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Epidemie

WHO: Zika-Virus ein Gesundheitsnotfall?

Das Zika-Virus verbreite sich in Lateinamerika explosionsartig. Virologen sehen jedoch keine Gefahr für Deutschland.

Das Zika-Virus, das aktuell vor allem in Brasilien grassiert, wird durch Mücken verbreitet.
Das Zika-Virus, das aktuell vor allem in Brasilien grassiert, wird durch Mücken verbreitet. Foto: dpa

Genf.Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) will am kommenden Montag entscheiden, ob wegen des gefährlichen Zika-Virus in Lateinamerika ein weltweiter Gesundheitsnotfall ausgerufen werden muss. „Wir sind extrem alarmiert“, sagte WHO-Generaldirektorin Margaret Chan am Donnerstag in Genf. Der Erreger verbreite sich in einigen Gegenden nahezu explosionsartig, betonte sie bei einer Sitzung des WHO-Exekutivrates.

Nach WHO-Angaben gibt es in Brasilien möglicherweise 1,5 Millionen Zika-Fälle. Zugleich warnte die UN-Organisation vor Panik. „Das ist nicht Ebola“, sagte der WHO-Direktor und Leiter der Abteilung für übertragbare Krankheiten, Marcos Espinal.

Zika-Mücken kommen in Deutschland nicht vor

Die Gesellschaft für Virologie sieht keine Gefahr für Deutschland aufgrund des in Lateinamerika aufgetretenen Zika-Virus. „Es gibt derzeit keinerlei Anzeichen dafür, dass es zukünftig zu einer Übertragung von Zika-Viren über angesiedelte Moskitos in Deutschland kommen wird“, erklärte Prof. Christian Drosten in einer Mitteilung der Gesellschaft vom Donnerstag. Er leitet an der Universitätsklinik in Bonn das Institut für Virologie. Seinen Angaben zufolge nutzen Dengue- und Zika-Viren denselben Überträger, um sich weiter zu verbreiten. Es ist die Mückenart Aedes aegypti. Sie komme in Deutschland gar nicht vor. Und die verwandte Art Aedes albopictus nur äußerst selten.

„Wären die Bedingungen in Deutschland gegeben, wäre Deutschland längst ein Verbreitungsgebiet des Dengue-Fiebers, das sich seit Jahren sehr viel stärker ausbreitet als das Zika-Virus.“

Professor Christian Drosten, Virologe

Drosten erklärte weiter: „Wären die Bedingungen in Deutschland ganzjährig gegeben, wäre Deutschland längst ein Verbreitungsgebiet des Dengue-Fiebers, das sich seit Jahren sehr viel stärker ausbreitet als das Zika-Virus.“ Es ist 1947 erstmals bei einem Affen aus dem Zikawald Ugandas in Afrika festgestellt worden. Es tauchte anschließend vereinzelt auch in Asien auf und dann stärker 2013 in Französisch-Polynesien. Aber erst seit 2015 gibt es einen massenhaften Ausbruch, der in Brasilien seinen Anfang nahm. In Deutschland wurde das Zika-Virus laut Robert Koch-Institut (RKI) beim aktuellen Ausbruch erstmals bei zwei Reiserückkehrern aus Haiti diagnostiziert. Zuvor war es aus anderen Regionen schon eingeschleppt worden.

Die Erforschung des Virus und die Entwicklung eines Impfstoffes dagegen sollten nun Mittelpunkt der Bemühungen stehen, forderte der Wissenschaftler.

Babys kommen mit zu kleinem Kopf zur Welt

Der Zika-Erreger steht im Verdacht, schwere Schädel-Fehlbildungen bei Ungeborenen zu verursachen, wenn sich die Mutter während der Schwangerschaft damit infiziert: Die Babys kommen mit einem viel zu kleinen Kopf auf die Welt (Mikrozephalie); geistige Behinderung ist die Folge. Vor der starken Ausbreitung galt das Zika-Virus als eher harmlos – typische Symptome sind leichtes Fieber, Kopf- und Gelenkschmerzen sowie Hautrötungen. Nicht jeder Infizierte erkrankt.

„Wir müssen alle Kräfte des Staates und der Gesellschaft bündeln.“

Aldo Rebelo, Verteidigungsminister in Brasilien

Das brasilianische Militär will mit einer Großoffensive Stechmücken als Überträger des Virus bekämpfen. Verteidigungsminister Aldo Rebelo betonte am Mittwochabend bei der Vorstellung des Programms: „Wir müssen alle Kräfte des Staates und der Gesellschaft bündeln.“ In Brasilien soll in 356 Städten und Gemeinden sowie Tausenden Schulen über die Gefahr aufgeklärt und Moskitos und deren Eiablageplätze vernichtet werden. 160 000 Soldaten, 30 000 Mitglieder der Marine und 30 000 Militärs der Luftwaffe werden dafür eingesetzt.

Krisentreffen der südamerikanischen Gesundheitsminister

Bisher wurden in Brasilien seit vergangenem Jahr schon 4180 Mikrozephalie-Fälle bekannt – 68 Babys starben. Das Gesundheitsministerium sieht einen klaren Zusammenhang mit dem zuvor kaum bekannten, ursprünglich aus Afrika stammenden Zika-Virus. Auch in Rio de Janeiro, Austragungsort der Olympischen Spiele im August, hat die Zahl solcher Schädelfehlbildungen deutlich zugenommen.

Brasiliens Staatspräsidentin Dilma Rousseff kündigte für nächsten Dienstag ein Krisentreffen der Gesundheitsminister des südamerikanischen Staatenbundes Mercosur an. Vor dem nächste Woche beginnenden Karneval sollen auch in der Hauptveranstaltungsstätte, dem Sambadrom in Rio de Janeiro, die Moskitos mit Spezialmitteln bekämpft werden, damit keine Gefahr für die Besucher besteht.

Das Zika-Virus

  • Ursprung des Zika-Virus:

    Das Virus wurde erstmals 1947 in Uganda bei einem Affen entdeckt. Benannt ist es nach einem südlich der ugandischen Hauptstadt Kampala gelegenen Wald. Das Zika-Virus gehört ebenso wie die Viren des Gelbfiebers und des Dengue-Fiebers zur Familie der Flaviviridae. Der erste Fall beim Menschen wurde nach Angaben der WHO 1968 bekannt.

  • Symptome:

    In bis zu 80 Prozent der Fälle bleibt die Infektion unbemerkt. In den anderen Fällen ähneln die Symptome einer Grippe: Die Infizierten leiden unter Fieber, Kopfschmerzen und Muskelbeschwerden. Außerdem kann Hautausschlag auftreten. Bindehautentzündungen und Augenschmerzen sind ebenfalls möglich, ebenso wie Schwellungen an Händen oder Füßen.

  • Komplikationen:

    Bislang wurde noch kein Todesfall im Zusammenhang mit Zika gemeldet. Allerdings sind schwere neurologische Schäden wie etwa das Guillain-Barré-Syndrom bekannt, eine entzündliche Nervenkrankheit. Für Schwangere ist das Virus besonders gefährlich: Es kann sich auf das ungeborene Kind übertragen und zu Hirnfehlbildungen sowie möglicherweise zu Mikrozephalie führen, einem abnormal kleinen Kopf.

  • Behandlungsmethoden:

    Es gibt bislang weder einen Impfstoff noch ein gezieltes Medikament zur Behandlung Erkrankter. Einzig möglich ist es daher, die Beschwerden mit Schmerzmitteln zu lindern. Um sich in den betroffenen Regionen gegen Mückenstiche zu schützen, helfen lange Hosen und Hemden, Insektenmittel und Moskitonetze. Infizierte sollten unbedingt weitere Mückenstiche vermeiden, um den Verbreitungskreislauf zu durchbrechen.

  • Verbreitung:

    Nach Zika-Fällen in Afrika, Asien und dem Pazifik-Raum erreichte das Virus im vergangenen Jahr Südamerika. Dort ist Brasilien besonders betroffen. Am Mittwoch wurden aus Deutschland und der Schweiz je zwei Infektionsfälle bekannt, aus Dänemark einer. Zuvor hatten bereits Großbritannien, Schweden, Portugal und die Niederlande Fälle gemeldet.

Auch Nicaragua meldete erste Infektionen. Honduras wies etwa 1000 Ansteckungen nach. Der Erreger ist in über 20 Ländern Lateinamerikas aufgetaucht. Experten befürchten eine Ausbreitung auf den gesamten amerikanischen Kontinent - mit Ausnahme von Alaska und Teilen Chiles.

Seit 2015 gibt es einen massenhaften Ausbruch

Frankreichs Gesundheitsministerin Marisol Touraine warnte Schwangere vor Reisen in französische Überseegebiete. Geplante Touren etwa auf die Karibikinsel Martinique oder nach Französisch-Guayana sollten verschoben werden, sagte sie dem Sender France Info.

Das Virus ist 1947 erstmals bei einem Affen aus dem Zikawald Ugandas in Afrika festgestellt worden. Es tauchte anschließend vereinzelt auch in Asien auf und dann stärker 2013 in Französisch-Polynesien auf. Aber erst seit 2015 gibt es einen massenhaften Ausbruch, der in Brasilien seinen Anfang nahm. In Deutschland wurde laut Robert Koch-Institut (RKI) beim aktuellen Ausbruch als erstes bei zwei Reiserückkehrern aus Haiti eine Infektionen diagnostiziert.

Reisende, die binnen drei Wochen nach der Rückkehr aus einem von Zika betroffenen Land Symptome wie Fieber, Kopfschmerzen oder Hautrötungen feststellen, sollten laut RKI einen Arzt aufsuchen und auf die Reise hinweisen. Ein Bluttest kann dann definitiven Aufschluss geben.

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