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Der Film, der Ingmar Bergman rettete

Ingmar Bergmann hatte mit Schaffenskrisen und Zweifeln zu kämpfen. Eine TV-Doku erzählt nun, wie er damit umgegangen ist.
Von Klaus Braeuer, dpa

Der schwedische Filmregisseur Ingmar Bergman wäre am 14. Juli 2018 100 Jahre alt geworden. Foto: EPA/ dpa

Berlin.Für viele Kritiker ist dieser Film der kreativste und beste, den der Regisseur Ingmar Bergman jemals gedreht hat. Doch welche Bedeutung dieser Spielfilm für Bergman ganz persönlich hatte, davon berichtet die Dokumentation „Persona: Der Film, der Ingmar Bergman rettete“. Im Rahmen eines Ingmar-Bergman-Themenabends ist sie an diesem Mittwoch (7. Februar, 22.10 Uhr,) auf Arte zu sehen. Der Spielfilm „Persona“ (Schweden 1966) mit Liv Ullmann und Bibi Andersson wird im Anschluss daran (23.05 Uhr) gezeigt.

Ingmar Bergman und die Schauspielerin Liv Ullmann waren vier Jahre lang ein Paar. Foto: -/UPI/dpa

Bergman war im Frühjahr 1966 längere Zeit krank, eine verschleppte Erkältung plagte ihn, nachdem er ein Drehbuch geschrieben hatte, das für einen vierstündigen Film ausgereicht hätte. Schließlich lag er mit einer Lungenentzündung im Krankenhaus. „Ingmar war nicht krank. Er wollte bloß diesen Film nicht machen“, sagt die Schauspielerin Liv Ullmann in dieser Doku. Für sie war „Persona“ der erste Film mit Bergman, dem noch zehn weitere folgen sollten. Von 1965 bis 1969 war sie außerdem auch privat seine Partnerin.

„Persona“ stellte den Wendepunkt in Bergmans Leben dar

In „Persona“ übernimmt sie die Rolle einer Bühnenschauspielerin, die beschließt, nicht mehr zu sprechen. Der Film ist eine Mischung aus klassischem Spiel- und Experimentalfilm. „Ich glaube, man kann sagen, dass „Persona“ einer persönlichen Erfahrung entspringt, einer Art von Wahrheitskrise. Ich dachte stets, die einzige Form von Wahrheit ist einfach Schweigen“, sagte Bergman selbst über seinen Film, der einen Wendepunkt in seinem Leben darstellte.

Autorin und Regisseurin Manuelle Blanc blickt zurück auf Bergmans streng protestantische Erziehung samt körperlichen Strafen und traumatisierenden psychischen Erniedrigungen, die ihn als Kind lange verfolgt haben müssen. Sie stellt die Behauptung auf, dass sich all das in seinen Filmen widerspiegeln würde.

Zu Wort kommen in ihrem gut recherchierten Film unter anderem der Direktor der Ingmar Bergman Stiftung, Jan Holmberg, der Bergman „eine etwas komplizierte Auffassung von Realität“ attestiert. Der Regisseur Arnaud Desplechin meint, dass ein Filmemacher stets auch ein guter Lügner sein müsse, denn „wenn man Geschichten erzählen will, dann will man die Erwachsenen belügen, das Leben schöner und gefährlicher machen, als es in Wirklichkeit ist“.

Bergman war fünfmal verheiratet

Das erwachsene Leben von Ingmar Bergman (1918 bis 2007) war geprägt von wechselnden Beziehungen mit Frauen – er war fünfmal verheiratet und hatte neun Kinder – und großem künstlerischen Schaffensdrang. Er hat wohl stets für eine Gesamtvision gelebt und versucht, sie auch zu verwirklichen – an Selbstbewusstsein mangelte es ihm nicht, aber auch nicht an Ängsten, Obsessionen und Zweifeln.

Er hat etwa 50 Filme, Serien und Dokumentationen und unzählige Theaterstücke inszeniert. In seinen Filmen reflektierte er zumeist sich selbst. Er thematisierte häufig existenzielle Themen wie die Suche nach Gott („Gefängnis“, 1949), Sexualität („Das Schweigen“, 1963), den Tod („Schreie und Flüstern“ (1972), zwischenmenschliche Beziehungen („Szenen einer Ehe“, 1973) und die Einsamkeit des Menschen („Herbstsonate“, 1978).

Bergman ließ Schauspieler direkt in die Kamera schauen; er verlieh dem Schweigen mindestens genauso viel Kraft wie dem Wort – beides gilt für besonders in „Persona“. In diesem Spielfilm ist klar zu erkennen, dass seine moderne Filmsprache sich durch lange, fast beängstigende Naheinstellungen und eine ausgeklügelte Lichtsetzung auszeichnete. Seine Filme sind oft schwer zu verstehen, doch sie regen noch immer zur tieferen Reflexion an – für „Persona“ gilt das ganz bestimmt.

Die Dokumentation „Persona: Der Film, der Ingmar Bergman rettete“ ist an diesem Mittwoch, den 7. Februar, um 22.10 Uhr auf Arte zusehen.

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