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Chefhostess verlässt das „Traumschiff“

Beatrice, die gute Seele des Dampfers, geht von Bord. Die letzten Folgen mit ihr schließen ein Kapitel Fernsehgeschichte.
Von Jonas-Erik Schmidt, dpa

Heide Keller beendet ihre Karriere als Chefstewardess Beatrice auf dem „Traumschiff“. Foto: Angelika Warmuth/dpa

Bonn.Heide Keller zitiert oft Wolfgang Rademann, den 2016 gestorbenen „Traumschiff“-Erfinder. Der habe gesagt: „Es gibt so viel Schreckliches. Da muss man das doch nicht auch noch in der Unterhaltung zeigen.“ Heide Keller, die alle nur als Chefhostess Beatrice auf dem ZDF-“Traumschiff“ kennen, hält sich strikt daran. Bis zur letzten Sekunde.

In der Folge an Neujahr (ZDF, 1. Januar, 20.15 Uhr) ist es nämlich so weit. Beatrice, seit 1981 auf dem „Traumschiff“ und eine Art Kulturgut des deutschen Fernsehens, hängt ihre Uniform für immer an den Nagel. Sie verlässt das Schiff. Allerdings nicht mit Schrecken – sondern mit einem Happy End. Letzter Satz: „Es war schön.“

Beatrice war seit dem ersten Stapellauf dabei

Es ist kein unbedeutender Abschied, den das ZDF in der Folge „Los Angeles“ zeigt und schon in der Folge „Uruguay“ am zweiten Weihnachtsfeiertag (ZDF, 26. Dezember, 20.15 Uhr) einläutet. Man muss sich das vorstellen: Beatrice war seit dem ersten Stapellauf dabei. Sie ist länger auf dem „Traumschiff“ als Mutter Beimer in der „Lindenstraße“ (ARD). Und als Schiffsmutter stand sie sinnbildlich für die ganze Serie: Harmonie, strahlende Uniformen, wenige Doppeldeutigkeiten. Das Hostess gewordene gute, alte Fernsehen.

Die Geschichte, die rund um ihren letzten Landgang erzählt wird, ist typisch „Traumschiff“: Etwas konstruiert, aber nett anzuschauen. Beatrice hat – unter Pseudonym – ein Buch geschrieben, „an langen Abenden und verregneten Tagen“. Was bemerkenswert ist, denn eigentlich regnet es nie auf dem „Traumschiff“. Das Buch wird auf Anhieb ein Bestseller und bald taucht auch noch ein Hollywood-Produzent auf, man ist schließlich in Los Angeles.

Zudem denkt Beatrice offenkundig schon länger daran, aufzuhören. Die Fernseh-Hostess formuliert es in der Folge so, wie es Schauspielerin Heide Keller bereits Anfang des Jahres formulierte: „Ich möchte gehen, solange ich noch in Stöckelschuhen die Gangway herunterkomme.“ Zu Kapitän Victor Burger sagte sie: „Du bist doch jetzt groß. Du kannst das schon allein.“

Man meint dabei nicht nur zwei Crew-Mitglieder sprechen zu hören, sondern auch einer Abschiedszeremonie zweier Stars der deutschen 80er-Jahre-Serienwelt beizuwohnen. Denn Burger wird gespielt von dem einige Jahre jüngeren Sascha Hehn (63, „Schwarzwaldklinik“), der 1981 als Steward mit an Bord ging. Heute ist er der Chef des Dampfers.

Chefstewardess Beatrice (Heide Keller, m.) verlässt die „Traumschiff“-Crew um Kapitän Victor Burger (Sascha Hehn, l.) und Schiffsarzt Dr. Wolf Sander (Nick Wilder, r.). Foto: Dirk Bartling/ZDF/dpa

Viele Querverweise zur echten Heide Keller

Überhaupt ist auffällig, wie viele Querverweise zwischen der fiktiven Beatrice und der echten Heide Keller gemacht werden. Das Pseudonym, unter dem die Hostess Star-Autorin wird, lautet „Jac Dueppen“ – und erinnert so an das Pseudonym, unter dem die gebürtige Düsseldorferin Keller selbst Geschichten für das „Traumschiff“ schrieb. Auch jetzt, nach ihrer Karriere auf dem „Traumschiff“, widmet sie sich dem Schreiben. Gerade arbeitet Heide Keller an einem eigenen Buch.

Die Schauspielerin weist gar nicht groß zurück, dass auch sie den Moment für fernsehhistorisch hält. Das lässt sich unter anderem an der SMS ablesen, die sie nach der letzten Klappe ihrem Kollegen Harald Schmidt (60) – an Bord Kreuzfahrtdirektor Oskar Schifferle – geschickt habe: „Es ist vollbracht.“ In der Bibel waren es die Worte von Jesus nach der Kreuzigung, bevor er verschied.

„Ich denke: Alles hat seine Zeit. Und ich bin dankbar, dass ich selbst über meinen Abschied entscheiden konnte“, sagt Keller der Deutschen Presse-Agentur. Ihre Stimme klingt dabei allerdings belegt. Sie ist jetzt 78 Jahre alt, wie sie erklärt. Mitunter kursierten dazu unterschiedliche Angaben. „Irgendwann hat mal jemand ein falsches Geburtsdatum in ein Buch geschrieben“, erläutert sie.

Übrigens: Wer die beiden „Traumschiff“-Folgen rund um Weihnachten und den Jahreswechsel guckt, bekommt natürlich nicht nur Beatrice. Vielmehr werden wieder allerhand Geschichten von Passagieren erzählt, die vor Urlaubskulisse abenteuerliche Dinge erleben. In der Folge „Uruguay“ etwa über verfeindete Lehrer-Kollegen, die durch Zufall denselben Landausflug buchen, ein kriselndes Paar im Tango-Kurs und eine Frau mit todbringender Krankheit, die zu allem Überfluss auch noch die Jugendliebe des Kapitäns ist. Unter anderem spielt Christine Neubauer (55) mit.

Das „Traumschiff“ ist: Eine lustige Geschichte, eine romantische, eine abenteuerliche. Zudem die Titelmusik von James Last und Eisbomben mit Wunderkerzen. Und Beatrice. Sie geht, der Rest bleibt.

Die letzten beiden „Traumschiff“-Folgen mit Beatrice werden am zweiten Weihnachtsfeiertag und an Neujahr auf ZDF ausgestrahlt.

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