: Die tierschutzwidrige Haltung im Kastenstand ist bis heute gang und gäbe.

Anstatt nun zu fordern, die Ställe gemäß der Verordnung umzubauen, will Klöckner die Verordnung der Realität in den Ställen anpassen. Die Ratschläge der von ihr einberufenen Expertenrunde für ein Mehr an Tierwohl scheinen sie nur mäßig zu interessieren. Ebenso scheint sie zu ignorieren, dass sie per Amt auch Tierschutzministerin ist. Um das Tier aber geht es schon lange nicht mehr. Stattdessen stehen die ökonomischen Interessen der Tierhalter und mögliche finanzielle Folgen für die Länder, die den Vollzug zu verantworten hätten, im Fokus.

Es bleibt zu befürchten, dass der Kastenstand als grundsätzlich tierschutzwidriges und überkommenes Haltungssystem für viele weitere Jahre zementiert wird – und das, obwohl andere Länder zeigen, dass es auch ohne geht. Derzeit ringen die Bundesländer um eine Einigung. Noch haben die politisch Verantwortlichen die Chance, eine zukunftsfähige Tierhaltung ohne Kastenstand umzusetzen. Die Positionierung zum Kastenstand ist ein Lackmustest für die Glaubwürdigkeit im Tierschutz. Wenn der Kastenstand bleibt, werden auch die Empfehlungen des „Kompetenznetzwerks Nutztierhaltung“ ausgebremst. Und der Wille des Bundesverwaltungsgerichts und das Staatsziel Tierschutz im Grundgesetz würden mit Füßen getreten. Der Kastenstand ist ein Symbol dafür, wie ernst die politischen Bekenntnisse wirklich gemeint sind, mehr Tierschutz in die Ställe zu bringen.

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