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Mittwoch, 21. Februar 2018 3

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Recht ist nicht immer gerecht

Eine verjährte Vergewaltigung stürzt zwei Familien ins Chaos. „Der Tod und das Mädchen“ steckt voller starker Gefühle.
Von Fabian Nitschmann, dpa

Van Leeuwen und Vickys Eltern (vorne, l-r, gespielt von Peter Haber, Barbara Auer, Jörg Schüttauf) warten auf die Entscheidung des Richters. Foto: Jo Voets/ZDF/dpa

München.Eine Vergewaltigung kann in Deutschland verjähren. Was Recht ist, empfinden nicht alle auch als gerecht. Schon gar nicht, wenn das Opfer Jahrzehnte nach der Tat selbst auf der Anklagebank sitzt – verklagt vom damaligen Täter. Genau vor dieses Szenario stellt der Arte-Film „Der Tod und das Mädchen“ am Freitag (27. Oktober, 20.15 Uhr) die Fernsehzuschauer. Ein intensives Werk, das nicht nur wegen des moralischen Dilemmas in Erinnerung bleibt.

Denn von Beginn an wird klar: Vicky (Katharina Lorenz, 38, „Der Tel-Aviv-Krimi“) leidet. Vor 30 Jahren wurde die damals Neunjährige von ihrem Nachbarn vergewaltigt – und 30 Jahre lang traute sie sich nicht, den Namen des Täters zu nennen. Dank neuester DNA-Technik hält Ermittler Bruno van Leeuwen (Peter Haber, 64, „Verblendung“) nun den Beweis in den Händen. Der Täter wird festgenommen – und Vicky muss sich noch mehr mit der Vergangenheit beschäftigen, als ihr lieb ist.

Der Täter kann nicht mehr bestraft werden

Von Beginn an ist aber auch klar: Der Täter, Piet Martens (Bruno Cathomas, 52, „Wolfsfährte“), kann nicht mehr bestraft werden. Die Vergewaltigung ist verjährt. Dass Vicky ihrem Peiniger bei einem zufälligen Treffen im Polizeirevier eine Glasflasche über den Kopf zieht, ist dagegen ganz aktuell – und landet vor Gericht. Das Opfer wird zum Täter, bekommt sechs Monate auf Bewährung und muss ertragen, wie ihr gesamter Fall erneut aufgerollt und diskutiert wird.

Allein diese moralische Debatte, dargestellt in einer eindrucksvollen Szene vor Gericht, hätte wohl einen Spielfilm füllen können. Doch „Der Tod und das Mädchen“ verliert an dieser Stelle nicht viel Zeit. Stattdessen folgt der nächste, nicht weniger spannende Konflikt: Denn für die beiden befreundeten Familien bleibt in dem Film von Grimme-Preisträger Hans Steinbichler (Regie) und Drehbuchautorin Nicole Armbruster nichts, wie es mal war.

Gefühle verjähren nicht

Gerechtigkeit, Rache und der Drang nach Selbstjustiz treiben dabei die von starken Gefühlen geprägte Geschichte immer weiter voran. Durch die guten schauspielerischen Leistungen entsteht außerdem eine eindrückliche Stimmung, immer wieder untermalt mit Kirchenmusik.

Steinbichlers Film ist ergreifend und mitreißend, weil die Ausgangssituation so einfach und gleichzeitig brutal ist. Dass Vicky zunehmend den Verstand verliert, seit Jahren unter der Situation leidet, wird mit jeder Minute und jeder neuen Information über den Fall nachvollziehbarer. Letztlich bestimmten Tränen, Verzweiflung, Wut und Ohnmacht die Geschichte. Die Botschaft der Macher scheint dabei klar zu sein: Gefühle verjähren nicht.

Der Krimi „Der Tod und das Mädchen“ wird an diesem Freitag, den 27. Oktober, um 20.15 Uhr auf Arte gezeigt

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