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Sonntag, 25. Februar 2018 -3° 1

Fernsehen

Der Quotenschlager aus Franken

Viele Bayern schauen am Freitag „Fastnacht in Franken“. Die Fernseh-Prunksitzung ist die beliebteste Sendung des BR.

Was Markus Söder (r.) wohl dieses Jahr trägt? Foto: Daniel Karmann/dpa

Veitshöchheim.Ordentliche Seitenhiebe gegen die Politik, jede Menge fröhlichen Klamauks, intelligente Kritik an der Gesellschaft, sportliche Höchstleistungen auf Meisterniveau – und das alles vor der quietschbunten Kulisse eines Rokokogartens. Das ist die Fernseh-Prunksitzung „Fastnacht in Franken“. Am Freitag flimmert die Sendung des Bayerischen Rundfunks wieder über Millionen Fernsehbildschirme im Freistaat. Der Quotenschlager – keine andere Sendung des BR ist dem Sender zufolge so erfolgreich – wird vermutlich erneut mehr als vier Millionen Menschen vor die Fernseher locken.

Die Altneihauser Feierwehrkapell’n tritt am Freitag in Veitshöchheim bei Würzburg (Unterfranken) auf der Prunksitzung des Fränkischen Fastnachtsverbandes „Fastnacht in Franken“ auf. Foto: David Ebener dpa/lby

Die Zuschauer können sich dabei sowohl auf die altbekannten und beliebten Fastnacht-Stars wie das Duo Volker Heißmann und Martin Rassau, Bauchredner Sebastian Reich und Nilpferddame Amanda, Büttenredner Peter Kuhn, Komiker Michl Müller und die freche Altneihauser Feierwehrkapell’n freuen.

Männerballet neu dabei

Jedes Jahr treten die besten tanzgarden aus Deutschland bei der „Fastnacht in Franken“ auf. Foto: David Ebener/dpa

Gleichzeitig aber kommt auch Neues auf die Bühne in Veitshöchheim. So tritt heuer erstmals bei der „Fastnacht in Franken“ ein „hochwertiges“ Männerballett auf, wie der Präsident des Fränkischen Fastnacht-Verbandes, Bernhard Schlereth, im Vorfeld verriet. „Bisher hatten wir nur die urkomische, die lustige Variante. Dieses Männerballett weist eine hohe künstlerische Qualität auf – es ist unter anderem amtierender bayerischer Meister.“ Akrobatische Höchstleistungen versprechen auch die Auftritte der Tanzgarden und der zwei besten Tanzmariechen Deutschlands.

In die Mainfrankensäle passen Schlereth zufolge 580 Gäste. Ein Großteil der Plätze am Freitag ist für die Ehrengäste wie Bayerns Politiker, bekannte Gesichter aus Gesellschaft und Kirche sowie Sponsoren reserviert. Etwa 200 Karten aber werden unter allen Interessenten ausgelost. „Wir hatten wieder über 10 000 Anfragen. Die Tendenz ist seit Jahren leicht steigend“, sagte Schlereth.

Klicken Sie sich hier durch unsere Bildergalerie zur „Fastnacht in Franken“ aus dem vergangenen Jahr:

Impressionen von der Fastnacht in Franken

Auch das Interesse der Politik lässt nicht nach. Im Gegenteil: „Mittlerweile kann man da schon fast von einem Wettbewerb der schönen, der einfallsreichen Maskerade sprechen“, sagt Fastnachtschef Schlereth dazu. Fast das gesamte bayerische Kabinett und die führenden Oppositionspolitiker lassen sich seit Jahren nicht lumpen, erscheinen oft aufwendig verkleidet in Veitshöchheim und machen zu den Sticheleien der Künstler tapfer ein freundliches Gesicht.

Seehofer wegen GroKo-Verhandlungen nicht dabei

Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU) posierte 2014 als „Shrek der tollkühne Held“ verkleidet auf der Prunksitzung des Fränkischen Fastnachtsverbandes „Fastnacht in Franken“ in Veitshöchheim bei Würzburg (Bayern). Foto: David Ebener/dpa

Allen voran Finanzminister Markus Söder (CSU), der oft das meiste Fett abbekommt. In den vergangenen Jahren hatte er mit seinen Kostümen mal mehr, mal weniger deutlich darauf aufmerksam gemacht, dass er der nächste Ministerpräsident Bayerns sein will. Nun, da er designierter Regierungschef ist, ist die Spannung umso größer: Nutzt Söder die Gelegenheit für einen letzten kostümierten Seitenhieb gegen Parteichef Horst Seehofer, um dann ab 2019 zurückhaltender auf der Fastnacht zu erscheinen? Ein direktes Zusammentreffen wird es diesmal allerdings nicht geben. Die Staatskanzlei in München bestätigte, dass Seehofer wegen der Koalitionsverhandlungen in Berlin nicht nach Veitshöchheim kommt.

Auf die Witze auf Kosten der Politiker, allen voran Söder und Seehofer, müssten die Zuschauer dennoch nicht verzichten, sagte Kathrin Degmair, Leiterin des Frankenstudios des Bayerischen Rundfunks (BR). „Wir werden ihnen (den Politikern) den Spiegel vorhalten – so oder so“.

Der designierte Ministerpräsident Bayerns warf sich in den letzten Jahren zur Faschingszeit immer wieder in Schale. Klicken Sie sich durch die bunten und außergewöhnlichen Kostüme von Markus Söder:

Markus Söder - Der Faschingsnarr


Dreieinhalb Stunden Spaß und Heiterkeit

Bauchredner Sebastian Reich und seine Nilpferddame Amanda sind bei der „Fastnacht in Franken“ schon altbekannt. Foto: David Ebener/dpa

Bauchredner Sebastian Reich und seine Nilpferddame Amanda haben sich deshalb heuer besonders intensiv vorbereitet. „Wir haben dieses Jahr natürlich Plan A und Plan B in der Schublade. Und einen Plan C vielleicht auch. Aber es wäre schön, wenn beide da sind“, sagte Reich dazu.

Der BR überträgt die etwa dreieinhalbstündige Prunksitzung des Fränkischen Fastnacht-Verbandes live. Sie gilt als der Quotenschlager des Senders. 2017 schauten bundesweit etwa 4,5 Millionen Menschen die „Fastnacht in Franken“. Die Sendung wird heuer zum 30. Mal aus Veitshöchheim übertragen. Die erste Sendung 1987 kam noch aus dem oberfränkischen Lichtenfels. 1991 fiel die Sendung wegen des Golfkriegs aus.

Erstmals wird der Bürgermeister der Gemeinde, Jürgen Götz, die Gäste im Saal und vor den Bildschirmen musikalisch begrüßen. Er wird die Pavel-Sandorf-Bigband mit dem Saxofon begleiten, während seine Frau und seine Schwägerin das Eröffnungslied „Es lebe unsere Fasenacht“ singen.

Barrierefreie „Fastnacht in Franken“

Damit auch Blinde und Sehbehinderte die Fernsehprunksitzung „Fastnacht in Franken“ mitverfolgen können, wird die Sendung heuer erstmals auch mit Audiodeskription angeboten. Das bedeutet, dass Sprecher die Fernsehbilder genau beschreiben. „Bildbeschreibung für Blinde und Sehbehinderte machen wir schon ziemlich lang, aber meistens für vorproduzierte Filme und Serien“, sagte Redakteur Bernd Benecke, der beim Bayerischen Rundfunk auch für die barrierefreien Angebote Hörfilm und Audiodeskription zuständig ist. Dass in diesem Jahr auch die Fastnachtssendungen aus Bayern damit versehen werden, ist neu. Einer BR-Sprecherin zufolge ist der Sender damit Vorreiter.

Die Live-Audiodeskription ist für die Sprecher eine Herausforderung. Sie müssen versuchen, ihre detaillierten Beschreibungen der Kulissen, der Künstler sowie deren Mimik und Gestik und der Kostüme in die Sprach- und Applauspausen zu legen. „Das geht dann schon manchmal über einen Dialog drüber oder man verspricht sich schon einmal“, sagte Benecke dazu.

Die größte Schwierigkeit aber sei das Erkennen der bayerischen Landespolitiker. „Es ist nicht einfach, die Leute zu erkennen, wenn sie aufwendig verkleidet sind“, sagte Sprecherin Julia Schukowski dazu. Sie wird am Freitag die Sendung aus Veitshöchheim (Landkreis Würzburg) gemeinsam mit einem Kollegen live kommentieren. Deutlich leichter seien die Tanzaufführungen. „Die kann man in aller Ruhe ausführlich beschreiben.“

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