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Zahlen zu Grippetoten nicht vergleichbar

In sozialen Medien wird über die Zahl der Todesfälle in Zusammenhang mit der Grippe diskutiert. Ein Faktencheck.

Eine Mitarbeiterin des Landesgesundheitsamtes Baden-Württemberg pipettiert in einem Labor Proben mit Verdacht auf Influenza-Viren. Foto: Marijan Murat/dpa
Eine Mitarbeiterin des Landesgesundheitsamtes Baden-Württemberg pipettiert in einem Labor Proben mit Verdacht auf Influenza-Viren. Foto: Marijan Murat/dpa

Berlin.Die Frage, ob es aktuell mehr Todesfälle in Zusammenhang mit dem Coronavirus als mit der Grippe gibt, beschäftigt viele Menschen. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) wurden 411 Grippetote zwischen Oktober 2019 und Anfang April 2020 gemeldet. Das seien „24.689 Tote weniger als vor zwei Jahren“, wird in sozialen Medien behauptet. Angesichts dieser großen Differenz wird die Vermutung geäußert, dass die Grippetoten „jetzt zu Corona gezählt“ werden.

Bewertung: Die Grundlage der Berechnung ist falsch. Die 25 100 Todesfälle aus der Saison 2017/18 sind eine Schätzung, die laborbestätigten Todesfälle lagen mit 1674 deutlich darunter.

Fakten: Das RKI veröffentlicht regelmäßig einen „Influenza-Wochenbericht“ mit aktuellen Werten. Im Bericht zur Kalenderwoche 14/2020 führt das RKI seit der 40. KW 2019 insgesamt „411 Todesfälle mit Influenzavirusinfektion“ auf. Im Bericht zur Kalenderwoche 15/2020 waren es 434.

Zusätzlich veröffentlicht das Institut jährlich den „Bericht zur Epidemiologie der Influenza in Deutschland“. Darin sind sowohl die erfassten als auch geschätzte Zahlen der durch die Grippe-Viren verursachten Todesfälle der letzten Jahre aufgelistet. Im Saison-Bericht 2018/19 werden daher pro Jahr zwei unterschiedliche Werte tabellarisch aufgeführt.

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Bei der „Exzess-Schätzung“ wird „die der Influenza zugeschriebene Sterblichkeit mittels statistischer Verfahren“ geschätzt. Dabei wird zuerst eine Hintergrundmortalität, also die erwartete Todesrate ohne Einfluss von Influenza, errechnet. „Die mittels statistischer Verfahren geschätzte Anzahl zusätzlicher Todesfälle wird als Exzess-Mortalität bezeichnet,“ schreibt das RKI.

Demgegenüber stehen „laborbestätigte Todesfälle“, die auch in den Wochenberichten aufgeführt sind. Dabei handelt es sich um aus Meldedaten der an das RKI übermittelten „Todesfälle mit laborbestätigter Influenzainfektion gemäß Infektionsschutzgesetz“. Diese Zahl spielt für die „Exzess-Schätzung“ keine Rolle.

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In der Saison 2017/18 war Deutschland einer ungewöhnlich starken Grippewelle ausgesetzt. Im RKI-Bericht werden 25 100 Todesfälle durch die Exzess-Schätzung aufgelistet, daneben stehen 1674 laborbestätigte Todesfälle.

Im verbreiteten Post wird also die „Exzess-Schätzung“ der Saison 2017/18 (25 100) dem Wert der laborbestätigten Todesfälle der aktuellen Saison 2019/20 (411) gegenübergestellt. Diese sind nicht vergleichbar.

Betrachtet man die hingegen die Zahlen der laborbestätigten Todesfälle, so kommt man auf eine Differenz von 1263, nicht von 24 689. Eine „Exzess-Schätzung“ zur aktuellen Saison wurde noch nicht veröffentlicht.

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